Jonas Vingegaard hat mitten in der Tour de France offenbart, dass seine Karriere auf der Kippe stand. Der Däne von Visma-Lease a Bike, in den vergangenen zwei Jahren jeweils Zweiter der Rundfahrt, liegt auch 2026 nach der ersten Tour-Woche als erster Verfolger von Tadej Pogacar in Lauerstellung. Nach neun Etappen beträgt sein Rückstand 2:42 Minuten.
Tour de France: Vingegaard enthüllt Rücktrittsgedanken
Vingegaard dachte an Rücktritt
Ausgerechnet in dieser Rolle als ewiger Gegenspieler des Slowenen ließ Vingegaard nun durchblicken, wie sehr ihn die vergangene Saison zermürbt hatte. Beim dänischen Sender TV2 erklärte der 29-Jährige, er habe nach dem Jahresende 2025 ernsthaft über einen Rücktritt nachgedacht.
Vingegaard: „Sie haben gesehen, dass ich nicht glücklich war“
„Ich habe vergangenes Jahr gesagt, wenn die Dinge so laufen, dann ohne mich“, erzählte Vingegaard am Sonntagabend nach der Ankunft im Teamhotel. „Deshalb haben wir Dinge verändert. Ich glaube auch, dass das Team die Situation verstanden hat – sie haben gesehen, dass ich vergangenes Jahr nicht glücklich war. Also haben sie akzeptiert, dass wir den Kalender ändern mussten.“
Den Effekt spürt Vingegaard nach eigener Aussage deutlich. „Wir haben vergangenes Jahr verstanden, dass es nicht ideal ist, Jahr für Jahr das Gleiche zu machen, und ich fühle mich mental in einem besseren Zustand“, sagte er bereits beim Start in Barcelona.
Sportlich passt der neue Rhythmus: 2026 gewann er Paris-Nizza, die Volta a Catalunya und sogar den Giro d’Italia. Obendrein trug er zu Beginn der Tour, drei Jahre nach seinem zweiten Gesamtsieg, wieder Gelb.
Vingegaard ließ mehrfach seine Zweifel durchblicken
Dass der Gedanke ans Aufhören bei ihm nicht nur eine Floskel ist, hatte Vingegaard bereits in anderen Momenten angedeutet – auch nach seinem schweren Sturz im April 2024, der Fragen nach der Fortsetzung seiner Laufbahn aufwarf.
2025 wurde für den zweimaligen Tour-Sieger (2022, 2023) zum mentalen Stresstest: Nach einer Gehirnerschütterung bei Paris-Nizza im März und deutlichen Niederlagen gegen Pogacar beim Dauphiné und der Tour zog ihn erst sein Vuelta-Triumph wieder auf.
Vingegaard hat Vertrag bis 2028
Trotz Vertrags bis 2028 blieb Vingegaard stets bei seiner Grundhaltung: Er könne jederzeit gehen.
Nach dem Giro meinte er: „Und wenn ich morgen in Rente gehen würde, würde ich denken, dass meine Karriere sehr erfüllt war.“
Bei der aktuellen Tour jagt er dennoch wieder das Gelbe Trikot – mit dem Wissen, dass für ihn nicht nur Zeiten und Sekunden zählen.