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Tour de France: "Nächste Tage überleben" - Sorgen im Pogacar-Team wachsen

Späte Sorgen um Pogacars Toursieg

Vor der entscheidenden Tour-Phase grassiert im Team von Tadej Pogacar eine Krankheitswelle. Auf der 18. Etappe hat der Topfavorit (noch) keine Probleme - ein Helfer gibt jedoch auf, während ein weiterer gerade noch rechtzeitig ins Ziel kommt.
Adam Yates erlebt bei der Tour de France einen schlimmen Tag. Aufgrund körperlicher Probleme verliert der Helfer von Tadej Pogacar auf der 17. Etappe früh den Anschluss und muss mächtig auf die Zähne beißen.
Vor der entscheidenden Tour-Phase grassiert im Team von Tadej Pogacar eine Krankheitswelle. Auf der 18. Etappe hat der Topfavorit (noch) keine Probleme - ein Helfer gibt jedoch auf, während ein weiterer gerade noch rechtzeitig ins Ziel kommt.

Beim lockeren Ausradeln im Zielbereich ließ sich Tadej Pogacar nichts anmerken. Freundlich lächelnd fiel er dem ecuadorianischen Kletterkünstler Richard Carapaz um den Hals und gratulierte fair zum Etappensieg.

Doch vor dem doppelten Alpe-d’Huez-Spektakel in den kommenden beiden Tagen scheint der sicher geglaubte Sieg bei der Tour de France plötzlich am seidenen Faden zu hängen. Pogacar verteidigte an der Wintersportstation Orcières-Merlette zwar souverän das Gelbe Trikot, doch eine grassierende Krankheitswelle im eigenen Team könnte ihm auf dem Weg zu Titel Nummer fünf zum Verhängnis werden.

„Ich weiß selber nicht, was los war. Wir müssen jetzt schauen, dass wir die nächsten beiden Tage überleben“, sagte Pogacars starker deutscher Helfer Nils Politt der ARD und gab die Marschroute vor: „separieren“, wo es nur geht. „Es sind einige Leute im Feld krank. Wir werden aber alles auf der Straße geben, um noch eine Etappe zu gewinnen und das Gelbe Trikot nach Paris zu bringen.“

Tour de France: Noch sieht es gut aus für Pogacar

Pogacar betrat derweil das Siegerpodest in Orcières-Merlette und winkte freundlich in die Runde. Nach der Etappe versuchte er, Ruhe auszustrahlen. „Wir können das schaffen. Es ist die dritte Woche, alle Teams leiden ein bisschen“, betonte der Dominator. „Wir werden weiterkämpfen, und ich glaube, wir schaffen das.“

Die Favoritengruppe um den Slowenen und Red-Bull-Kapitän Remco Evenepoel (Belgien) war zwei Tage nach dem bitteren Sturz-Aus von Florian Lipowitz geschlossen mit 4:35 Minuten Rückstand ins Ziel gekommen.

Pogacar führt damit in der Gesamtwertung weiter mit 4:32 Minuten vor Evenepoel, sein Teamkollege Isaac del Toro (Mexiko/+6:51) ist Dritter – soweit sieht das hervorragend für UAE aus. Noch.

Denn ausgerechnet an den drei schwersten Tour-Tagen mit der Doppel-Bergankunft im mythischen Alpe d’Huez am Freitag und Samstag hat Pogacars Team zu kämpfen – schon am Mittwoch hatte sich Adam Yates magenkrank ins Ziel geschleppt. Das Team hielt sich weitgehend bedeckt, was Raum für Spekulation ließ.

McNulty gibt auf – Wellens rettet sich

Auffällig jedenfalls: Pogacar trug erstmals seit vier Jahren eine schwarze statt gelbe Rennhose zum Gelben Trikot, was das Geraune am Rande des Pelotons verstärkte. Sollte sich Pogacar ebenfalls ein Magen-Darm- oder sonstiges Problem einfangen, wäre das angesichts der kommenden ultraschweren Etappen fatal – und Toursieg Nummer fünf höchst gefährdet. Doch davon soll noch keine Rede sein.

Jedenfalls ließen sich Tim Wellens, sein Landsmann Florian Vermeersch sowie der US-Amerikaner Brandon McNulty sofort ins Gruppetto zurückfallen – der bergstarke McNulty konnte schließlich auch dessen Tempo nicht halten und gab auf.

„Ich bin wirklich traurig, dass Brandon sich heute so schlecht gefühlt hat und nicht ins Ziel gekommen ist. Wir werden ihn in den kommenden zwei Tagen vermissen“, erklärte Pogacar.

Wellens rettete sich am Ende gerade noch innerhalb des Zeitlimits ins Ziel. Er kam als letzter Fahrer an, alleine und 43:02 Minuten hinter Tagessieger Carapaz. Für die Etappe galt ein Zeitlimit von 45:17 Minuten – damit blieb Wellens nur ein Puffer von zwei Minuten.

Der Belgier fuhr nach eigenen Angaben angeschlagen. „Ich glaube, es ist ziemlich klar, dass es eine Krankheit im Team gibt“, erklärte er.

Yates mit leichter Besserung

Yates allerdings zeigte sich etwas erholter als am Vortag und fuhr lange an der Seite von Pogacar – auch wenn er am Ende mit 28:55 Minuten Rückstand ins Ziel kam. UAE und Evenepoels Red-Bull-Mannschaft hielten im Rennverlauf den Vorsprung einer Fluchtgruppe lediglich in Grenzen, statt diese zu jagen.

Am viertletzten Renntag setzte sich deshalb Tokio-Olympiasieger Carapaz bei der Bergankunft nach 185,2 km nach einem fulminanten Antritt im Solo durch. „Es war ein ganz besonderer Tag, für mich ist es etwas ganz Besonderes, hier zu gewinnen“, sagte Carapaz mit glücklicher Miene: „Ein wunderschöner Moment.“

Sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten Schweizer Mauro Schmid, der bereits am Vortag Zweiter geworden war, betrug am Ende 45 Sekunden. Die „Lokomotive von Carchi“, die sich vier Kilometer vor dem Ziel gelöst hatte, bescherte dem EF-Team um den deutschen Profi Georg Steinhauser und den sportlichen Leiter Andreas Klier nach vielen vergeblichen Versuchen den ersten Etappensieg. Für Carapaz war es der zweite Tour-Etappensieg seiner Karriere.


Mit Sport-Informations-Dienst (SID)