Ein folgenschweres Sturzdrama um Jonas Vingegaard, eine seltene Niederlage für Tadej Pogacar – und ein Rückschlag für den deutschen Hoffnungsträger Florian Lipowitz: Der Kampf um das Podium der Tour de France hat beim ersten Gastspiel in den französischen Alpen eine einschneidende Wendung genommen.
Tour de France: Evenepoel schlägt Pogacar! "Einfach unglaublich"
Evenepoel schlägt Pogacar
Während Titelverteidiger Pogacar trotz eines Besuchs der Dopingkontrolleure am frühen Sonntagmorgen seinem fünften Gesamtsieg entgegenfährt, ist das Rennen für seinen Dauerrivalen Vingegaard nach einem schmerzhaften Ausfall auf der 15. Etappe beendet. Der Däne stürzte rund 20 km vor dem Ziel und schied als Zweiter der Gesamtwertung aus.
Lipowitz verliert früh Anschluss auf Pogacar
Lipowitz verlor im Schlussanstieg des 183,9 km langen Teilstücks auf das Plateau de Solaison früh den Anschluss auf die Spitze um Pogacar.
Der Vorjahresdritte kann zwar weiter auf den dritten Platz in Paris hoffen, hat beim Team Red Bull-Bora-hansgrohe gegen Etappensieger Remco Evenepoel nun aber kaum noch Argumente für die Rolle des Kapitäns in der Schlusswoche.
„Ich bin super happy, dass Remco die Etappe gewonnen hat. Für unser Team ist es ein riesiger Erfolg. Es war gut zu sehen, dass er die Beine dafür hatte. Da können wir zuversichtlich sein mit dem Zeitfahren am Dienstag, was ihm liegen sollte“, sagte Lipowitz auf ARD-Nachfrage.
Tour de France: Pogacar mit großem Vorsprung
Der belgische Doppel-Olympiasieger verwies Pogacar und dessen Teamkollegen Isaac Del Toro (Mexiko/UAE Team Emirates-XRG) auf die Plätze. Lipowitz erreichte das Ziel mit 58 Sekunden Rückstand auf dem fünften Platz.
In der Gesamtwertung hat Pogacar komfortable 5:00 Minuten Vorsprung auf den neuen Zweitplatzierten Evenepoel. Lipowitz hat als Fünfter der Gesamtwertung 50 Sekunden Rückstand auf den drittplatzierten Del Toro.
„Es ist einfach unglaublich. Ich zittere buchstäblich vor Emotionen. Was für ein Tag“, sagte Evenepoel: „Man muss sich vor Augen führen, dass ich gegen den besten Fahrer aller Zeiten gefahren bin. Er hat am Schlussanstieg ein unglaubliches Tempo angeschlagen.“
Nächtliche Dopingkontrolle sorgt für Aufregung
Die Top-Stars Pogacar und Vingegaard nahmen die Strapazen der 15. Etappe nach einer unfreiwillig kurzen Nacht in Angriff. Unangekündigte Dopingkontrollen rissen die Radprofis aus dem Schlaf. Vingegaard wurde nach eigenen Angaben um 2.00 Uhr geweckt, bei Pogacar standen die Kontrolleure um 5.00 Uhr vor der Tür.
„Ich habe gut geschlafen, aber dann klopfte es an der Tür. Es war für mich eine große Überraschung“, sagte Vingegaard bei Eurosport: „Es ist gut, dass sie testen. Aber natürlich hat das einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit vor so einer Etappe“, sagte Vingegaard – und ahnte da noch nichts von seinem Schicksal.
Pogacar gab an, lediglich vier Stunden geschlafen zu haben. „Es war definitiv nicht schön, mitten aus süßen Träumen geweckt zu werden“, sagte Pogacar am Start und ergänzte: „Ich konnte einfach nicht wieder einschlafen. Also habe ich alte Eminem-Hits gehört und mir Kaffee gemacht. Jetzt bin ich ziemlich überkoffeiniert.“
Zahlreiche Fluchtversuche scheitern zunächst
Vor dem zweiten Ruhetag am Montag musste nicht nur das übermüdete Top-Duo die letzten Kräfte mobilisieren. Wie so häufig bei der Tour 2026 schlug das Peloton ein extrem hohes Tempo an – trotz fast 4000 Höhenmetern auf dem Tagesprogramm.
Zahlreiche Fluchtversuche scheiterten, erst zur Rennhälfte setzte sich eine stark besetzte Gruppe ab, darunter erneut der britische Top-10-Kandidat Thomas Pidcock.
Zum Tagessieg reichte es für keinen der Ausreißer.
Tour-Aus! Vingegaard stürzt schwer
Rund 20 km vor dem Ziel nahm der gesamte Verlauf der Tour eine dramatische Wendung: Der zweimalige Gesamtsieger Vingegaard stürzte in einem Kreisverkehr bei der Anfahrt zum Schlussanstieg schwer.
Der Däne lag auf dem Asphalt und hielt sich die rechte Schulter. Kurz darauf stieg er unter starken Schmerzen in einen Krankenwagen.
„Es ist wirklich traurig zu sehen, dass Jonas raus ist. Seit 2021 duellieren wir uns um die Siege. Am Anfang hatten wir vielleicht nicht die beste Beziehung. In den vergangenen beiden Jahren wurden wir zwei Rivalen, die sich respektieren und so eine Art Freunde. Die Tour wird ohne ihn nicht dieselbe sein“, sagte Pogacar nach der Etappe.
Zu den Gestürzten gehörte neben Vingegaard auch Del Toro. Die Gruppe der Top-Favoriten nahm das kurz Tempo raus, zog dann aber schnell wieder an.
Lipowitz kann bei Attacke nicht mitgehen
Die Entscheidung fiel auf dem 11,3 Kilometer langen Schlussanstieg – mit Folgen für Lipowitz.
Auf der schmalen Straße, die sich durch die Dörfer des Bornes-Massivs schlängelt, verlor der Deutsche bereits sieben Kilometer vor dem Ziel den Anschluss an Pogacar und Co.
Pogacar, am Samstag Gewinner der 14. Etappe, Del Toro und Evenepoel fuhren gemeinsam dem Ziel entgegen. Der Belgier attackierte, nur Pogacar konnte folgen, konterte den Sprint aber nur zögerlich.