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Olympia 2026: Teaminterner Ärger? "Macht uns Leben sicher nicht leichter"

Deutsches Debakel: Was lief schief?

Die deutschen Skispringerinnen verpassen erneut eine Medaille. Im Einzelspringen landet die beste Deutsche auf Platz zehn.
Beim Skispringen leben die Athleten den Traum vom Fliegen - insbesondere auf den ganz großen Schanzen. Inzwischen sind Sprünge auf weit über 200 Meter möglich. SPORT1 zeigt die Entwicklung des Weltrekords.
Die deutschen Skispringerinnen verpassen erneut eine Medaille. Im Einzelspringen landet die beste Deutsche auf Platz zehn.

Die deutschen Skispringerinnen haben auch bei der Olympia-Premiere des Wettkampfs von der Großschanze eine Medaille verpasst und fahren damit erstmals ohne Edelmetall von Winterspielen nach Hause.

In Predazzo kam Agnes Reisch als beste DSV-Athletin beim zweiten Einzel-Gold der Norwegerin Anna Odine Ström in einem stark vom Rückenwind beeinflussten Wettbewerb auf Rang zehn.

„Dass der Aufbau nicht hingegangen ist, würde ich nicht sagen. Aber der Plan, dann auch bei den Olympischen Spielen zu performen, der ist auf jeden Fall nicht aufgegangen. Da wird man sich definitiv im Nachgang hinsetzen und wird dann auch schauen: Was waren die Punkte, wo man es - auf dem Weg oder vielleicht auch hier - verloren hat?“, analysierte der frühere deutsche Skisprung-Star Severin Freund im ZDF.

Olympia: Freitag chancenlos - Schmid emotional

Vizeweltmeisterin Selina Freitag war bereits im ersten Durchgang chancenlos zurückgefallen und landete nach einem soliden zweiten Sprung letztlich auf Platz 17. „Ich muss irgendwie versuchen, das hinzunehmen“, sagte Freitag: „Es ist wirklich hart, nach solchen Vorleistungen ohne Medaille nach Hause zu fahren.“

Juliane Seyfarth, nach dem ersten Durchgang noch als Neunte aussichtsreichste Deutsche, wurde auf Platz 23 durchgereicht.

Ganz übel erwischte es Katharina Schmid. Die Rekord-Weltmeisterin schied in ihrem letzten Springen bei einer großen internationalen Meisterschaft als 42. des ersten Durchgangs aus. „Das tut sehr, sehr weh“, sagte die zweimalige Olympiazweite.

Spannungen im deutschen Team?

Zuletzt hatten sich Berichte über Spannungen innerhalb des Teams gehäuft. Welche Rolle spielte das beim historisch schlechten Abschneiden.

Bundestrainer Heinz Kuttin hatte gewisse Probleme vor dem abschließenden Wettbewerb nicht komplett dementiert. Zwar sprach er von einem „grundsätzlich sehr guten Teamgeist“, räumte jedoch auch ein: „Aber es ist auch jede einzelne Athletin so weit, dass sie sagt: ‚Ja, aber ich möchte auch besser sein als du.‘ Das macht uns jetzt das Leben in diesem Moment sicher nicht leichter."

Auch Experte Freund meinte, dass es intern „knirschen“ würde, sei etwas zu groß gesagt: „Aber vielleicht ein bisschen der falsche Fokus. Denn eigentlich sollte immer dein persönliches Ziel sein: Ich will weit genug vorne sein - und am besten ist noch jemand aus dem eigenen Team mit mir vorne dabei“, so Freund: „Dann kann man sich gegenseitig helfen. Das ist da vielleicht gerade ein bisschen verloren gegangen.“

Olympia: Bundestrainer analysiert Enttäuschung

Im Nachgang der bitteren Enttäuschung sagte der Bundestrainer dann: „Wenn du im ersten Wettkampf einen draufkriegst, dann ist es bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften umso zäher. Ich denke trotzdem, dass wir im Team ein gutes Klima gehabt haben. Wir haben tagtäglich daran gearbeitet, dass wir positiv bleiben, und kämpfen bis zum Schluss.“

Freund wurde in seiner Analyse etwas klarer: „Du weißt, du hast jetzt noch eine Chance, da legst du einfach alles rein - und dann funktioniert es oder es funktioniert nicht. Das ist schon früher auf dem Weg ins Stolpern gekommen. Das ging beim Training los, dass da die Sprünge nicht so flüssig gekommen sind, nicht so natürlich wie davor. Vielleicht auch in der Einordnung, dass man es nicht so richtig gesehen hat.“

Probleme bei den Olympischen Spielen im Team Deutschland

Schon vor dem Springen hatte Freund in dieselbe Kerbe geschlagen. „Du kannst auf dem Weg zu so einem Großereignis viel kontrollieren, aber was dann vor Ort passiert, das hat ganz viel mit den kleinen Dingen zu tun, die viel beeinflussen können: Stimmung vor Ort, die Atmosphäre, was vielleicht anders ist. Der Weg dahin war gut, hier vor Ort hat es sich aber nie so richtig gelöst“, hatte er gemeint.

Die deutschen Springerinnen hatten zuvor bei allen ihren Olympia-Reisen Medaillen gewonnen. Bei der Premiere 2014 hatte Carina Vogt überraschend Gold geholt, 2018 und 2022 gab es Silber für Katharina Schmid. Zuvor hatte nur bei einem Großereignis - der WM 2011 - keine deutsche Springerin eine Medaille eingefahren.

Topfavoritin Prevc erneut geschlagen

Ström, die schon auf der Normalschanze triumphiert hatte, setzte sich mit Sprüngen auf 130,5 und 132,0 m (284,8 Punkte) knapp vor ihrer Landsfrau Maria Eirin Kvandal (282,7) durch, die nach dem ersten Durchgang geführt hatte.

Topfavoritin Nika Prevc (Slowenien) verpasste 24 Stunden nach dem Triumph ihres Bruders Domen erneut den erhofften Einzelsieg und wurde Dritte (271,5).

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)