Titelverteidiger Tadej Pogacar hat beim ersten Schlagabtausch der Klassementfahrer bei der 113. Tour de France in einer Machtdemonstration seinem Edelhelfer Isaac del Toro den Sieg geschenkt. Nach dem empfindlichen Rückschlag zum Auftakt flog der Weltmeister beim stimmungsvollen Finale der zweiten Etappe den legendären Olympia-Berg Montjuic in Barcelona gemeinsam mit seinem Teamkollegen hinauf zum Doppelsieg – und gewährte del Toro die Vorfahrt.
Tour de France: Machtdemonstration! Pogacar verschenkt Sieg
Pogacar schenkt Kollege den Sieg
Ein sportlich und menschlich bedeutsamer Moment – und eine klare Ansage an die Konkurrenz. „Ist das ein Mega-Plan, der da aufgeht. Das ist ja der Hammer. Das ist fast schon demoralisierend für die Konkurrenz“, kommentierte Florian Naß in der ARD die Zieleinfahrt. „Unglaublich, was Pogacar gemacht hat. Er hat ihn ja noch angefeuert und sich umgedreht. Der hätte noch zwei, drei Gänge höher schalten können“, ergänzte Experte Fabian Wegmann.
Sieger Del Toro zeigte sich nach seinem Sieg überglücklich und gerührt. „Es bedeutet mir alles. Ich bin sehr privilegiert, hier zu sein. Es ist die Arbeit von allen, von meinen Freunden und von meiner Familie“, freute sich der Mexikaner nach dem Ziel in einer Medienrunde.
Tour de France: Vingegaard behält Gesamtführung
Für die Führung in der Gesamtwertung reichte der zweite Platz Pogacar nicht. Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike) verteidigte das Gelbe Trikot zeitgleich als Vierter erfolgreich, der Vorsprung des Dänen auf den Slowenen Pogacar (UAE Emirates-XRG) schrumpfte aber von zwölf auf sechs Sekunden.
„Pogacar hätte zehn Sekunden holen können, sagt aber, ‚mir reichen sechs Sekunden. Ich will das gelbe Trikot haben, aber nicht heute'“, äußerte Wegmann einen Verdacht.
Dritter nach klassikerähnlichen 168,5 Kilometern zwischen Tarragona und der Hauptstadt Kataloniens wurde Florian Lipowitz‘ Co-Kapitän Remco Evenepoel.
Lipowitz hatte gegen die explosive Konkurrenz schwer zu kämpfen. Der Vorjahresdritte rollte letztlich auf Rang 16 ein, zehn Sekunden hinter Sieger del Toro.
„Es hatten heute viele Fahrer Probleme mit der Hitze. Ich bin aber sehr happy heute. Am Ende geht die Lücke auf, ich verliere ein paar Sekunden, aber grundsätzlich kann ich zufrieden sein. Ich habe mir schon ein paar Sorgen gemacht, weil mir der Kurs heute nicht so liegt“, erklärte die deutsche Tour-Hoffnung im Interview mit der ARD.
Im Gesamtklassement bleibt der Ulmer vom deutschen Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe auf Platz acht, 45 Sekunden hinter Spitzenreiter Vingegaard. Frankreichs Hoffnungsträger Paul Seixas (Decathlon-CMA CGM) zog als Etappen-Achter mit drei Sekunden Rückstand auf die UAE-Doppelspitze aber an Lipowitz vorbei.
Ansage nach Vingegaard-Triumph – Auszeichnung für Engelhardt
In der brennenden Abendsonne feierten Pogacar und del Toro den erst zweiten Etappensieg eines Mexikaners nach Raúl Alcalá im Jahr 1989 ausgelassen. Es war auch eine Reaktion auf Vingegaards Ansage vom Samstag beim Grand Départ, als der Sieger der Ausgaben 2022 und 2023 nach 1077 Tagen wieder ins Maillot jaune gestürmt war.
Für die ersten Stunden lag der Fokus aber unter anderem auf Felix Engelhardt. Der deutsche Meister initiierte durch eine frühe Attacke die erste Fluchtgruppe des Tages. Während der Ulmer vom Team Jayco AlUla sich mit zwei weiteren Fahrern vom Hauptfeld abzusetzen versuchte, kam es in eben diesem zu einem Crash. Acht Fahrer stürzten, darunter auch Topsprinter Biniam Girmay. Für die Betroffenen ging es mit Schürfwunden weiter.
Das Peloton ließ es in der Sonne Kataloniens bei über 30 Grad zunächst gemächlich angehen. Das Führungstrio um Engelhardt setzte sich immer weiter ab, knapp vier Minuten brachten die Ausreißer zwischen sich und das Hauptfeld. Vor dem ersten Anstieg etwa zur Hälfte der Etappe war der Vorsprung allerdings bereits halbiert. Knapp 31 Kilometer vor dem Ziel wurde Engelhardt gestellt, der 25-Jährige wird auf Etappe drei als kämpferischster Fahrer mit der goldenen Startnummer fahren.
Mit der Einfahrt in den Rundkurs in Barcelona, der dreimal gefahren werden musste, erhöhten die Favoriten spürbar das Tempo. Nach der ersten Überquerung des Montjuic war das Feld schon ausgedünnt. In der Folge fielen viele weitere Fahrer zurück, ehe es auf der letzten Rampe zum Ziel am Olympiastadion zum großen Showdown mit bemerkenswertem Ende kam.
Tour de France: Dritte Etappe endet mit Bergankunft
Nach dem Team-Zeitfahren zum Auftakt und einer Klassiker-Etappe wartet am Montag (ab 12:20 Uhr im LIVETICKER) bereits die erste kleine Bergankunft auf die Fahrer. Auf den 195,9 Kilometern von Granollers nach Les Angles in den Pyrenäen verlässt der Tour-Tross Spanien und begibt sich ins Mutterland der Großen Schleife. Insgesamt stehen vier gewertete Anstiege auf dem Programm, der Schlussanstieg (1,7 km, 6,5 Prozent im Schnitt) bietet viel Raum für taktische Möglichkeiten.
Doch ob die dritte Etappe wie geplant stattfinden kann, ist aufgrund eines sich rasch ausbreitenden Waldbrands in der Nähe des Zielorts noch unklar. Eine Entscheidung sollte am Sonntagabend fallen.