Nach dem schweren Sturz von Florian Lipowitz, bei dem sich der Deutsche das Schlüsselbein gebrochen hatte und die Tour de France aufgeben musste, hat die Debatte um nächtliche Dopingkontrollen neuen Nährstoff erhalten.
Tour de France: Nach dem Lipowitz-Aus wird eine brisante Frage gestellt
Lipowitz-Aus wirft brisante Frage auf
Am späten Montagabend vor der am Folgetag stattfindenden 16. Etappe, auf der Lipowitz in einer Kurve zu Fall kam, wurde dessen Team Red Bull-Bora-hansgrohe getestet, wie Team-Manager Ralph Denk berichtete. Zuvor war unter anderem bereits Topstar Jonas Vingegaard in der Nacht von Samstag auf Sonntag getestet worden. Der Däne stürzte am folgenden Tag ebenfalls schwer und musste die Tour aufgeben.
Die Vorgänge geben der deutschen Radsport-Legende Jens Voigt zu denken. „Ich muss auch sagen: Damals wurde der Jonas in der Nacht kontrolliert. Schlafmangel. Er stürzt. Und heute war es die Mannschaft Red Bull-Bora-hansgrohe, die heute Nacht kontrolliert wurde und Florian stürzt“, merkte der 54-Jährige in seiner Rolle als Eurosport-Experte an.
Tour de France: Zusammenhang zwischen Stürzen und Dopingkontrollen?
Zugleich warf er eine brisante Frage auf: „Gibt es da einen Zusammenhang? Kann man da einen Zusammenhang draus konstruieren? Oder ist das wirklich ein unglaublicher Zufall?“
Die Kontrollen beim deutschen Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe, bei denen alle Fahrer getestet wurden, fanden nach Angaben des Teams gegen 22 Uhr am Montagabend statt.
Anders als bei Vingegaard, bei dem von einer Testzeit um 2 Uhr nachts berichtet worden war, fielen sie damit nicht in das Zeitfenster zwischen 23 Uhr und 6 Uhr morgens, in welchem Kontrollen nur bei „ernsthaften und konkreten Verdachtsmomenten, dass der Fahrer in Dopingaktivitäten verwickelt sein könnte“ erlaubt sind.
Für Voigt stellt sich allerdings die Frage, wie genau ein Verdachtsfall definiert wird. „Das ist in der Tat hier die ganz große interessante Frage. Ist das jemand anders, der angerufen und gesagt hat: ‚Ich glaube, die machen was.‘ Ist das ein Verdachtsfall?“, fragte er.
Voigt prangert „vage Formulierung“ an
Der Ex-Profi fuhr fort: „Ist eine dominierende Leistung bei einem Radrennen schon ein Verdachtsfall? Wenn das so wäre, wo hörst du auf? Ist Platz drei nicht mehr verdächtig? Platz zwölf? Platz 131? Das ist eine sehr vage – ich decke damit alles ab – Formulierung.“
Neben Vingegaard war auch der Gesamtführende Tadej Pogacar in der späten Nacht auf Sonntag kontrolliert worden. Danach hatten sich zahlreiche Fahrer zu Wort gemeldet. Der Tenor: Natürlich sind Dopingtests wichtig, auch die Fahrer sorgen sich um die Glaubwürdigkeit ihres Sports – aber doch bitte nicht tief in der Nacht.
Pogacar etwa hatte die Kontrollen – trotz grundsätzlichen Verständnisses – als „inhuman“ bezeichnet und wie Voigt gemutmaßt, dass der Schlafmangel zu Vingegaards folgenschwerem Sturz in den Alpen beigetragen haben könnte.
Vingegaard musste die Tour im Anschluss an die 15. Etappe am Sonntag mit einem Schlüsselbeinbruch verlassen. Sein Teamkollege Matteo Jorgenson sprach danach von einem „kompletten Mangel an Respekt gegenüber den Fahrern“.
Die verantwortliche „International Testing Agency“ (ITA) verteidigte in einer Stellungnahme ihr Vorgehen. Auch nächtliche Kontrollen seien für ein wirksames Anti-Doping-Programm notwendig. Sie dienten dem Schutz der Integrität des Radsports, hieß es in einer Stellungnahme der Organisation.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)