Extremhitze könnte die Tour de France in diesem Juli massiv beeinflussen: Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez hat die Präfekten entlang der Route auf mögliche Eingriffe bis hin zur Absage einzelner Etappen vorbereitet.
Tour de France: Hitze-Alarm! Etappen drohen Absagen
Hitze-Alarm! Tour drohen Absagen
Grundlage ist ein Maßnahmenkatalog für den Fall einer Wetter-„roten Warnstufe“.
Damit rückt erstmals(!) offen das Szenario ins Blickfeld, dass nicht nur Startzeiten oder Abläufe angepasst werden, sondern eine Etappe komplett entfällt.
Nach dem Schreiben aus dem Innenministerium sollen die staatlichen Vertreter in den Départements im Ernstfall handlungsfähig bleiben, wenn Sicherheit und Gesundheitslage kippen.
Wörtlich heißt es in der Mitteilung: „Als außergewöhnliche Maßnahme und in Abstimmung mit dem Organisator … können Sie entscheiden, eine Etappe abzusagen“, falls die Bedingungen die Sicherheit nicht mehr zulassen.
Der Hebel liegt damit ausdrücklich bei den Behörden vor Ort – in Abstimmung mit ASO und weiteren Beteiligten.
Tour den France: Zusätzlich Schutzmaßen geplant
Der Veranstalter ASO setzt parallel auf engmaschige Wetterbeobachtung und zusätzliche Schutzmaßnahmen für Fans entlang der Strecke.
Geplant sind unter anderem regelmäßige Sicherheitsdurchsagen, mehr Schattenbereiche sowie die Verteilung von Wasser und Kopfbedeckungen.
Tour-Direktor Christian Prudhomme betonte bei L’Equipe: „Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Innenministerium.“ Außerdem kündigte er an: „Die Karawane verteilt wieder 2.500.000 Hüte oder Kappen, 550.000 Dosen Wasser und 400.000 Liter Wasser.“
UCI-Protokoll greift ab kritischem WBGT
Für das Peloton ist die sportliche Klammer klar: Wenn die Bedingungen in den Hochrisiko-Bereich rutschen, kann das UCI-High-Temperature-Protocol aktiviert werden.
Maßstab ist dabei der Wet Bulb Globe Temperature (WBGT) – ab 28°C (rote Zone) sind unter anderem Anpassungen der Startzeiten, Neutralisationen von Rennabschnitten oder auch Rennabbrüche als mögliche Gegenmaßnahmen vorgesehen.
Damit wird die Hitzebelastung objektiv bewertet, nicht nur über die „Lufttemperatur“ im Schatten.
Unterhalb dieser Eskalationsstufe sind ebenfalls Eingriffe möglich, die den Rennverlauf direkt betreffen: erweiterte Karenzzeiten bei Zeitlimits, zusätzliche Versorgung durch mehr Wasser-Motorräder und weitere organisatorische Anpassungen.
Klar ist: Während Präfekten im Zweifel zum Schutz der Bevölkerung entscheiden, läuft der sportliche Sicherheitsmechanismus für die Fahrer über das UCI-Regelwerk – und beide Systeme können bei einer Hitzewelle gleichzeitig relevant werden.