Bei seiner Premiere hat Paul Seixas früh einen Vorgeschmack auf die Hektik der Tour de France bekommen. Auf der zweiten Etappe über 168,5 Kilometer von Tarragona nach Barcelona schlug bei dem 19-jährigen Franzosen knapp 50 Kilometer vor dem Ziel erst die Technik zu, dann drohte sogar ein folgenschwerer Zwischenfall.
Tour de France: Das Wunderkind erlebt einen schwierigen Start
Ein gelungener Stresstest
Nach einem Defekt musste Seixas zunächst auf das Rad seines Teamkollegen Aurélien Paret-Peintre springen, ehe er wenig später erneut auf sein Ersatzrad wechselte. Während seiner wilden Aufholjagd entlang der Kolonne ging es auf engem Asphalt haarscharf an einem Organisationsfahrzeug vorbei: „Ich habe keine Panik bekommen, aber ich musste einem Auto ausweichen, dessen Fahrer nicht in den Rückspiegel geschaut hat. Ich hatte mit Aurélien wirklich Angst, das war sehr gefährlich.“
Seixas schaffte den Sprung zurück ins Peloton rechtzeitig vor dem Finale auf dem welligen Rundkurs. In der Schlussrunde spielte das Team UAE Team Emirates XRG seine Karten aus: Isaac del Toro holte sich den Tagessieg vor Tadej Pogačar. Remco Evenepoel und Jonas Vingegaard kamen zeitgleich ins Ziel.
Seixas: Missverständnis am Funk kostet Positionen
Im entscheidenden Moment lief dann bei Seixasdie Teamkommunikation schief. „Es gab ein kleines Problem mit den Funkgeräten“, erklärte er: „Ich habe versucht ihnen zu sagen, dass mir ein kleines bisschen fehlt, um angreifen zu können, aber der Sportliche Leiter hat mich nicht verstanden.“
Als Tiesj Benoot den Rhythmus am Montjuic verschärfte, war Seixas zu weit hinten, um selbst Akzente zu setzen. „Er glaubte, ich sei bei 100 Prozent, also hat er Tiesj fahren lassen, obwohl ich überhaupt nicht angreifen wollte“, sagte der Youngster. Dass er danach in einer kleinen Lücke auf der Abfahrt festhing, kostete zusätzlich Körner.
Im Sprint einer stark ausgedünnten Gruppe wurde Seixas Neunter – drei Sekunden hinter der Spitze: „Ehrlich gesagt ist das unter diesen Umständen sehr gut. Drei Sekunden sind nicht viel – und es ist ein guter Start in die Tour. Das Wichtigste ist, dass ich nur ganz wenig Zeit verloren habe.“
Schaden klein gehalten – Seixas Sechster
In der Gesamtwertung trägt weiterhin Vingegaard das Gelbe Trikot, Seixas liegt als Sechster noch gut im Rennen. Sein Rückstand beträgt 42 Sekunden. Dass der Rookie trotz Defekt, Beinahe-Kollision und Funkpanne in Schlagdistanz blieb, wertet auch sein Team Decathlon AGC CMA als gelungenen Stresstest.
Benoot und Paret-Peintre gehören zu seinen wichtigsten Helfern im Aufgebot. „Am Ende hatte ich bessere Beine als gedacht, aber ich spare sie mir lieber für später“, sagte Seixas.