Bei der Tour de France wird Tadej Pogacar am Sonntag – sofern nicht Außergewöhnliches passiert – seinen insgesamt fünften Titel einfahren. Die Höchstleistungen des Slowenen, speziell sein historischer Rekord auf der 19. Etappe am legendären Anstieg nach Alpe d’Huez, sind zwar beeindruckend, werfen aber auch Fragen auf.
Pogacar wirft Fragen auf: "Ihn muss man genauer untersuchen"
„Ihn muss man genauer untersuchen“
„Es ist etwas Einzigartiges, Unmenschliches. Warum leiden die anderen und er scheinbar nicht? Sag es mir. Dieser Anstieg … der ist hart“, gab nun der ehemalige italienische Radrennfahrer Claudio Chiappucci im Interview mit AS zu bedenken.
Grundsätzlich sei Pogacars Überlegenheit aber „nichts Neues“, fuhr der 63-Jährige fort: „Der Unterschied zu den anderen ist himmelweit. So ist es immer.“
Tour de France: Pogacars Überlegenheit verblüfft Ex-Star
Die Verwunderung bei Chiappucci ist dennoch groß. Er erinnerte daran, dass Lenny Martinez, Richard Carapaz und Sepp Kuss auf dem berüchtigten Anstieg fast drei Minuten gegenüber Pogacar verloren hatten.
„Ich weiß nicht. Dieser so extreme Unterschied … man versteht das alles nicht so recht“, rätselte Chiappucci über Pogacar. „Im Laufe meines Lebens habe ich viele Radfahrer gesehen, wirklich sehr viele. Einen wie ihn, der nie zu leiden scheint, habe ich noch nie gesehen.“
Chiappucci, der in seiner Karriere zweimal die Bergwertung der Tour gewinnen konnte, hob die seiner Ansicht nach fehlenden Müdigkeitszeichen Pogacars hervor: „Auch dieses Mal hat er nicht gelitten. Er kam ins Ziel und wirkte nicht müde. Ich weiß nicht, ob er ein Mensch ist oder nicht. Jeder zeigt Anzeichen von Anstrengung oder Schmerz, ganz besonders in diesem Sport.“
„Pogacar unterscheidet sich von allem, was wir bisher gesehen haben“
Auf die Frage, ob bei Pogacar irgendetwas nicht zusammenpasse, meinte der dreimalige Tour-Etappensieger: „Das kann ich nicht beurteilen. So einen menschlichen Roboter muss man genauer untersuchen. Pogacar ist eine Figur, die sich von allem unterscheidet, was wir bisher gesehen haben.“
Es sei „unmöglich zu glauben, dass jemand niemals Anzeichen von Müdigkeit zeigt. Unmöglich. Auf diesem Berg den Rekord aufzustellen, nach so vielen Tagen und vielen Pässen … Ich weiß nicht. Das ist nicht einfach“, fügte Chiappucci an.
Vor der letzten Etappe am Sonntag in Paris beträgt Pogacars Vorsprung in der Gesamtwertung äußerst komfortable 6:26 Minuten.
Nächtliche Dopingkontrolle? „Muss ja einen Grund geben“
Der Dominator von UAE Team Emirates-XRG gehörte bei der aktuellen Tour zu den Fahrern, die mitten in der Nacht auf Doping getestet worden waren – im Zeitraum, in dem konkrete Verdachtsgründe für eine Kontrolle vorliegen müssen.
„Ich kenne mich damit nicht aus“, erklärte Chiappucci diesbezüglich. „Ich habe zwar darüber gelesen, aber es ist Neuland für mich. Wenn sie das in den frühen Morgenstunden machen, muss es ja einen Grund geben. Oder? Ich weiß es nicht…“, mutmaßte er weiter.
Er fügte sofort hinzu: „Pogacar ist die unangefochtene Nummer eins. Immer und ohne Ausnahme. Immer und immer wieder. Auf jedem Untergrund.“