Kaum ist die Tour de France Femmes 2026 angelaufen, kocht die nächste Material-Debatte hoch – und zwar eine sehr ungewöhnliche. Das niederländische Portal Wielerflits berichtet von einer Praxis, die im Peloton angeblich für Unruhe sorgt: Mehrere Teams gehen demnach davon aus, dass einzelne Fahrerinnen im Einzelzeitfahren BHs mit künstlicher Polsterung nutzen, um aerodynamische Vorteile zu erzielen.
BH-Betrug bei der Tour de France Femmes?
BH-Betrug bei der Frauen-Tour?
Die Idee dahinter: Der zusätzliche Aufbau soll den Luftstrom um den Oberkörper gezielt verändern und so Sekunden im Kampf gegen die Uhr bringen. Bert Blocken, Professor für Aerodynamik an der Heriot-Watt University in Schottland, erklärt bei Wielerflits: „Es handelt sich um eine Brust-Verkleidung, die den Luftstrom um den Körper verändert und dadurch den Überdruck auf den Oberschenkeln reduziert.“
Blocken betont zudem den möglichen Effekt: „Dadurch hat die Radsportlerin weniger Luftwiderstand. Man gewinnt nicht Dutzende Sekunden in einem Zeitfahren, aber auf einer Ausfahrt über 20 bis 30 Kilometer kann das entscheidende Sekunden bedeuten.“
UCI-Regelwerk verbietet morphologische Veränderungen
Genau hier setzt das Problem an: Laut UCI-Reglement ist die Methode untersagt. In Artikel 1.3.033 heißt es: „Die Kleidung darf die Morphologie des Fahrers nicht verändern“ – zudem seien alle nicht essenziellen Elemente verboten, deren Funktion nicht ausschließlich Kleidung oder Schutz sei.
Trotzdem will Wielerflits die Technik bereits bei mehreren großen Wettbewerben erkannt haben – unter anderem im Zeitfahren der Olympischen Spiele von Paris 2024 sowie beim Giro 2025. Brisant wird das Thema nun mit Blick auf das nächste Tour-Zeitfahren am Dienstag über 21 Kilometer rund um Dijon: Mehrere Teams fürchten, dass Konkurrentinnen durch eine verbotene technische Hilfe einen Vorteil erhalten könnten.