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"Ziemlich unheimlich": Tennis-Ass äußert sich zu Zverev

Zverev? „Das ist ziemlich unheimlich“

Nick Kyrgios hat bereits eine turbulente Tennis-Karriere hinter sich. Bei seiner Rückkehr nach längerer Pause äußert er sich reflektiert zu seiner neuen Rolle im Welttennis und erklärt, was am Erfolg von Alexander Zverev für ihn so unbegreiflich ist.
Alexander Zverev gewinnt bei den French Open seinen ersten Grand-Slam-Titel und setzt sich im Finale gegen Flavio Cobolli durch. Wir liefern die spannendsten Zahlen zum historischen Triumph.
Nick Kyrgios hat bereits eine turbulente Tennis-Karriere hinter sich. Bei seiner Rückkehr nach längerer Pause äußert er sich reflektiert zu seiner neuen Rolle im Welttennis und erklärt, was am Erfolg von Alexander Zverev für ihn so unbegreiflich ist.

Nick Kyrgios hat sich im Tennis-Zirkus zurückgemeldet. Der 31 Jahre alte Australier musste sich 2023 einer komplizierten Handgelenksrekonstruktion unterziehen, die ihn anderthalb Jahre außer Gefecht setzte. Auch nach der Pause kämpfte er immer wieder mit Verletzungsproblemen, nun musste er für das Turnier in Halle kurzfristig wegen einer Verletzung am rechten Knie absagen.

Kyrgios, der in seiner Laufbahn für sportliche Highlights wie das Wimbledon-Finale 2022, aber auch einige unschöne Momente sorgte, hofft, dass es nur ein kurzer Rückschlag ist. Im Interview auf SPORT1 spricht er über seine Rückkehr, seine Rolle im Welttennis und den Grand-Slam-Sieg von Alexander Zverev.

Frage: Nick Kyrgios, die Rasensaison muss irgendetwas in Ihnen auslösen, dass Sie gerade dort oft in Erscheinung treten und ihre besten Ergebnisse einfahren?

Nick Kyrgios: Nun, auf Rasen fühle ich mich wie zu Hause, auf dem Belag bin ich aufgewachsen. Es passt einfach so gut zu dieser Jahreszeit. Ich hatte ein paar harte Jahre mit Verletzungen und habe mir den Hintern aufgerissen, um wieder auf dieses Niveau zu kommen. Ich bin sehr glücklich – auch, dass ich vergangene Woche jemanden geschlagen habe, der um die Top 30 der Welt (Corentin Moutet, Anm. d. Red.) steht. Ich fühle mich da einfach zu Hause und habe das Gefühl, dass ich bei jedem Turnier gefährlich sein kann.

Kyrgios: „Vielleicht bin ich nicht einer dieser Typen“

Frage: Was würden Sie sagen, was das „Einmaleins“ für Rasentennis ist?

Kyrgios: Ich denke, der Aufschlag ist der Schlüssel zu allem. Wir haben gesehen, dass (Ben) Shelton gerade Stuttgart gewonnen hat – einer der besten Aufschläger der Welt. (Taylor) Fritz hat eine erstaunliche Bilanz auf Rasen. Ich selbst stand heute mit Terence Atmane und „Big Foe“ (Frances Tiafoe, Anm. d. Red.) auf dem Trainingsplatz und Foe meinte: „Mann, du siehst mittlerweile wie so ein richtiger Veteran aus.“ Ich weiß also, dass ich mich in einer anderen Phase meiner Karriere befinde – aber ich habe dem Sport immer noch so viel zu geben. Egal ob Sieg oder Niederlage. In der vergangenen Woche habe ich mich einfach so sehr zu Hause gefühlt, nur weil ich gespielt und die Leute unterhalten habe.

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Frage: Wie würden Sie Ihre Rolle im Tennis inzwischen sehen?

Kyrgios: Ich glaube, am Ende des Tages habe ich mich als Entertainer etabliert. Ich bin darüber nicht traurig. Ich habe in den Spiegel geschaut, und vielleicht bin ich nicht einer dieser Typen, die Woche für Woche Turniere gewinnen können. Aber ich weiß definitiv, dass ich eine Show abliefern kann, ganz egal, ob ich gewinne oder verliere – und das ist ebenso wichtig. Ich sehe die Jugend und die Leute, die kommen und die Geld für Tickets sparen: Sie kommen, um eine Show zu sehen. Das nehme ich persönlich, dass ich da rausgehen und ihnen etwas bieten kann, an das sie sich erinnern. Und ich spüre das in den sozialen Medien, im echten Leben – die Leute sagen: „Mann, wir wollen eine Show.“ Und ich denke mir: „Weißt du was, genau darin bin ich gut.“

Tennis-Ass Kyrgios: „Der Glaube ist immer noch da“

Frage: Haben Sie noch das Gefühl, irgendetwas beweisen zu müssen oder haben Sie einen Status der Zufriedenheit erreicht? 

Kyrgios: Meine Handgelenksrekonstruktion hätte das Karriereende bedeuten müssen. Es sollte eine Hürde sein, die unmöglich zu überwinden war, um wieder auf dieses Niveau zurückzukehren, geschweige Matches zu gewinnen. Für mich ist die Überraschung, wie selbstbewusst ich mich immer noch fühle. Vergangene Woche hatte ich das Gefühl, als hätte ich keine Zeit verpasst. Wenn ich also in diese Woche gehe, sind meine Erwartungen natürlich niedrig, aber gleichzeitig bin ich immer noch in der Lage, Chancen zu kreieren, um Matches zu gewinnen. Der Glaube ist also immer noch da, egal ob es ein Wimbledon-Finale ist oder etwas, das die Minderheit der Tennisspieler überhaupt jemals erreicht.

Frage: Mit Ihrer Sicht als Spieler, aber auch als TV-Experte: Alexander Zverev hat wie Sie Grand-Slam-Finals erreicht und die Big 3 geschlagen. Gab es einen kleinen Stich im Inneren, als er Roland Garros gewonnen hat?

Kyrgios: Ich denke, ich bin der am wenigsten eifersüchtige Mensch überhaupt. Es gibt in dieser Welt genug Platz für jeden, um Erfolg zu haben. Und mir ist klar geworden, dass ich mehr Erfolg hatte als die meisten Athleten in irgendeiner Sportart. Ich bin also selbstbewusst genug, um zu wissen, wann meine Zeit war, und bescheiden genug, um zu erkennen, dass es auch die Zeit von jemand anderem sein kann. Und zu sehen, wie Sascha diese Hürde endlich genommen hat … er ist in den letzten zehn Jahren einer unserer konstantesten Spieler auf der Tour gewesen – abgesehen von dieser furchtbaren Verletzung, die er (2022) hatte und von der er sich zurückgekämpft hat. Die Leute vergessen: Für 99 Prozent bedeutet dies das Karriereende. Er hätte mit der Karriere zufrieden sein können oder zurückkommen, aber ohne den Hunger, das frühere Niveau wieder zu erreichen. Sich zurückzukämpfen und tatsächlich ein noch besserer Spieler zu sein, ist für mich ziemlich unheimlich. Die Besessenheit und der Fleiß, die dafür nötig sind, das ist absolut verrückt.

Zverev „hat das Potenzial, noch mehr zu gewinnen“

Frage: Haben Sie Zverev seit seinem Triumph in Paris schon getroffen?

Kyrgios: Ich habe ihn heute Morgen kurz im Café gesehen und habe ihm den Daumen nach oben gezeigt. Ich freue mich riesig für ihn. Er hatte mit so vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Er ist auch einer der Spieler, die viele Zweifler und Hater haben. Ich habe ein Video gesehen, in dem es hieß, er sei ein Teil der „verlorenen Generation“, die erst von den Big 3 fertiggemacht wurde und jetzt von Sinner und Alcaraz fertiggemacht wird. Das ist nichts, was man hören möchte. Dass er also einen Slam für diese Generation geholt hat, auch für sich selbst … und er ist hungrig darauf, mehr zu gewinnen. Ich denke, er hat auch das Potenzial, noch mehr zu gewinnen. Er ist einer der Spieler, von denen ich dachte, sie gehören in die Kategorie „die besten Spieler, die nie einen gewonnen haben“. Da jetzt nicht mehr dazuzugehören, ist ein gutes Gefühl. Es ist etwas, das ich wahrscheinlich nie erfahren werde, aber das war mit Sicherheit ein ganz besonderer Moment.

Frage: Ihre eigene Tennis-Karriere hatte Höhen und Tiefen, in den vergangenen Jahren waren Sie viel verletzt. Gehen Sie heute deshalb anders in Turniere, die Sie bestreiten?

Kyrgios: Ich bin einfach super dankbar für jeden Moment, den ich habe – selbst wenn ich nicht spiele. Einfach um die anderen Spieler herum zu sein, bei den Turnieren zu sein. Als jüngerer Spieler nimmt man es als selbstverständlich hin, ich habe es als selbstverständlich hingenommen – aber jetzt wird mir klar, was für ein fantastisches Leben wir haben. Diese Turniere sind super, sehr gut organisiert. Ich freue mich einfach darauf, da rauszugehen und zu spielen.