Der Tour-Auftakt wird zur Regel-Revolution: Beim Mannschaftszeitfahren in Barcelona werden erstmals die Zeiten individuell genommen – nicht mehr die Mannschaftszeit eines Referenzfahrers. Damit wird das Gelbe Trikot nicht automatisch an das stärkste Kollektiv vergeben, sondern an den schnellsten Einzelmann im Teamverbund. Die Etappe führt über knapp 19 km hinauf nach Montjuic bis ins Olympiastadion (17.05 Uhr im LIVETICKER).
Tour de France: Zeit-Revolution spaltet den Radsport
Tour-Revolution spaltet den Radsport
Beim vergangenen Mannschaftszeitfahren der Tour in Brüssel 2019 wurde die Zeit noch beim dem vierten Fahrer gestoppt – ein Maßstab, der das Feld lange zusammenhielt. Jetzt öffnet ein Passus im Reglement die Tür für eine Organisatoren-Entscheidung, wie Tour-Technikdirektor Thierry Gouvenou der L’Équipe erklärte.
„Ich hatte mich wieder in die Regeln vertieft, weil wir überlegten, ob wir die Teamzeitfahren fortsetzen sollten oder nicht. Und es gibt eine Lücke, in der steht, dass der Veranstalter entscheidet, auf welchen Fahrer wir die Zeit nehmen dürfen. Dann haben wir gesagt: ‚Versuchen wir es einfach‘.“ Die Tour setzt damit eine Idee um, die eine echte Innovation darstellt.
Coppel kritisiert die neue Auslegung
Das Profil verschärft den Effekt: Die 800 Schlussmeter mit sieben Prozent sollen die Leader wie in einem Launch aus dem Zug katapultieren, wenn die Helfer ihre letzten Körner verfeuern. Genau dieser Ansatz wurde bereits bei Paris-Nizza seit 2023 mit Erfolg getestet – ein Teamzeitfahren mit Einzelwertung. Gouvenou sagte dazu: „Es stimmt, dass das die bisherigen Maßstäbe auf den Kopf stellt. Es gibt Kritiker und Befürworter.“
Ex-Radprofi Jérôme Coppel, WM-Dritter im Zeitfahren von 2015, geht hart mit der neuen Auslegung ins Gericht. „Das verzerrt das Bild völlig, es sieht eher aus wie ein Zug, der seinen Sprinter mitnimmt“, schimpfte er – und bemängelte, dass die klassische Geschlossenheit verloren gehe. Für ihn wird das Finale unübersichtlicher, weil Fahrer nicht mehr geschlossen, sondern „einer nach dem anderen“ über die Linie kommen.