Es war ein Abschied, der unter die Haut ging. Als John Isner heute vor drei Jahren von der Tennis-Bühne abtrat, hielt es auf der Tribüne niemanden mehr auf den Plätzen. Für den US-Amerikaner gab es ein letztes Mal Standing Ovations, nachdem seine Laufbahn am 31. August 2023 nach 17 Jahren auf der ATP-Tour zu Ende gegangen war.
Der rührende Abschied eines Tennis-Giganten
Der Abschied eines Tennis-Giganten
Passend zur Karriere des heute 41-Jährigen lieferte Isner seinen Fans zum Abschluss ein echtes Marathon-Match. Erst nach 4:01 Stunden unterlag er seinem Landsmann Michael Mmoh in Runde zwei der US Open mit 6:3, 6:4, 6:7 (3:7), 4:6, 6:7 (7:10).
Eine bittere Niederlage, nachdem Isner bereits mit 2:0-Sätzen in Führung lag. Nur drei Stunden später stand Isner zwar nochmals im Doppel auf dem Platz, doch auch dieses Match ging verloren – womit für den entkräfteten Tennis-Routinier endgültig Schluss war.
Isner überzeugt mit Ausdauer und einem knallharten Aufschlag
Marathon-Matches entwickelten sich zu einer Art Spezialdisziplin von Isner. Unvergessen bleibt sein historischer Sieg gegen Nicolas Mahut in Wimbledon nach unfassbaren elf Stunden und fünf Minuten (6:4, 3:6, 6:7 (7:9), 7:6 (7:3), 70:68). Isner schlug dabei stolze 112 Asse.
Der Aufschlag war die gefährlichste Waffe des Tennis-Riesen, der mit seiner Größe von 2,08 Metern wahrlich bedrohlich auf die Gegner wirkte. Im Juni 2022 schlug Isner gegen Jannik Sinner sein 13.729. Ass und stellte damit einen neuen Weltrekord auf. Die Marke baute er letztlich auf 14.470 Asse aus. Verwunderlich ist dies nicht, so erreichten seine Geschosse bis zu 253 km/h.
Isner vom Gefühlschaos überrannt
So knallhart Isner servierte und seine wuchtige Vorhand einsetzte, so verletzlich und menschlich zeigte er sich zum Abschluss seiner Laufbahn. Der US-Amerikaner hatte nach dem Match gegen Mmho Tränen in den Augen und schlug sich die Hände vor sein Gesicht, als er sich auf der Bank niederließ.
Seine Enttäuschung über die Niederlage wurde durch seine zitternden Händen greifbar. Isner wurde vom kompletten Emotionschaos eingeholt und konnte seine Gefühle kaum in Worte fassen, als er von den Fans zum Post-Game-Interview aufgefordert wurde.
„Ja, es ist hart. Ich denke gerne, dass ich so hart arbeite, wie ich kann …“, brachte er zunächst in kaum verständlichen Satz-Bruchstücken heraus. Dennoch zeigte er sich dankbar darüber, vor einer so großen Kulisse abgetreten zu sein. „Ich habe mein ganzes Leben lang so hart gearbeitet, um vor solchen Atmosphären zu spielen. Vor diesem Publikum zu spielen und die Unterstützung zu haben, die ich hatte, ist etwas ganz Besonderes“, sagte er.
Isner war ein Spieler, der für den Tennis-Sport brannte und sein Herz bis zum letzten Spiel auf dem Platz gelassen hat. „Ich liebe diesen Sport, ganz sicher. Ich möchte als jemand in Erinnerung bleiben, der auf dem Platz ziemlich hart gekämpft hat. Ich glaube, das habe ich getan“, blickte er zurück.
Am Ende war der Tank aber schlichtweg leer. „Es ist schwer zu erklären, wie schlecht sich mein Körper anfühlt. Alles, was ich tat, um mich spielbereit zu machen, erforderte einen großen Aufwand“, erklärte er.
Isner feiert gebührendes Karriereende: „Habe es geschafft“
Den Abschied vor eigenem Publikum zu erleben, war die letzte Mission in der langen Karriere von Isner. „Ich wollte noch einmal bei den US Open dabei sein und habe es geschafft“, zeigte sich Isner erleichtert. Der Hüne hatte zuvor 16 ATP-Einzeltitel feiern können und im Jahr 2018 das Halbfinale in Wimbledon erreicht.
Isner blickte jedoch nicht nur auf seine sportliche Karriere mit Stolz zurück. „Abseits des Platzes ist es meiner Meinung nach am wichtigsten, im Umkleideraum den Respekt meiner Kollegen zu haben. Ich glaube, den habe ich, wenn man bedenkt, wie viele Leute mit mir gesprochen haben“, führte er aus.
Isner war in der Szene stets beliebt, selbst wenn Tommy Haas einst beim Anblick des 2,08-Meter-Riesen scherzhaft die Einführung einer Größenbegrenzung forderte.
Isner macht Abstecher zum Pickleball
Der 41-Jährige lebt inzwischen mit seinen vier Kindern und seiner Frau in Texas und genießt sein Leben als Tennis-Rentner.
Dem Schlägersport ist er jedoch treu geblieben. Vor zwei Jahren schloss er sich auch dem Hype um die Trendsportart Pickleball an und feierte im Doppel der Texas Open sein Profi-Debüt.
Eine echte zweite Karriere wurde daraus jedoch nicht. Isner machte frühzeitig klar, nicht regelmäßig, sondern eher bei speziellen Events antreten zu wollen.