30 Jahre nach seinem Tour-de-France-Triumph steht Bjarne Riis noch immer als Gewinner in den Siegerlisten. Trotzdem empfindet der Däne bis heute „eine Mischung aus Stolz und Reue“, wie er L’Equipe in einem Interview anlässlich des Jubiläums am 21. Juli schilderte.
Beschmutzter Tour-de-France-Sieg vor 30 Jahren: "Ich muss damit leben"
So sieht Riis den beschmutzten Sieg
Der damalige Kapitän des Telekom-Teams mit Jan Ullrich bleibt offiziell Sieger der Frankreich-Rundfahrt 1996, obwohl er das Doping während seiner Karriere und damit auch während seines Triumphs offen eingeräumt hatte – wie später auch der zweitplatzierte Ullrich,
„Natürlich bin ich stolz, Sieger der Tour zu sein“, sagt Riis nun: „Ich glaube, in diesem Jahr war ich der Stärkste. Also ich bin stolz darauf, darauf, wie ich dorthin gekommen bin, mit meinem Vorbereitung, meine Ausbildung.“
Doping-Skandal auch als Teamchef
Am 25. Mai 2007 gestand Riis, sich von 1993 bis 1998 mit dem damals in der Szene omnipräsenten Blutbeschleuniger EPO gedopt zu haben – also auch in dem Sommer, in dem er die Tour gewann. Genau dieses Datum ist entscheidend dafür, warum der Däne nicht aus der Siegerliste gestrichen wurde.
Die UCI verwies dabei auf die damalige Rechtslage: „Gemäß dem Welt-Anti-Doping-Code in seiner Version von 2003, der für den Zeitraum dieser Geständnisse galt, betrug die Verjährungsfrist acht Jahre“, teilte der Weltverband mit. „Da die eingeräumten Dopinghandlungen zum Zeitpunkt dieser Erklärung bereits verjährt waren, konnte kein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet werden.“ Seit 2015 gilt zwar eine auf zehn Jahre verlängerte Verjährungsfrist – am Fall der Tour 1996 hätte das wegen des Zeitablaufs aber nichts geändert.
Der Fall Riis ist ein Beispiel für den widersprüchlichen Umgang des Radsports mit seinem Doping-Erbe: Ein Teil der entlarvten und/oder geständigen Sünder wie Riis oder Jan Ullrich steht noch immer in den Siegerlisten, andere wie der prominenteste Doping-Erzbösewicht Lance Armstrong nicht.
Riis: „Ich muss damit leben“
Mit 62 Jahren sitzt Riis – der zwischenzeitlich an Depressionen erkrankt war, sie aber überwunden hat – in sein Dänemark in mehreren Aufsichtsräten. „Ich bin ganz im Radsport, ich kommentiere auch, aber ich habe andere Interessen, ich will jetzt andere Dinge machen“, sagt er.
Es bleibt weiterhin der Makel an seinem Gelben Trikot von 1996. „Ich muss damit leben, und ich glaube, der Rest der Welt auch“, so Riis: „Man lebt in einer Kultur, leider war es so. Wir waren Teil eines Systems, das wir still akzeptiert haben.“