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Er gewann die erste Tour de France - und stürzte dann über einen Skandal

Der Absturz des ersten Tour-Siegers

Maurice Garin krönte sich heute vor 123 Jahren zum ersten Sieger der Tour de France. Im Jahr darauf war er Hauptdarsteller des ersten Betrugsskandals der Tour.
Maurice Garin war der Gewinner der ersten Tour de France 1903
Maurice Garin war der Gewinner der ersten Tour de France 1903
© IMAGO/TopFoto
Maurice Garin krönte sich heute vor 123 Jahren zum ersten Sieger der Tour de France. Im Jahr darauf war er Hauptdarsteller des ersten Betrugsskandals der Tour.

Als die Tour de France 1903 erstmals ausgetragen wurde, hatte niemand eine Ahnung, dass daraus das berühmteste Radrennen der Welt entstehen würde. Die Veranstalter suchten nach einer Möglichkeit, die Auflage ihrer Sportzeitung L’Auto zu steigern. Die Idee war spektakulär: Eine Rundfahrt quer durch Frankreich, länger und härter als alles, was es bis dahin gegeben hatte.

Nur wenige Fahrer trauten sich überhaupt an den Start. Die Strecke führte über mehr als 2400 Kilometer und bestand aus nur sechs Etappen – die dafür extrem lang waren. Teilweise mussten die Fahrer nachts unterwegs sein und viele Stunden ohne Unterstützung auskommen.

1. Tour de France: Garin war der große Favorit

Maurice Garin galt schon damals als Star der Radsportszene. Geboren wurde er 1871 in Arvier im italienischen Grenzgebiet. Später zog seine Familie nach Frankreich, wo Garin zunächst als Kaminkehrer arbeitete. Wegen seiner geringen Körpergröße erhielt er den Spitznamen „Der kleine Schornsteinfeger“.

Die Arbeit war hart, doch sie schulte seine Ausdauer. Schon früh entdeckte Garin das Radfahren für sich und entwickelte sich schnell zu einem der besten Langstreckenfahrer seiner Generation. Als die erste Tour de France startete, gehörte er deshalb zum engeren Favoritenkreis.

Ein Sieg für die Ewigkeit

Garin dominierte das Rennen fast nach Belieben. Schon auf der ersten Etappe setzte er ein Zeichen und gewann mehrere Tagesabschnitte. Seine Erfahrung und enorme Belastbarkeit machten ihn den Konkurrenten deutlich überlegen – auch wenn er als passionierter Rotweintrinker und Raucher nicht den heutigen athletischen Idealen entsprach.

Als die Fahrer am 19. Juli 1903 Paris erreichten, stand Maurice Garin als erster Tour-de-France-Sieger der Geschichte fest. Er gewann mit einem in der Moderne undenkbaren Rekordvorsprung von fast drei Stunden (!) und ein für damalige Verhältnisse beachtliches Preisgeld von 20.000 Francs.

Frankreich hatte seinen ersten Tour-Champion.

Auch 1904 schien Garin wieder unschlagbar

Ein Jahr später trat Garin erneut an. Wieder gehörte er zu den stärksten Fahrern im Feld und überquerte erneut als Gesamtsieger die Ziellinie. Doch diesmal sollte alles anders kommen.

Die Tour befand sich noch in ihren wilden Anfangsjahren. Zuschauer griffen teilweise direkt ins Rennen ein, unterstützten lokale Favoriten oder behinderten Konkurrenten. Angriffe auf Fahrer waren keine Seltenheit.

Die Organisatoren erhielten zahlreiche Beschwerden über Regelverstöße. Schnell entstand der Verdacht, dass mehrere Fahrer unerlaubte Hilfen angenommen hatten.

Der erste große Tour-Skandal

Die Untersuchungen zogen sich über Wochen hin. Schließlich trafen die Verantwortlichen eine drastische Entscheidung: Maurice Garin und weitere Spitzenfahrer wurden disqualifiziert.

Garin und anderen wurde vorgeworfen, illegale Abkürzungen über Waldwege genommen zu haben, die Eisenbahn benutzt zu haben – und nicht regelkonforme Reifen, die mehr Druck aushielten und damit schneller fahren konnten als die anderer Fahrer.

Die Tour-Wertung wurde Monate nach Rennende komplett geändert. Garin verlor seinen zweiten Tour-Sieg nachträglich und wurde für zwei Jahre gesperrt. Der ursprünglich fünftplatzierte Henri Cornet wurde zum neuen Sieger erklärt.

Für die Tour war es der erste große Betrugsskandal seiner Geschichte.

Historischer Sieg, aber kein Promi-Status

Garin zog sich bald darauf aus dem Sport zurück und führte eine Tankstelle. Eine große Berühmtheit war er zu Lebzeiten nicht, das nationale und internationale Interesse an der Tour wuchs erste mit den Jahren. Je berühmter das Rennen allerdings wurde, desto mehr erinnerte man sich auch an seinen ersten Sieger.

Erst als Garin älter wurde, gab es größere Anerkennung für seine historische Errungenschaft, beim 50. Tour-Jubiläum 1953 gehörte der damals 82-Jährige zu den Ehrengästen.

Am 19. Februar 1957 starb Garin. Die Erinnerung an seinen ersten Tour-Sieg überstrahlt aus heutiger Sicht das, was folgte.