Torstein Träen hat bei der Tour de France für eine der ersten großen Überraschungen gesorgt: Der Norweger von Uno-X Mobility riss Tadej Pogacar am Dienstag das Maillot Jaune von den Schultern. Möglich machte das eine Fluchtgruppe, die in der Hitze durchkam – Mads Pedersen gewann in Foix, Träen fuhr als Achter ins Ziel.
Ellenbogenbruch, Krebs, Gelbes Trikot: Das ist der Überraschungsmann der Tour de France!
Das ist der neue Mann in Gelb
Der Schlüssel lag schon vor dem Start in der Gesamtwertung: Träen war als 24. nur 5:06 Minuten zurück und damit der bestplatzierte Mann in der Ausreißergruppe. Als das Peloton die Favoriten gewähren ließ und 13 Minuten kassierte, wurde aus dem Ritt in der Gruppe ein Gelb-Coup – mit 28 Sekunden Vorsprung auf Sean Quinn.
Tour de France: Hitzeschlacht in Etappe vier
Für Träen ist es ein besonderes Kapitel: Nach zwei Jahren bei Bahrain-Victorious ist er zurück in der norwegischen Mannschaft – und sofort im Rampenlicht. Entsprechend groß war die Emotion beim neuen Gesamtführenden: „Ich bin immer glücklich, bei der Tour zu performen, der größten Rundfahrt der Welt. Vor allem bin ich dankbar, dass mir das Team die Chance gegeben hat, dieses Trikot zu übernehmen.“
Doch nicht nur die Konkurrenz auf dem Rad machte ihm zu schaffen: „Ich habe vor allem daran gedacht, mich abzukühlen.“ Erst in der Schlusssteigung sei die Rechnung konkreter geworden: „Mit dieser Hitze weiß man nie, wie der Körper reagiert. Als ich dort ankam, habe ich mir gesagt, dass die Möglichkeit, Gelb zu tragen, real ist – aber erst musste ich die Ziellinie überqueren.“
Mit gebrochenem Ellenbogen im Wind
Dass Träen solche Tage aushält, hat er schon auf seiner vergangenen Tour bewiesen. Bei seinem Tour-de-France-Debüt stürzte er auf der ersten Etappe rund um Bilbao schwer und fuhr trotzdem bis Paris durch, am Ende als 95. der Gesamtwertung. Eine Woche vor dem Finale sagte er damals: „Mein Ellenbogen ist gar nicht so schlimm! Der Bruch ist irgendwo da – ich kenne nicht mal den Namen des Knochens.“
Statt sich im Feld zu verstecken, suchte Träen trotz Schmerzen die Offensive. „Ich wollte wieder reinfinden, sehen, wie ich mich fühle, weil ich eine Woche nicht wirklich etwas gemacht hatte“, erklärte er und ging nach seiner Verletzung sogar wieder in die Ausreißergruppe. Diese Härte ist heute sein Markenzeichen.
Noch schwerer wog die Diagnose, die ihn 2022 ausbremste: Nach einem auffälligen Dopingtest wurde bei ihm Hodenkrebs festgestellt, ausgelöst durch erhöhte HCG-Werte. Träen machte öffentlich, wie früh er ohne diese Kontrolle wohl reagiert hätte: „Ohne diese Kontrolle wäre ich vermutlich erst Monate später zu einem Arzt gegangen.“ Er wurde im Mai operiert und kehrte nach der Pause zurück ins Renngeschehen.
Alte Vuelta-Formel, neues Gelb
Sportlich zahlte sich seine Hartnäckigkeit schnell aus – auch abseits der Tour. Nach seinem Wechsel zu Bahrain-Victorious gewann er 2024 die vierte Etappe der Tour de Suisse am Gotthard im Alleingang und widmete den Erfolg dem verstorbenen Teamkollegen Gino Mäder. Träen gestand danach: „Ich hatte das Finale überhaupt nicht studiert, weil ich eigentlich nicht in der Flucht sein sollte.“
Den Blaupause-Plan hatte Träen schon auf der Vuelta 2025: Auf der sechsten Etappe in Andorra stahl er aus einer Flucht heraus die Rote Führung und trug La Roja vier Etappen lang. Am Ende stand Platz neun in Madrid – und nun wiederholt er das Prinzip bei der Tour: Ausreißen, Zeit nehmen, Gelb tragen.