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Erlöser einer Radsport-Nation? "Er wird mal ein Monster"

„Er wird mal ein Monster“

Frankreich hat einen neuen Radsport-Star. Paul Seixas ist erst 19 Jahre alt und befeuert schon Sehnsüchte in der Grande Nation. Sogar Tadej Pogacar schwärmt.
Paul Seixas ist Frankreichs neue Rad-Hoffnung
Paul Seixas ist Frankreichs neue Rad-Hoffnung
© IMAGO/Belga
Frankreich hat einen neuen Radsport-Star. Paul Seixas ist erst 19 Jahre alt und befeuert schon Sehnsüchte in der Grande Nation. Sogar Tadej Pogacar schwärmt.

Dem explosiven Antritt von Paul Seixas hatte auch Florian Lipowitz nichts entgegenzusetzen. Staunend musste der deutsche Tour-Dritte an einem steilen Bergpass zusehen und anerkennen, dass Frankreichs Radsport-„Wunderkind“ ihm und allen anderen Fahrern zu Beginn der stark besetzten Baskenland-Rundfahrt überlegen ist.

Seine sensationelle Solo-Show sicherte Seixas am Dienstag den zweiten Etappensieg und ein Polster an der Spitze der Gesamtwertung. „Ich habe nicht gezögert, anzugreifen. Das Schlimmste ist, Angst zu haben, ein Risiko einzugehen“, sagte Seixas: „Ich liebe es, so zu fahren.“

Radsport: Seixas als „Wunderkind“ gefeiert

Das 19 Jahre alte Top-Talent aus Lyon, das auch am Mittwoch auf der dritten Etappe Platz eins souverän verteidigte, steuert im Norden Spaniens auf seinen ersten Gesamtsieg auf World-Tour-Niveau zu – und befeuert den Hype in seiner Heimat. Sein Potenzial scheint grenzenlos zu sein. „Dieser Junge wird mal ein Monster auf dem Rad. Wir werden in der Zukunft noch viel von ihm zu sehen bekommen“, adelte ihn im März kein Geringerer als Tour-Sieger Tadej Pogacar.

Damals hatte der Weltmeister gerade das schwierige Eintagesrennen Strade Bianche gewonnen. Der Fahrer, der auf den Schotterpisten der Toskana am längsten mit Pogacar mithielt, war Paul Seixas.

Für eine Wachablösung an der Spitze der Radsport-Nahrungskette ist es noch zu früh. Pogacars designierter Nachfolger aber steht offenbar bereit.

In Frankreich erwachsen Träume

Träume erwachsen deshalb vor allem in Frankreich. Seit Bernard Hinault im Jahr 1985 hat kein Fahrer aus der Radsport-Bastion die Tour de France gewonnen. Generationen haben sich versucht, sie alle sind gescheitert: Fahrer wie Richard Virenque, Laurent Jalabert oder Thomas Voeckler; Julian Alaphilippe, Romain Bardet oder Thibaut Pinot.

Sie gewannen Etappen, das Bergtrikot, trugen teils zumindest phasenweise das Gelbe Trikot. Als Gesamtsieger auf dem Podium in Paris stand keiner von ihnen.

Glaubt man Stimmen aus der Grande Nation, wird Seixas die Durststrecke beenden. „Ich glaube, er ist der Auserwählte. Er wird der Fahrer sein, auf den Frankreich gewartet hat“, sagte Marc Madiot Anfang März bei RMC.

„Er hat etwas, was nur wenige haben“

Der einflussreiche Präsident des Teams Groupama-FDJ United hat in drei Jahrzehnten Management-Tätigkeit vergeblich nach dem Erben Hinaults gefahndet. Das französische Konkurrenz-Team Decathlon CMA CGM ist mit Seixas nun womöglich fündig geworden.

Seixas, sagte Madiot, sei „der Messias. Seixas hat etwas, was nur wenige haben, wie Pogacar. Er hat alles in seinem Repertoire.“

Der 1,86 m große Seixas ist nicht nur stark in den Bergen. Auch im Kampf gegen die Uhr besticht er mit herausragenden Fähigkeiten. Seixas, 2024 Junioren-Weltmeister in dieser Disziplin, dominierte am Montag das Auftakt-Zeitfahren im Baskenland, nahm beispielsweise Lipowitz 33 Sekunden ab.

Tour de France: Kommt es zum schnellen Debüt?

In Frankreich werden die Rufe nach dem schnellen Tour-Debüt des neuen Hoffnungsträgers laut. Ob Seixas am 4. Juli wirklich beim Grand Départ in Barcelona am Start steht, ist aber noch offen.

Geht es nach Bernard Hinault, sollten sich die Franzosen beim Warten auf seinen Nachfolger noch etwas gedulden. Seixas, so der 71-Jährige, sollte doch lieber zunächst die Vuelta oder den Giro bestreiten, „dann könnten wir sagen, dass er das Potenzial hat, die vollen drei Wochen durchzuhalten“.