Tadej Pogacars fünfter Toursieg, ein Volksfest auf dem Montmartre und ein krönendes Kräftemessen der Superstars auf den Champs-Élysées: Beim spektakulären Finale der 113. Frankreich-Rundfahrt ist Weltmeister Pogacar im Gelben Trikot zum Tour-Rekordsieger aufgestiegen.
Rekordsieger! Pogacar zieht mit Legenden gleich
Pogacar zieht mit Legenden gleich
Damit zieht Pogacar mit einigen Legenden des Sports gleich. Vier weitere Athleten haben nämlich ebenfalls fünf Tour-Siege eingefahren.
- Jacques Anquetil (Frankreich) 1957, 1961, 1962, 1963, 1964
- Eddy Merckx (Belgien) 1969, 1970, 1971, 1972, 1974
- Bernard Hinault (Frankreich) 1978, 1979, 1981, 1982, 1985
- Miguel Indurain (Spanien) 1991, 1992, 1993, 1994, 1995
Die sieben Tour-Erfolge von Lance Armstrong sind wegen dessen Doping-Vergangenheit gestrichen worden.
Tour de France: Pogacar verpasst Etappensieg
„Es war ein unglaublicher Tag. Ich bin sprachlos, die Atmosphäre war fantastisch“, sagte Pogacar nach der Fahrt durch die Menschenmassen auf den Pariser Straßen. Bei jeder seiner sieben Teilnahmen stand er am Ende auf dem Podest. „So ein Drehbuch kann man eigentlich gar nicht schreiben. Jeder Sieg ist besonders. Das Wichtigste ist, dass man das, was man tut, genießt“, sagte Pogacar, der dennoch froh war, „dass es vorbei ist“.
Jubeln durfte auf der auf 88,7 km verkürzten 21. Etappe stattdessen Mathieu van der Poel (Niederlande) vor Jasper Philipsen (Belgien/beide Alpecin-Premier Tech) und Mads Pedersen (Dänemark/Lidl-Trek). Auch der deutsche Sprinter Max Kanter ging als Vierter der Schlussetappe knapp leer aus.
Pogacar (UAE Emirates-XRG) beendete die 113. Frankreich-Rundfahrt mit 6:26 Minuten Vorsprung auf den zweitplatzierten Belgier Remco Evenepoel. Am Ort seines größten Einzelerfolgs bescherte der Doppel-Olympiasieger von Paris 2024 dem deutschen Team Red Bull-Bora-hansgrohe die erneute Podestplatzierung, für die im Vorjahr Florian Lipowitz gesorgt hatte.
Pogacars Edelhelfer wird Dritter
Der deutsche Hoffnungsträger war nach einem Sturz im Einzelzeitfahren der 16. Etappe ausgeschieden. Lipowitz‘ Nachfolger im Weißen Trikot und Gesamtdritter wurde Pogacars Teamkollege Isaac Del Toro (+9:42).
Die letzte Etappe war von 133 km auf nur 88,7 km gekürzt worden. Das französische Innenministerium hatte am Samstag entschieden, einen Teil der ursprünglich für die Absicherung der Schlussetappe eingeplanten Sicherheitskräfte abzuziehen. Die Einheiten sollen stattdessen die Einsatzkräfte in den von den Bränden betroffenen Regionen Frankreichs unterstützen.
Der offizielle Start erfolgte daher an der Ziellinie in Paris – und Pogacar rollte auf einem Rad in gelber Sonderlackierung an. Für Pogacar begann die Tour d’Honneur. Der Topstar klatschte gelöst mit den anderen Trägern der Wertungstrikots ab, dann posierte er freihändig fahrend Arm in Arm mit seinen Teamkollegen um den Kölner Nils Politt für Fotos. „Es hat sehr, sehr viel Spaß gemacht. Es war von Barcelona bis Paris eine Top-Tour“, sagte Politt der ARD vor dem Start.
Packendes Finale bei letzter Etappe
Nach zwei lockeren Runden auf den Champs-Élysées nahm das Peloton Tempo auf, ernst wurde es aber erst, als die Fahrer nach rund 40 Kilometern erstmals auf den Rundkurs am Montmartre einbogen. Es erwartete sie ein ohrenbetäubendes Spektakel: Wie schon im Vorjahr und bei den Olympischen Sommerspielen 2024 säumten Zuschauermassen die schmale Kopfsteinpflaster-Passage hinauf zur Basilika Sacré-Coeur.
Bei der zweiten von drei Überfahrten machte Pogacar ernst und lancierte mit einer kraftvollen Attacke ein Ausscheidungsfahren. Einzig Klassikerjäger van der Poel hielt das Hinterrad des Mannes in Gelb. In der Abfahrt schlossen Evenepoel und Pedersen im Grünen Trikot aber wieder auf, auch das Hauptfeld kam noch einmal heran.
Ex-Weltmeister van der Poel attackierte seinerseits auf dem letzten Montmartre-Aufstieg, Pogacar folgte. Das Duo, das sich im Frühjahr bei Klassikern wie Mailand-Sanremo oder Paris-Roubaix umkämpfte Duelle geliefert hatte, kämpfte nach der Abfahrt im Verbund gegen die heraneilenden Verfolger. Der knappe Vorsprung schmolz. Pogacar ließ auf dem Schlusskilometer abreißen, van der Poel rettete den Sieg mit einem Tigersprung auf der Ziellinie.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)