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Deutsche Tennis-Hoffnung exklusiv: "Irgendwann kommt der Klick"

„Irgendwann kommt der Klick“

Der 18-jährige Justin Engel gilt als das größte deutsche Tennis-Talent, doch nach einem erfolgreichen Jahr 2025 gab es zuletzt einige frühe Niederlagen. Im Interview mit SPORT1 verrät er, wie er mit einem neuen Trainerteam durchstarten will.
Der 17-jährige Justin Engel ist aktuell die größte deutsche Tennis-Hoffnung. Im SPORT1-Interview formuliert er große Ziele.
Der 18-jährige Justin Engel gilt als das größte deutsche Tennis-Talent, doch nach einem erfolgreichen Jahr 2025 gab es zuletzt einige frühe Niederlagen. Im Interview mit SPORT1 verrät er, wie er mit einem neuen Trainerteam durchstarten will.

Justin Engel hat gute Erinnerungen an das ATP-500-Turnier am Hamburger Rothenbaum. Vor einem Jahr gewann der junge Nürnberger in der 1. Runde gegen Landsmann und Routinier Jan-Lennard Struff. Danach musste er sich zwar der ehemaligen Nummer-5 Andrey Rublev geschlagen geben, hielt aber mit 3:6 und 5:7 ordentlich mit. „Er bringt alle Voraussetzungen mit, hat eine starke Vor- und Rückhand“, lobte Rublev danach. Im Oktober 2025 folgte der nächste Erfolg in Hamburg. Engel gewann das ATP-Challenger-Turnier in Hamburg.

Nun ist er zurück in der Hansestadt und tritt erneut am Rothenbaum an. In der Runde der letzten 32 trifft er am Dienstag auf Ugo Humbert. Ein Erfolgserlebnis täte dem 18-Jährigen mal wieder gut. Zuletzt kassierte er viele Niederlagen in der 1. Runde, vergangene Woche im kroatischen Zagreb. „Solche Phasen gehören dazu“, sagt er im Interview mit SPORT1. Sein Talent ist unbestritten. Im Oktober 2024 gewann er sein erstes Match auf der ATP-Profitour. Der Nürnberger wurde zum jüngsten Match-Gewinner auf der Tour seit Carlos Alcaraz im Jahre 2020. Im September 2025 gab er sein Davis-Cup-Debüt für Deutschland.

Nummer eins? Deutsches Talent hat große Ziele

Er hat sich hohe Ziele gesetzt und sprach bereits offen davon, die Nummer 1 der Welt werden und ein Grand-Slam-Turnier gewinnen zu wollen. Ob er das Potenzial dafür hat? „Er ist ein super Talent, kann sehr, sehr gutes Tennis spielen, aber von den Ergebnissen sind viele andere junge Spieler weiter“, ordnete Alexander Zverev im vergangenen Jahr seine Entwicklung ein.

Boris Becker sagte über Engel: „Es ist gut, dass wir wieder einen sehr talentierten Spieler haben.“ Wie erfolgreich er sein wird, liege an ihm selbst: „Wie weit will er gehen? Welchen Preis ist er bereit zu zahlen, um weiterzukommen?“

Für Engel geht es nun darum, konstant Spiele zu gewinnen. Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, hat Engel sein Team umgestellt. Seit Anfang März wird er von Angelique Kerbers früherem Coach Dieter Kindlmann trainiert. Jüngst kam auch noch der frühere Davis-Cup-Kapitän Carsten Arriens hinzu. Ob es der Nummer 190 der Welt gelingt, mit diesem Team die nächsten Karriereschritte zu vollziehen?

SPORT1: Herr Engel, wie gehen Sie damit um, in Deutschland als großer Hoffnungsträger im Tennis zu gelten?

Justin Engel: Ich finde das super. So etwas zu hören, ist natürlich mega. Aber das ist kein Druck für mich, bei dem ich denke: „Oh mein Gott, die Erwartungshaltung ist so hoch.“ Alles kann, nichts muss. Ich bin erst 18 und mache einfach mein Ding.

SPORT1: Welche Ziele haben Sie sich für das Jahr 2026 gesetzt?

Engel: Die Ziele bleiben eigentlich immer gleich. Ich will Ende des Jahres in den Top 100 stehen. Aber ich sage immer wieder: Ich mache mein Ding, ich arbeite viel, ich trainiere viel. Deswegen sehe ich alles positiv und gebe mein Bestes.

SPORT1: Wie blicken Sie dem Turnier in Hamburg und dem Erstrunden-Duell gegen den Franzosen Ugo Humbert, der vor zwei Jahren die Nummer 13 der Welt war, entgegen?

Engel: Ich habe einen Mega-Gegner zugelost bekommen. Das ist ein Linkshänder und dadurch ein ekliger Gegner. Er hat mit Jeremy Chardy einen super Trainer an seiner Seite, der früher selber ein erfolgreicher Profi gewesen ist. Ich freue mich total auf dieses Duell. Genauso wie letztes Jahr, gehe ich positiv in das Turnier. Dann werden wir sehen, wie es läuft.

Neue Trainer Kindlmann und Arriens „passen super zusammen“

SPORT1: Sie haben Ihr Trainerteam neu aufgestellt. Sie arbeiten jetzt mit Dieter Kindlmann und neuerdings auch mit Carsten Arriens. Welche Gedanken stecken dahinter und welche Impulse erhoffen Sie sich?

Engel: Die beiden passen einfach super zusammen, das merke ich jetzt schon. Wir bilden zusammen ein super Team. Die Impulse liegen auf jeden Fall im Mentalen, im Körperlichen und natürlich im Spielerischen auf dem Court. Es geht darum, nicht zu sehr wie ein Roboter zu spielen, sondern spielfreudiger und variabler auf dem Platz zu sein. Das sind die Impulse, die ich mir von den beiden erhoffe.

SPORT1: Sie haben früh erste Erfolge auf der Tour gefeiert. In letzter Zeit gab es aber auch einige frühe Niederlagen. Wie gehen Sie mental mit diesen Ups und Downs um, die der Tennissport mit sich bringt?

Engel: Ich würde sagen, ich gehe gut damit um. Solche Phasen gehören im Sport einfach dazu, vor allem im Tennis. Man kann natürlich nicht erwarten, immer wie Jannik Sinner zu spielen, der gefühlt jedes Match gewinnt. Ich sehe das einfach sehr positiv. Klar, ich habe ein paar Matches verloren, aber ich mache weiter. Es bringt ja nichts, das negativ zu sehen.

SPORT1: Das heißt für Sie…?

Engel: Ich arbeite gerade an vielen Sachen, und irgendwann kommt der Klick. Und dann geht es wieder steil nach oben. Letztes Jahr lief einfach perfekt, das war super. Dieses Jahr habe ich zwar ein paar Matches verloren, aber das hält mich nicht davon ab, meine Ziele weiter zu verfolgen.

Weltklasse-Spieler behalten immer ihr Niveau

SPORT1: Sie haben zwar noch nicht gegen den erwähnten Jannik Sinner gespielt, aber schon gegen absolute Topspieler – etwa gegen Andrey Rublev in Hamburg oder Félix Auger-Aliassime in Stuttgart. Was nimmt man als junger Spieler aus solchen Spielen mit, wenn auf der anderen Seite des Netzes Weltklasse steht?

Engel: Da nimmt man auf jeden Fall sehr viel mit, vor allem von der Qualität der Schläge. Bei diesen Spielern fällt das Niveau während des Matches kaum ab. Die behalten immer ihr Niveau. Ihr Level bleibt immer extrem hoch, oft über das ganze Match hinweg. Klar passieren mal ein oder zwei Fehler, aber das war’s dann auch. Da kann man sehr viel mitnehmen. Sie sind mental extrem stark, gehen Punkt für Punkt an und geben für jeden Ballwechsel 100 Prozent.

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SPORT1: Was ist das Schönste daran, auf der Profitour unterwegs zu sein? Und was sind die negativen Seiten?

Engel: Ehrlich gesagt gibt es gar nichts Negatives.

SPORT1: Wirklich nicht?

Engel: Ich liebe das, was ich mache. Ich liebe diese Sportart und ich liebe es einfach, Tennis zu spielen. Ich reise überall hin, sehe gefühlt die ganze Welt und lerne viele Menschen auf der Tour kennen. Es gibt hier super Leute und nette Menschen. Deshalb gibt es eigentlich nur positive Sachen.

Ich bin erst 18, verspüre keinen Druck

SPORT1: Der Druck ist teilweise sehr hoch. Zudem ist Tennis ein teurer Sport, die Reisekosten sind hoch, das Team um sich herum muss finanziert werden. Spüren Sie dadurch einen besonderen Druck, bei den Turnieren weit zu kommen?

Engel: Klar bin ich vor Matches nervös, das gehört zum Sport dazu. Wenn ich vor einem Match nicht nervös wäre, dann würde ich meine Sportart nicht ernst nehmen. Das ist ganz wichtig. Aber wirklichen Druck verspüre ich nicht. Ich bin erst 18 Jahre alt. Wie gesagt: Alles kann, nichts muss. Ich bin einfach froh, dass ich so eine Sportart wie Tennis machen kann und hier dabei sein darf.

SPORT1: Tennisspieler sind den Großteil des Jahres unterwegs. Ist es auf der Tour manchmal einsam oder entstehen auch Freundschaften unter Tennisspielern?

Engel: Freundschaften gibt es auf der Tour schon, bei mir mit Struffi (Jan-Lennard Struff, Anm. d. Red.), Hanfi (Yannick Hanfmann) und Max Rehberg. Aber wenn wir auf einem Turnier sind, ist es jetzt nicht so, dass man sich ständig mit anderen Teams zum Abendessen zusammensetzt. So ist es leider nicht. Wir sind alle fokussiert, professionell und machen unser eigenes Ding.