Tour de France>

Lance Arnstrong versteht die Welt nicht mehr

Armstrong fällt vom Glauben ab

Lance Armstrong, der einst selbst des Dopings überführt wurde, schießt gegen die Befürworter nächtlicher Kontrollen bei der Tour de France. Als nächster Schritt drohe eine lückenlose Überwachung der Fahrer.
Aus Sicht von Lance Armstrong treiben es die Dopingkontrolleure zu weit
Aus Sicht von Lance Armstrong treiben es die Dopingkontrolleure zu weit
© IMAGO / Michael Potts
Lance Armstrong, der einst selbst des Dopings überführt wurde, schießt gegen die Befürworter nächtlicher Kontrollen bei der Tour de France. Als nächster Schritt drohe eine lückenlose Überwachung der Fahrer.

Ob den Protagonisten der Tour de France dieses Plädoyer willkommen ist? Ausgerechnet der als jahrelange Doper entlarvte Ex-Rekordsieger Lance Armstrong beklagt in einer Brandrede die aus seiner Sicht irrwitzig gewordene Dopingtest-Praxis im Radsport.

Nachdem der US-Amerikaner in seinem Podcast „The Move“ schon zu Wochenbeginn scharf gegen die nächtlichen Dopingkontrollen bei den Topstars Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard geschossen hatte, wurde er in der neuen Episode noch deutlicher.

Tour de France: Armstrong wütet im Dopingstreit weiter

„Ich glaube, die meisten Leute – auch die, die in diesem Sport tätig sind, dachten sich: ‚Nein, das geht zu weit'“, begann der 54-Jährige seine Ausführungen: „Aber es geht ja um den Radsport. Darum gibt es diese anderen Leute, die sagen: ‚Ja, auf jeden Fall, weckt sie jederzeit auf.‘ Solche Leute halte ich für eiskalte Vollidioten, wenn sie so denken, ganz ehrlich.“

Pogacar und Vingegaard waren in der Nacht vor der am Sonntag stattfindenden 15. Etappe um 5 bzw. 2 Uhr von den Dopingkontrolleuren aus dem Schlaf gerissen worden. Für Armstrong ein absolutes Unding. Die Nachtkontrollen seien „verrückt“ und „niemand“ mit gesundem Menschenverstand könne es anders sehen.

„Der nächste Schritt ist, dass die Fahrer verpflichtet werden, 24 Stunden in einer lokalen Reha-Einrichtung oder einem örtlichen Gefängnis zu bleiben. Dort werden sie überwacht und rund um die Uhr im Auge behalten. Das wäre zu 100 Prozent wirksam, das ist der nächste Schritt“, schlug der Texaner sarkastisch vor: „Wenn das auch okay ist, gerne.“

Ex-Kollege sieht unfairen Doppelstandard

Während Armstrong die eigene Skandal-Vorgeschichte und die des Radsports im Allgemeinen unerwähnt ließ, warf zumindest sein früherer Helfer George Hincapie ein: „Natürlich haben wir (der Radsport, d. Red.) in dieser Hinsicht die längste Geschichte.“

Trotzdem ist auch Hincapie der Ansicht, dass im Radsport im Vergleich zu anderen Sportarten ein Doppelstandard gilt, der mittlerweile nicht mehr zu rechtfertigen sei: Die strengen Anti-Doping-Regeln sollten „in allen Sportarten gelten“ – und andere Sportarten würden die im Radsport geltenden Standards „niemals akzeptieren“.

Armstrong selbst waren 2012 wegen systematischen Dopings alle sieben Titel bei der Tour de France, die er zwischen 1999 und 2005 gewonnen hatte, aberkannt worden. Zudem verlor er seine Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney und wurde vom Radsport-Weltverband UCI lebenslang gesperrt.

Armstrong bekannte sich 2013 zu seinen Vergehen, Einsicht zeigte er aber nie. „Wir haben getan, was wir mussten, um zu gewinnen“, sagte er noch 2019 in einem Interview: „Es war nicht legal, aber ich würde nichts anders machen.“

Wie er erst kürzlich deutlich machte, sieht er sich noch immer als eigentlichen Tour-Rekordsieger.