Tadej Pogacar hat auf der 19. Etappe der Tour de France das Zögern der Spitzengruppe gnadenlos bestraft: Lenny Martinez, Richard Carapaz und Sepp Kuss waren als letzte Ausreißer übrig geblieben, fanden im Finale zur Alpe d’Huez aber keinen gemeinsamen Rhythmus – und wurden vom Mann im Gelben Trikot eingeholt und dann überholt.
Tour de France: "Das ist respektlos!" Ärger bei Tour-Star
Tour-Star in Rage: „Das ist respektlos“
Der Frust war daraufhin insbesondere bei Carapaz groß, der zudem im Kampf um Platz zwei gegen Martinez den Kürzeren zog. „Es ändert für mich nichts, ob ich Zweiter oder Dritter werde, aber das ist respektlos“, schimpfte der Ecuadorianer, der Martinez vorwarf, erst nicht gearbeitet und dann in einer Kurve die Linie geschnitten zu haben: „Das ist nicht sehr sportlich.“
Tour de France: Ausreißer-Trio wird von Pogacar eingeholt
Am Fuß der Alpe d’Huez lag eine Ausreißergruppe um Martinez, Carapaz und Kuss noch gut 3:30 Minuten vor dem Peloton um Pogacar. „Ein guter Vorsprung, auch wenn ich wusste, dass es knapp werden würde“, erklärte Kuss später. Dann setzten sich die drei stärksten Kletterer aus der Gruppe rund elf Kilometer vor dem Ziel gemeinsam ab – doch genau dort begannen die Probleme.
Statt sich in der Führungsarbeit abzuwechseln und den Vorsprung zu verteidigen, belauerten sich die drei. „Es war während des Anstiegs ein bisschen ein Hin und Her, mit Angriffen von dem einen oder dem anderen. Jeder spielte seine eigene Karte, niemand wollte zusammenarbeiten, das war ziemlich taktisch“, resümierte Kuss.
Pogacar riecht den Braten – und schlägt zu
Hinter ihnen roch Pogacar Lunte, als im Funk von gegenseitigen Attacken in der Fluchtgruppe die Rede war. „Ich habe angefangen, daran zu glauben, als ich im Radio gehört habe, dass sie sich gegenseitig attackieren“, sagte der Slowene: „Ich wusste, dass ich sie einholen würde, aber ich wusste auch, dass einige noch Energie sparten.“ Als Kuss bei 3,3 Kilometern vor dem Ziel antrat, dachte Pogacar kurz: „Mist, ich werde sie wieder nicht einholen“ – doch schließlich stellte er erst Kuss selbst und kurz darauf auch Martinez.
Carapaz setzte sich zwar nochmals mit einer Attacke ab, doch Pogacar schloss 1,7 Kilometer vor dem Ziel mit Martinez im Schlepptau auf und zog danach unwiderstehlich davon.
Der Mann im Gelben Trikot holte sich den Tagessieg auf der Alpe d’Huez vor Martinez und Carapaz. Für den enttäuschten Carapaz gab es immerhin ein Trostpflaster. Der Ecuadorianer übernahm die Führung in der Bergwertung und hat vor den beiden abschließenden Etappen einen Punkt Vorsprung vor Pogacar.