Inmitten der Spekulationen um einen möglichen Wechsel von Superstar Jonas Vingegaard rückt ein Rennstall in den Fokus, der noch vor wenigen Jahren selbst eingefleischten Radsportfans kaum ein Begriff war: Uno-X Mobility.
Eines der außergewöhnlichsten Projekte im Sport
Ein Projekt, das staunen lässt
Das norwegische Team soll nach Aussagen aus dem Peloton als die einzige denkbare Alternative für den zweimaligen Tour-de-France-Sieger gelten, sollte er sein aktuelles Team Visma – Lease a Bike jemals verlassen.
Den Stein brachte Uno-X-Profi Magnus Cort im März ins Rollen. Im Gespräch mit dem skandinavischen Streamingdienst Viaplay verriet der Däne, Vingegaard sage im Fahrerfeld immer wieder: „Wenn ich Visma jemals verlassen sollte, dann nur für Uno-X.“
Zwar machte Vingegaard selbst wenig später deutlich, dass er sich bei Visma wohlfühle und dort einen langfristigen Vertrag besitzt. Dennoch zeigt die Aussage, welchen Stellenwert der Rennstall inzwischen im internationalen Peloton genießt.
Radsport-Team macht es wie Athletic Bilbao
Dabei ist Uno-X Mobility alles andere als ein gewöhnliches World-Tour-Team. Während nahezu alle Topmannschaften ihre Kader weltweit zusammenstellen, verfolgt der norwegische Rennstall eine kompromisslose Philosophie: Gefahren wird ausschließlich mit skandinavischen Fahrern.
Im Männer – wie im Frauenteam stehen nahezu ausschließlich Norweger und Dänen unter Vertrag, vereinzelt ergänzt durch schwedische Talente. Das erklärte Ziel lautet seit der Gründung, den besten Radsportlern Skandinaviens eine sportliche Heimat auf höchstem Niveau zu bieten.
Fußballfans kommt diese Philosophie von Athletic Bilbao bekannt vor, denn der Klub aus dem spanischen Baskenland setzt nur auf baskische Spieler. Auch in der Fußballwelt ist so etwas auf diesem hohen Niveau einzigartig.
Diese Selbstbeschränkung von Uno-X macht den Aufstieg umso bemerkenswerter. Aus einem kleinen Kontinental-Team entwickelte sich binnen weniger Jahre eine feste Größe im internationalen Radsport.
Mischung aus Routiniers und Talenten
Mit Beginn der Saison 2026 erhielt die Mannschaft erstmals eine permanente World-Tour-Lizenz – als erstes norwegisches Team überhaupt. Statt auf kurzfristige Star-Einkäufe setzte das Management konsequent auf die Entwicklung eigener Fahrer und den Aufbau einer klaren Identität.
Aushängeschilder sind erfahrene Profis wie Alexander Kristoff und Cort, die dem Team internationale Aufmerksamkeit verschaffen. Gleichzeitig bilden Fahrer wie Tobias Halland Johannessen, Søren Wærenskjold oder Andreas Leknessund das sportliche Fundament für die Zukunft.
Die Mischung aus Routiniers und aufstrebenden Talenten gilt als eines der Erfolgsrezepte des Projekts.
Angeführt wird der Rennstall vom früheren Straßen-Weltmeister Thor Hushovd, der seit 2024 Geschäftsführer ist, und Teammanager Gabriel Rasch. Beide sind langjährige Weggefährten, denn sie fuhren gemeinsam für die Teams von Crédit Agricole, Cervélo und Garmin-Cervélo.
Vingegaard? Geschäftsführer äußert sich defensiv
Hushovd machte zuletzt keinen Hehl daraus, dass Stars wie Vingegaard oder Ex-Weltmeister Mads Pedersen grundsätzlich auf seiner Wunschliste stehen. Gleichzeitig ordnete er die Gerüchte realistisch ein.
Zwar würde das geschätzte Jahresgehalt Vingegaards von rund fünf Millionen Euro das gesamte Budget des Teams nicht sprengen, aktuell seien solche Verpflichtungen aber weder finanziell noch strukturell sinnvoll.
Möglich wird diese langfristige Strategie vor allem durch den finanzstarken Hauptsponsor. Hinter Uno-X Mobility steht der norwegische Handelskonzern Reitan Retail, zu dem unter anderem die Supermarktkette REMA 1000 sowie die skandinavischen 7-Eleven-Filialen gehören. Ursprünglich war Uno-X vor allem als Betreiber günstiger Automatentankstellen bekannt.
Inzwischen investiert das Unternehmen jedoch massiv in den Ausbau eines Schnellladenetzes für Elektrofahrzeuge in Norwegen und Dänemark und positioniert sich als nachhaltiger Mobilitätsanbieter.
Junges Radsport-Team mit gutem Ruf
Das Radteam spielt dabei eine zentrale Rolle. Es dient als internationales Aushängeschild für den Wandel vom klassischen Kraftstoffanbieter hin zu einer modernen Mobilitätsmarke.
Passend dazu setzt der Rennstall auch bei seinen Partnern bevorzugt auf skandinavische Unternehmen und transportiert sein regionales Profil weit über den Sport hinaus.
Genau diese Mischung macht Uno-X Mobility zu einem der außergewöhnlichsten Projekte im Profiradsport. Finanzielle Stabilität, eine klare Identität und die konsequente Förderung skandinavischer Fahrer unterscheiden den Rennstall von nahezu allen Konkurrenten.
Dass Vingegaard ausgerechnet Uno-X als einzige denkbare Alternative zu Visma nennen soll, ist deshalb weit mehr als eine nette Anekdote – es ist ein Zeichen dafür, welchen Ruf sich das norwegische Team inzwischen im internationalen Radsport erarbeitet hat.