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Eisschwimmerin verrät: "Ich friere sehr leicht" - Tina Deeken im Podcast 'Flutlicht an!'

Eisschwimmerin verrät: „Friere leicht“

Tina Deeken sagt von sich selbst, sie friere leicht. Doch im Eisschwimmen hat sie bald 30 internationale Medaillen gewonnen und hält mehrere Weltrekorde. Die Para-Athletin spricht über ihren Weg zum Schwimmen, welche Rolle ihr Umfeld spielt und warum Finanzierung von Equipment im Parasport eine besonders große Herausforderung ist.
Tina Deeken stieg vom Tennis zum Eisschwimmen um
Tina Deeken stieg vom Tennis zum Eisschwimmen um
© Mara Pfeiffer
Tina Deeken sagt von sich selbst, sie friere leicht. Doch im Eisschwimmen hat sie bald 30 internationale Medaillen gewonnen und hält mehrere Weltrekorde. Die Para-Athletin spricht über ihren Weg zum Schwimmen, welche Rolle ihr Umfeld spielt und warum Finanzierung von Equipment im Parasport eine besonders große Herausforderung ist.

„Mir hätte das sicher geholfen, wenn mir jemand einen Rolli dahingestellt und gesagt hätte: Rolli-Tennis geht.“ Tina Deeken schaut mit großem Pragmatismus zurück auf die Phase ihres Lebens, in der sie aufgehört hat, Tennis zu spielen. „Dieses ‚Ballsport funktioniert nicht‘, war ein harter Einschnitt.“ Aber sie tut damals das, was sie immer tut: Sie macht weiter.

Tennis war lange ihr Sport. Doch als Teenagerin wird sie wegen zunehmender Schmerzen durch ihre Hüftdysplasie operiert, seither hat Deeken eine Lähmung im linken Bein. Das sei, blickt sie zurück, kein Kunstfehler gewesen. Diese Dinge passieren eben: ein verletzter Nerv. Um wieder mobil zu werden, fängt sie mit dem Schwimmen an. Und bleibt im Wasser.

Im Freiwasser fühlt sich Deeken am wohlsten

Am liebsten schwimmt Deeken draußen: Freiwasser. Vielleicht, weil Wasser ihr so viel Freiheit gibt, sie sich darin so unkompliziert und selbständig bewegen kann, wie das an Land nicht mehr möglich ist. Dort unterstützt eine elektrische Ganzbeinprothese die 49-Jährige beim Laufen. Im Wasser bewegt sie sich ohne Hilfsmittel. Es ist ihr Element.

Manchmal hat der Zufall die Finger im Spiel. Als die gebürtige Niedersächsin einmal am Ende der Freiwasser-Saison ihr Bedauern darüber ausdrückt, die kommenden Monate in der Halle zu schwimmen, sagt ein Bekannter, es gebe ja sonst noch Eisschwimmen. Deeken, die über sich selbst sagt, sie friere leicht, winkt erstmal lachend ab. Dann überlegt sie es sich anders.

Die Entscheidung, ins Eiswasser zu gehen, verändert ihr Leben auf eine Weise, die Deeken sich in diesem Moment nie ausgemalt hat. Seither schwimmt die 49-Jährige von Rekord zu Rekord. Nach vielen Jahren ausschließlich im inklusiven Sport tritt sie nun schwerpunktmäßig im Para-Sport an, hat im Eisschwimmen bereits 19 WM und 9 EM-Titel geholt.

Und sie ist Weltrekordhalterin im Freistil der Frauen mit Behinderung, derzeit über 50, 100 und 250 Meter. Daneben Deutsche Meisterin im Para-Triathlon, also Schwimmen, Handbike und Rennrollstuhl. Das ist auch aufgrund des Bekanntheitsgrades möglich, den sie inzwischen hat, denn die Anschaffungskosten für Letzteren sind hoch. Ein Thema, in dem Deeken als Botschafterin unterwegs ist, weil Menschen mit Behinderung Zugang zu Sport haben müssen.

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Ein Gefühl von Zugehörigkeit

Schwimmen, sagt Deeken, gebe ihr ein Gefühl von Zugehörigkeit. Das Wasser, aber auch die Menschen, die mit und neben ihr darin unterwegs sind. Wie überhaupt ihr Umfeld eine große Rolle spiele für ihren Weg: Immer sei da jemand gewesen, der ihr gesagt habe: Das schaffst du. Das kannst du auch noch. Natürlich geht das! Dieses Zutrauen von Leuten? Sehr wichtig. So war es auch nicht Deeken selbst, die auf die Idee kam, 50 Kilometer durch die Weser zu schwimmen – gemacht hat sie es am Ende aber.

Eisschwimmen, sagt die Weltmeisterin, sei neben allem, was der Sport ihr gibt, weiter jedes Mal neu eine Herausforderung. An die ersten Momente in der Kälte gewöhne man sich nicht wirklich, die Belastung für den Körper sei nicht zu unterschätzen, ein gesundheitlicher Check-up vor jeder Saison immens wichtig.

Was sich verändere, sei, wie gut sie ihren Körper dabei einschätzen kann, mit ihm arbeiten. Zu den Reaktionen gehört, dass er hinterher stark zittert. Das ist ganz normal, so wärmt er sich wieder auf. Ein Learning deswegen, ganz praktisch? Die Tasse Tee hinterher nur halb füllen – bevor man ihn in der Landschaft verteilt.