Der deutsche Tennisspieler Andreas Mies hat mit seinen Grand-Slam-Siegen 2019 und 2020 an der Seite von Kevin Krawietz für einen Doppel-Boom im deutschen Tennis gesorgt. Bis heute war es zugleich der letzte deutsche Grand-Slam-Triumph im Doppel.
Grand-Slam-Titel und plötzlich Bodyguards
Mussten „mit Bodyguards über Anlage“
Im SPORT1-Podcast Deep Dive sprach das Doppel-Ass über den Schlüssel zum Erfolg, die veränderte Wahrnehmung – und warum „der zweite French Open Sieg vielleicht noch krasser war, als der Erste“.
Wie eine glückliche Fügung den Grand-Slam-Erfolg ermöglichte
Alles begann mit der Qualifikation für Wimbledon 2018. Für Krawietz und Mies war es das erste große Turnier gemeinsam – und zugleich das einzige Grand-Slam-Event mit einer Doppel-Qualifikation.
Ohne diese Quali „wären wir mit unserem Ranking nicht ins Hauptfeld gekommen“, erklärte Mies. Erst durch zwei gewonnene Qualifikationsrunden gelang der Einzug ins Hauptfeld von Wimbledon.
Der damalige Außenseiter erinnert sich bis heute besonders an dieses Erlebnis: „Wimbledon war noch viel krasser, als ich es mir erträumt hätte“, sagte Mies.
Vor allem die Atmosphäre in London beeindruckte den gebürtigen Kölner nachhaltig. „Du riechst förmlich diese Tradition und die Geschichte von Wimbledon“, schilderte er. Zudem sei dort vieles besonders: „Alles ist perfekt organisiert, die Anlage ist sauber – alles ist grün, alle sind weiß gekleidet, es ist sehr edel da.“
Sportlich war gegen die späteren Turniersieger Mike Bryan und Jack Sock (beide USA) nach knapp fünf Stunden Spielzeit im Achtelfinale Schluss. Das Turnier markierte dennoch einen wichtigen Entwicklungsschritt in ihrer Karriere.
Denn das Duo etablierte sich in den Top 100 der Welt und formulierte gemeinsam klare Ziele: Top 10 der Doppel-ATP-Weltrangliste, Nominierung für das Davis-Cup-Team, Teilnahme an dem Saisonfinale der besten acht Teams und ein Grand-Slam-Titel.
„Gefühlt wie kleine Jungs bei ToysRus„
„Das alles haben wir dann in der ersten Saison geschafft, in unserer Durchbruchssaison“, berichtete Mies.
Rückblickend frage er sich manchmal, ob alles vielleicht etwas zu schnell gegangen sei. Denn mit dem Erfolg der French Open 2019 stiegen auch der Druck und die Erwartungen. Vor allem die Unbeschwertheit sei zuvor ein entscheidender Erfolgsfaktor gewesen.
„Erstmal waren wir einfach nur froh, dabei zu sein und haben uns gefühlt wie kleine Jungs bei ‚ToysRus'“, erzählte Mies lachend. Stundenlang habe das Duo auf der Anlage von Roland Garros verbracht und den Stars zugeschaut: Djokovic, Nadal, Federer: „Es war unglaublich.“
Bei den French Open 2019 spielten sich die beiden Deutschen „von Runde zu Runde in einen Rausch“. Ab dem Viertelfinale seien die Matches „nur noch Bonus“ gewesen, weshalb sie befreit aufspielen konnten. Mit dem Titel „haben sich die ganzen Jahre harter Arbeit ausgezahlt“, betonte der 35-Jährige.
Gleichzeitig habe sich für das Doppel nach dieser erfolgreichen Saison vieles verändert – vor allem in Sachen Wahrnehmung und Erwartungshaltung.
Bei den folgenden Turnieren mussten die frisch gebackenen Grand-Slam-Sieger plötzlich mit „eigenen Bodyguards über die Anlage laufen“. Für Mies war das surreal: „Es war eine verkehrte Welt für uns.“
Die neue Rolle des deutschen Traumduos
Auch sportlich änderte sich die Ausgangslage. Das Duo gehörte nun zur Weltspitze und rückte bei Turnieren in die Favoritenrolle.
„Ihr seid das Zugpferd des Turniers mit Roger Federer und Alexander Zverev und ihr spielt jedes Match of the Day nach Federer oder Zverev auf dem Center Court“, hieß es ab sofort, wie sich Mies an ein Turnier erinnerte, welches eine Woche nach dem großen Triumph in Paris stattfand.
Für den damals 29-Jährigen sei der schnelle Rollenwechsel eine „große Herausforderung“ gewesen. Es habe etwas gedauert, bis sich das Duo daran gewöhnt habe.
Umso besonderer war der zweite French-Open-Titel 2020 – auch wenn das Turnier in der Corona-Zeit ohne Fans stattfand. Denn für das Duo Mies/Krawietz blieb Roland Garros ein ganz spezieller Ort. „Dieser Ort hatte für uns was Magisches“, schwärmte Mies.
Entscheidend sei immer gewesen, die Freude am Tennis nicht zu verlieren. Mies erklärte: „Das Leben ist ernst genug, der Spaß muss trotzdem immer da sein.“ Wenn einer von beiden in dieser Phase der Karriere zu verkrampft gewesen war, habe der Doppelpartner daran erinnert, den Spaß zurückzuholen.
Für Mies lag genau darin das Erfolgsgeheimnis: „Wir waren einfach eingespielt und hatten ein cooles Mindset.“