Der Schweizer Mauro Schmid hat die 13. Etappe der Tour de France vor Harold Tejada (Kolumbien) gewonnen. Für den eigentlichen Paukenschlag sorgte jedoch Tom Pidcock, der als Teil einer Fluchtgruppe knapp acht Minuten im Kampf um das Gelbe Trikot gutmachen konnte.
Tour de France: Geniestreich mit Folgen für Lipowitz
Geniestreich mit Folgen für Lipowitz
Der bis dato Gesamtzehnte schob sich unter anderem am Red-Bull-Kapitän Florian Lipowitz vorbei und kletterte sogar auf den vierten Rang. Remco Evenepoel rettete als Gesamtdritter gerade noch neun Sekunden Vorsprung auf Pidcock ins Ziel.
„Wir wussten, dass es heute viele verschiedene Möglichkeiten geben wird. Wir sind auf Etappensieg und für die Gesamtwertung gefahren. Beides war möglich“, erklärte Pidcock im Interview mit Eurosport. Er habe sich jedoch eher „auf einen Etappensieg fokussiert“ und die Gesamtwertung als „Bonus“ angesehen.
Der 26-Jährige hatte am letzten Anstieg versucht, eine Vorentscheidung zu erzwingen, jedoch blieb sein Angriff unbelohnt. „Das letzte Stück war nicht wirklich hart genug. Wir sind sehr schnell gefahren und es war schwierig, eine Lücke herauszufahren“, führte er aus.
Der deutsche Hoffnungsträger Lipowitz kam Seite in Seite mit dem weiter in Führung liegenden Tadej Pogacar ins Ziel, fiel jedoch im Gesamtklassement von Position sechs auf sieben zurück.
Tour de France: Lipowitz bewertet Pidcock-Flucht nüchtern
Lipowitz zeigte sich im Interview mit dem ARD zwar nicht glücklich über die erfolgreiche Pidcock-Flucht, war aber mit dem Verlauf der Etappe im Großen und Ganzen zufrieden.
„Es war nichts Besonderes heute. Es war eine super schnelle Etappe und es hat eine ganze Weile gedauert, bis die Gruppe stand und für uns war es natürlich nicht optimal, dass Pidcock dabei war“, führte er aus. Allerdings habe man selbst auch „zwei Fahrer vorne drin“ gehabt.
Lipowitz-Kollege Maxim Van Gils belegte hinter Pidcock Platz vier.
Folgerichtig sieht Lipowitz den Tag für sein Team als gelungen an. „Für uns lautete die Devise, heute einfach ins Ziel zu kommen. Der letzte Berg war doch noch ein wenig schneller, aber wir können ganz happy sein“, erklärte er.
Lipowitz sieht seine Kollegen nicht in der Hauptverantwortung
Der Gesamtdritte machte seinen Teamkollegen aber keinen Vorwurf, Pidcock zu leicht wegkommen haben zu lassen.
„Es lag heute nicht nur an uns, Nachführarbeit zu machen. Irgendwann hat Bahrain Victorious und Lidl-Trek mit der Nachführarbeit gestartet. Es kommen aber noch super harte Etappen. Es war für uns nicht optimal, aber es passt trotzdem noch“, so sein Fazit.
Vor den kommenden schweren Etappen weiß Lipowitz selbst noch nicht genau, wie stark seine Verfassung ist. „Mal schauen. Jetzt wird die Tour schon langsam länger und die Beine sind nicht mehr ganz frisch. Das zeigt sich dann erst, wenn man alles geben muss“, führte er aus.
Schon am Samstag (ab 13:30 Uhr im LIVETICKER) steht die nächste Bergetappe mit 3800 Höhenmetern an. Hier hat Lipowitz die Chance, seinen Platz gegen Pidcock zurückzuholen. Dafür müsste er 29 Sekunden auf den Briten gutmachen.
Pidcock sieht sich auf einem guten Weg
Pidcock, der auf schweren Bergetappen manchmal seine Probleme hat, fühlt sich für den nächsten Schlagabtausch gerüstet. „Morgen wird es ein großer Tag. Ich glaube aber, dass ich immer stärker im Laufe der Tour werde, so wie bei der Vuelta im Vorjahr, bei der ich in der ersten Woche abgehängt und am Ende dritter wurde“, zeigte er sich optimistisch.
Respekt hat Pidcock allerdings vor dem Zeitfahren. „Ich werde da viel Zeit verlieren“, weiß er um seine Schwäche. Das Rennen im Kampf gegen die Uhr steigt am kommenden Dienstag und spielt vor allem Lipowitz-Kollege Remco Evenepoel in die Karten.
Trotz der Zeitfahr-Schwäche sieht Eurosport-Experte Robert Bengsch Pidcock als ernsthaften Rivalen an. „Es haben viele gezeigt, dass es auch über diesen Weg in die Top 10 gehen kann. Deswegen ist er voll im Geschäft und wird ab jetzt einen ganz anderen und vor allem ganz klaren Fokus haben“, erläuterte der frühere Rad-Profi. Sein bis jetzt bestes Gesamt-Ergebnis bei der Tour de France hat Pidcock im Jahr 2023 mit Platz 13 eingefahren.