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Doping-Experte teilt in Causa Sinner aus

Sinner? Doping-Experte teilt aus

Doping-Experte Professor Fritz Sörgel kämpft seit Jahren gegen Doping im Sport. Im Gespräch mit SPORT1 erklärt er, warum der Fall Sinner für ihn so vieles veränderte.
Vor seiner Rückkehr auf die ATP-Tour in Rom lässt Jannik Sinner seine dreimonatige Doping-Sperre noch einmal Revue passieren. Der Italiener freut sich nun einfach wieder Tennis spielen zu dürfen.
Doping-Experte Professor Fritz Sörgel kämpft seit Jahren gegen Doping im Sport. Im Gespräch mit SPORT1 erklärt er, warum der Fall Sinner für ihn so vieles veränderte.

Sportlich ist Tennis-Star Jannik Sinner neben Carlos Alcaraz das unumstrittene Nonplusultra auf der ATP-Tour - abseits des Platzes sorgte er im vergangenen Jahr mit seinem Dopingvergehen für Aufsehen. Die aktuelle Nummer zwei der Welt war nach einem Vergleich mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) mit einer dreimonatigen Sperre davongekommen, verpasste aber kein Grand-Slam-Turnier.

Die WADA war Sinners Verteidigungslinie gefolgt, dass die verbotene Substanz Clostebol im März vergangenen Jahres unbeabsichtigt durch Unachtsamkeiten seines Teams in seinen Körper gekommen sei und „keinen Wettbewerbsvorteil“ gebracht hätte. Doping-Experte Professor Fritz Sörgel sieht den Fall derweil weiter kritisch, wie er im neuen Podcast SPORT1 Deep Dive verdeutlicht.

Doping-Experte nennt Tennisverband „arrogant“

„Das Schwierigste ist, und warum das so nicht hätte passieren dürfen, dass der Fitnesstrainer von Sinner, ein studierter Pharmazeut, eigentlich schon was über Medikamente sagen kann“, sagt der Pharmakologe: „Dass dann ein Spray ins Umfeld von einem Spitzensportler gebracht wird, wo außen auf der Schachtel draufsteht: Doping - da wird es für mich schwierig.“

Sörgel hatte den Fall genau verfolgt und die Entscheidung schon nach der Verkündung im Gespräch mit SPORT1 scharf kritisiert. Auch ein knappes Jahr später kann er sie nicht verstehen.

Speziell für die Herangehensweise des Tennis-Weltverbandes hat er wenig Verständnis. „Der Tennisverband ist für mich eigentlich der Verband, der die anderen Sportler so ein bisschen arrogant links liegen lässt und sagt: Wir machen unsere Regeln selbst“, sagt Sörgel.

Sinner war nach dem Dopingfall zunächst von der International Tennis Integrity Agency (ITIA) vorläufig suspendiert worden. Die ITIA ist dabei eine unabhängige Organisation, die 2021 von den Tennisverbänden ATP, WTA und ITF sowie den Veranstaltern der vier Grand-Slam-Turniere gegründet wurde, um einen sauberen Tennissport zu garantieren.

Sie fand Sinners Erklärung glaubhaft und ließ die Causa auch von einem unabhängigen Gericht prüfen, das ebenfalls zu diesem Schluss kam. Sinner sollte damit ohne Sperre davonkommen - zum Unverständnis der WADA, die den Fall vor den CAS (Internationale Sportgerichtshof) bringen wollte.

Sörgel kritisiert Sinner-Deal mit WADA

Doch dann ließ sich die WADA überraschend auf einen Vergleich mit Sinner ein, der zwar drei Monate Sperre bedeutete - allerdings in einem Zeitraum, in dem kein Grand Slam stattfand.

„Man hat diesen Deal gemacht, mit dieser Sperre, die man genau so gesetzt hat, dass sie ihm nicht schadet“, kritisiert Sörgel.

Auch wegen solcher Situationen fällt Sörgel im Gespräch mit SPORT1 ein hartes Urteil zum Stand des Sports: „Du gehst immer von Idealen aus im Sport. So wächst man ja auf, Sport und Idealismus. Aber das gibt es einfach nicht mehr.“