Bei dieser Geschichte von Damien Touzé läuft es einem kalt den Rücken runter: Der französische Radprofi kam dem Tod nach einem Unfall bei der vierten Etappe der Oman-Rundfahrt bedrohlich nahe.
Radprofi dem Tod ganz nah: "Sag unserem Kind, dass ich es liebe"
Dem Tod nah: Radprofi nahm Abschied
Der Cofidis-Fahrer berichtete im Interview mit L’Équipe von Angstzuständen, letzten Liebesbotschaften an die Familie und beinahe fatalen Ärztefehlern bei einer gefährlichen Operation.
Dabei war der 29-Jährige nach einem Highspeed-Crash gegen eine Straßenbegrenzung zunächst davon ausgegangen, nicht wirklich schlimm verletzt zu sein.
Radprofi dachte schon an den Tod
„Nach dem Sturz hatte ich überhaupt keine Schmerzen, aber als der Sportdirektor (Gorka Gerrikagoitia, Anm. d. Red.) kam, sah ich es an seinem Gesichtsausdruck. Ich wollte nicht allein bleiben. Ich hatte Angst in einem Land, das ich nicht kannte“, sagte Touzé zu Beginn seiner verstörenden Geschichte.
Der verängstigte Athlet befand sich nicht nur in der Fremde, er musste auch erkennen, dass die medizinische Versorgung zunächst nicht den europäischen Standards entsprach. „Die Lage war prekär, es gab kein Röntgengerät. Dort konnten sie nichts tun, außer ein paar Stiche am Oberschenkel zu nähen.“
Die Verletzungen am Bein waren aber nicht das Problem. Erst nach der Verlegung in ein größeres Krankenhaus wurde die eigentliche Gefahr erkannt: Touzé hatte sich einen Milzriss zugezogen.
„Nach einer Nacht, als die Ärztin von Cofidis (Annemie Batjoens, Anm.) wieder zu mir kam, war ich völlig verzweifelt. Mit jeder Stunde wurde es schlimmer“, sagte er – und meinte damit auch die Angst, die ihn längst im Griff hatte: „Ich hatte das seltsame Gefühl, dass ich im Begriff war zu sterben.“
„Sag unserem Kind, dass ich es liebe“
Nun war klar: Touzé muss unters Messer. Das ganze Ausmaß der prekären Situation machte ihm die angesprochene Ärztin vor dem Eingriff klar. Sie empfahl ihm den Anruf bei der Familie.
„Die Ärztin war ehrlich zu mir und sagte, dass ich vielleicht nie wieder aufwachen würde. Ich wollte Sofia (seine Frau, Anm. d. Red.) nicht anrufen, ich wollte lieber bis zum nächsten Tag warten, aber die Ärztin bestand darauf: ‚Vielleicht wirst du nie wieder mit ihr sprechen können.‘ Ich nahm mein Telefon und verabschiedete mich von ihr.“
Seine Frau Sofia erinnerte sich in dem Bericht von L’Équipe ebenfalls an den Anruf zurück, den sie nie erhalten wollte. „Als Damien mich anrief, wusste ich noch nicht einmal, dass er gestürzt ist – er weinte. Er sagte zu mir: ‚Ich werde sterben. Sag unserem Kind, dass ich es liebe.'“
Ärztefehler wird erst bei nächster Operation erkannt
Es folgte „die schlimmste Nacht ihres ganzen Lebens. Ich begann zu glauben, dass ich mein Kind ganz allein großziehen müsste.“ Als sie im Oman ankam, fand sie verstörende Verhältnisse vor.
So sah sie offenbar, wie ein Pfleger den Eiter im Bauch ihres Mannes mit dem einfachen Schnitt einer Schere abließ. Erneut operiert wurde Touzé dann in Belgien. Hier wurde endgültig das ganze Ausmaß der Horror-Geschichte klar.
„Dort stellten sie fest, dass die Ärzte im Oman die Bauchdecke nicht richtig geschlossen hatten. Meine Organe lagen direkt auf der Haut auf. Als sie mir also die Schere in den Bauch stachen, berührten sie die Organe, es waren Messerstiche“, schilderte der Franzose.
Dass sich Touzé auch einen Schienbeinbruch und mehrere Bänderrisse im Knie zugezogen hat, erscheint dabei kaum von Bedeutung. Mittlerweile ist er aber wieder zu Hause und denkt über ein Comeback nach: „Ich möchte wieder aufs Rad steigen und sehen, wie es läuft. Aber machen wir uns nichts vor: ein Jahr ohne Radfahren – selbst wenn ich meinen Vertrag verlängere, werde ich im nächsten März nicht fahren.“
Er weiß nur zu gut: Es hätte viel schlimmer kommen können.