Ende der 1970er-Jahre befand sich der Radsport im Umbruch. Die großen Namen der vorherigen Generation verschwanden allmählich von der Bildfläche. Frankreich sehnte sich nach einem neuen Superstar – und fand ihn in einem jungen Fahrer aus der Bretagne.
Das wurde aus Frankreichs letztem Tour-König!
Das wurde aus Frankreichs letztem König
Bernard Hinault hatte bereits die Vuelta gewonnen und galt als großes Talent. Als er 1978 erstmals bei der Tour de France an den Start ging, traute man ihm viel zu. Dass er das Rennen direkt gewinnen würde, erwarteten jedoch nur die wenigsten.
Bernard Hinault: Tour-Sieg bei der Premiere
Doch die Tour 1978 entwickelte sich schnell zu Hinaults Bühne. Der Franzose überzeugte vor allem in den Zeitfahren und zeigte in den Bergen die Nerven eines erfahrenen Champions.
Am Ende setzte er sich gegen den Niederländer Joop Zoetemelk durch und gewann die Rundfahrt am 23. Juli mit fast vier Minuten Vorsprung. Es war sein erster von späteren fünf Tour-Siegen.
Besonders bemerkenswert: Hinault gewann die Tour direkt bei seiner ersten Teilnahme. Mit nur 23 Jahren war klar, dass dem Radsport ein neuer Dominator bevorstand.
Warum sie ihn „den Dachs“ nannten
Hinault war nie der freundliche Liebling des Publikums. Der Franzose galt als stur, kämpferisch und kompromisslos. Wegen seines aggressiven Fahrstils und seines unbeugsamen Charakters erhielt er den Spitznamen „Le Blaireau“ – der Dachs.
Wenn Hinault glaubte, im Recht zu sein, legte er sich mit Konkurrenten, Funktionären und manchmal sogar mit den eigenen Teamkollegen an. Genau das machte ihn für viele Fans so faszinierend.
Fünf Tour-Siege und ein Platz unter den Größten
Aus dem Tour-Sieger von 1978 wurde einer der erfolgreichsten Fahrer aller Zeiten.
Hinault gewann die Tour de France insgesamt fünfmal und stellte sich damit auf eine Stufe mit Jacques Anquetil, Eddy Merckx und später Miguel Indurain.
Noch bemerkenswerter war seine Vielseitigkeit. Anders als viele Rundfahrtspezialisten gewann Hinault auch zahlreiche Eintagesrennen, Klassiker und weitere große Rundfahrten – ähnlich wie Merckx oder heutzutage Tadej Pogacar. Für viele Experten gehört Hinault deshalb zu den komplettesten Radprofis überhaupt.
Die komplizierte Geschichte mit Greg LeMond
Zu den bekanntesten Kapiteln seiner Karriere gehört das Verhältnis zu Greg LeMond. 1985 verhalf der Amerikaner Hinault zu dessen fünftem Tour-Sieg. Ein Jahr später sollte eigentlich LeMond die Unterstützung seines französischen Teamkollegen erhalten.
Doch Hinault griff während der Tour immer wieder an und machte seinem Teamkollegen das Leben schwer. Bis heute wird diskutiert, ob der Franzose tatsächlich versuchte, selbst noch einmal die Tour zu gewinnen, oder ob seine Attacken Teil einer Strategie waren. Die Geschichte machte beide Fahrer zu einem der berühmtesten Rivalen-Duos der Tour-Geschichte.
Der Rückzug vom Radsport
1986 beendete Hinault seine Karriere. Anders als viele ehemalige Champions blieb er dem Radsport aber eng verbunden. Über viele Jahre arbeitete er als Repräsentant und Botschafter der Tour de France.
Kaum ein ehemaliger Fahrer war bei der Frankreich-Rundfahrt so präsent wie der „Dachs“. Generationen von Fans begegneten ihm Jahr für Jahr wieder am Streckenrand und den neuen Champions half er auf der Bühne lange Jahre in das Gelbe Trikot, unter anderem auch Jan Ullrich im Jahr 1997.
Ein Leben auf dem Bauernhof
Trotz seines Ruhmes zog es Hinault nie dauerhaft in die Welt der Prominenten. Der Bretone kehrte nach seiner Karriere in seine Heimat zurück und widmete sich unter anderem der Landwirtschaft.
Das passt zu seinem Charakter. Während viele Sportstars luxuriöse Leben führten, blieb Hinault bodenständig und sprach weiterhin offen aus, was er dachte.
Bis heute ein streitbarer Charakter
Auch Jahrzehnte nach dem Karriereende sorgt Hinault regelmäßig für Schlagzeilen. Der Franzose nimmt kein Blatt vor den Mund und kritisiert moderne Fahrer, Teams oder Entwicklungen im Radsport offen.
Besonders seine Aussagen über französische Tour-Hoffnungen sorgen immer wieder für Diskussionen. So riet er im Frühjahr 2026 dem französischen Shootingstar Paul Seixas, in diesem Jahr noch auf die Tour zu verzichten und lieber den Giro d’Italia zu fahren. Viele Landsleute waren damit nicht einverstanden, andere schätzen seine klaren Aussagen. Genau dieses Image begleitet ihn seit Beginn seiner Karriere.
Auch zum Doping während seiner aktiven Zeit oder danach hat Hinault streitbare Ansichten. Die Dopingskandale der Jahre um 2000 herum und später hätten „all jene tief verletzt, die das Radfahren lieben. Aber wenn man auf alle Sportarten blickt, ist der Radsport nicht verdorbener als andere“, sagte er einmal.
Der letzte französische Tour-Sieger
Das ändert aber nichts daran, dass Hinaults Bedeutung immer noch gigantisch ist. Denn seit seinem letzten Tour-Sieg 1985 hat kein Franzose die Frankreich-Rundfahrt mehr gewonnen.
Während Nationen wie Spanien, Großbritannien, die USA oder Slowenien neue Helden hervorbrachten, wartet Frankreich weiterhin auf den Nachfolger seines berühmtesten Radfahrers.