Jonas Vingegaard hat am 19. Juli bei der Tour de France gleich doppelt unruhige Stunden erlebt: Wie auch Tadej Pogacar wurde der Däne vom Team Visma-Lease a Bike in der Nacht vor der 15. Etappe für einen Antidoping-Test aus dem Schlaf geholt. Laut übereinstimmenden Berichten klingelte es bei Vingegaard gegen 2 Uhr.
Tour de France: "Unmenschlich!" Legende tobt nach Vingegaard-Sturz
Legende tobt nach Vingegaard-Sturz
Nur wenige Stunden später folgte der sportliche Schock: Auf der 15. Etappe stürzte Vingegaard und musste das Rennen aufgeben. Der Tour-Zweite ging in der Schlussphase zu Boden, stieg anschließend in einen Krankenwagen und war raus aus der Tour und dem Rennen ums Gesamtklassement.
Tour de France: Legende Laurent Jalabert schimpft über „unmenschliche“ Kontrolle
Für Laurent Jalabert ist der Zeitpunkt der Kontrolle ein Problem. Als Experte bei France Télévisions fand der ehemalige Bergkönig deutliche Worte.
„Unmenschlich, das ist genau das Wort. Niemand stellt Antidoping-Kontrollen infrage, es ist normal, dass sie durchgeführt werden. Aber 2 Uhr morgens…“, ärgerte sich der Franzose, der 2001 und 2002 selbst bei der Tour de France das Bergtrikot gewonnen hat.
Für Jalabert steht fest, dass Schlaf und Regeneration bei einer Grand Tour ein entscheidender Faktor sind. Der Sieger der Vuelta 1995 ging noch einen Schritt weiter und verknüpfte den nächtlichen Weckruf mit der Szene, die zum Sturz führte.
Brisanter Verdacht! Nächtliche Dopingkontrolle schuld am Sturz?
„Wenn du dir den Sturz von Vingegaard anschaust, kannst du dich fragen, ob er wirklich wach war“, warf Jalabert einen brisanten Verdacht auf: „War er im Moment der Etappe zu 100 Prozent klar im Kopf? Man kann sich die Frage stellen.“
Moderatorin Marion Rousse ergänzte dazu mit Verweis auf Vingegaards eigene Aussage: „Er hat gesagt, dass er mehr als 40 Minuten gebraucht hat, um wieder einzuschlafen.“
Wann sind Kontrollen mitten in der Nacht erlaubt?
Für Kontrollen in der Nacht sind die Hürden in den Regularien hoch. In den UCI-Vorgaben heißt es, dass Tests zwischen 23.00 und 6.00 Uhr grundsätzlich vermieden werden – außer der Fahrer hat dafür ein Zeitfenster angegeben oder zugestimmt.
Als Ausnahme wird unter anderem ein „ernsthafter und konkreter Verdacht“ genannt. Die Kontrollen bei der Tour werden im Auftrag der UCI von der International Testing Agency (ITA) organisiert.