Nur noch ein Schritt bis zum zweiten Grand-Slam-Titel: Alexander Zverev ist mit einer abgeklärten Vorstellung ins Finale der US Open eingezogen und hat die Krönung seines bärenstarken Tennisjahres vor Augen. In der Neuauflage des Olympia-Finals von 2021 besiegte der amtierende French-Open-Sieger den Russen Karen Khachanov mit 6:3, 7:6 (9:7), 7:6 (8:6).
Finale! Zverev nervenstark
Finale! Zverev nervenstark
Auf den Hamburger wartet nun als letzte Hürde im Endspiel am Sonntag ein Lokalmatador, entweder Ben Shelton oder Frances Tiafoe – gegen beide weist der Tokio-Olympiasieger überragende Erfolgsbilanzen auf, allerdings wird er auch gegen die US-Fans anspielen müssen.
Zverev im Finale der US Open
Zverev sagte nach dem Matchball auf dem Platz: „Nach der 2. Runde saßen wir mitten in der Nacht um 3 Uhr in der Kabine und haben uns darüber kaputtgelacht, wie schlecht ich gespielt habe. Dieser Humor hat mir geholfen. Am nächsten Tag habe ich im Training den Ball schon viel besser getroffen. Ich habe mich ganz offensichtlich extrem gesteigert. Sonst wäre ich nicht im Finale der US Open.“
Mit Blick auf das dritte Finale bei Grand Slams in diesem Jahr fügte er an: „Manchmal gehen die Dinge einfach in deine Richtung. Ich hatte lange das Gefühl, dass ich bei den Grand Slams viel gestrauchelt bin und so knapp dran war so oft. Dieses Jahr hat der Tennisgott vielleicht gesagt, das wird unser Jahr. Wir genießen die Zeit auf dem Platz und ich kann es kaum erwarten, am Sonntag zu spielen.“
Zverev analysierte bei Sporteurope wenige Momente später das Match bereits eher nüchtern: „Zweiter Satz war ich sehr nervös. Ich fand, das war ein nervöser Tiebreak. Der dritte Satz im Tiebreak war sehr gut. Außer die Vorhand, die er verschlagen hat beim Satzball. Sonst war es hohes Niveau. Es war das erste Mal am Tag und ganz anders zu spielen. Ich bin froh, dass ich in drei Sätzen durch bin.“
Tennis-Legende Boris Becker kommentierte bei Sporteurope das Match und feierte den Sieg: „Er muss den Fokus noch halten, um am Sonntag endlich die Trophäe zu bekommen. In der Form hat er eine Chance.“
Becker traut Zverev die Nummer eins zu
Becker sagte: „Jetzt ist die Nummer eins nah. Er hat es selbst in der Hand. Wenn er weiter so spielt, gibt es keinen Grund, es nicht zu schaffen.“
Auf den Tag 25 Jahre nach den erschütternden Terroranschlägen auf die USA standen die Halbfinals im Zeichen von 9/11. Das Datum war auf den Hardcourt im Arthur Ashe Stadium geprägt, Zuschauer weinten bei der Nationalhymne. Dann gehörte der Court in New York den Protagonisten, die sich seit der Juniorenzeit kennen.
Khachanov, nur als Nummer 50 der Welt ins Turnier gestartet, sei ein „harter Arbeiter“, so Zverev: „Wir nennen ihn den Professor, er weiß alles über Tennis, ich habe riesigen Respekt vor ihm.“
Zverev aber hatte den 30-Jährigen auch bestens studiert. Sein starker Aufschlag, seine Physis und Ruhe bereiteten ihm vor den Augen der Hollywood-Stars Matthew McConaughey und Woody Harrelson sowie des brasilianischen Fußballidols Ronaldo den Weg in sein drittes Grand-Slam-Finale 2026.
Im vierten Match in Folge blieb Zverev zudem ohne Satzverlust, auch wenn der frühere Top-20-Spieler Chatschanow zeitweise ebenbürtig agierte und beide im zweiten Durchgang teils mitreißende Ballwechsel zeigten. Boris Becker lobte besonders Zverevs körperliche Stärke, die sich in den entscheidenden Momenten bezahlt mache. „Nicht umsonst ist er der Weltmeister im Training“, erklärte er bei Sporteurope.tv.
Erstmals im Turnierverlauf war Zverev nicht nach Einbruch der Dunkelheit gefordert, sondern bereits am Nachmittag. Die ungewohnt frühe Ansetzung spiele ihm „nicht in die Karten“, der Weltranglistenzweite äußerte aber auch Verständnis für die Organisatoren: Im späteren Halbfinale treffen in Shelton und Tiafoe zwei Lokalmatadoren aufeinander – zur Primetime in den Staaten. Die USA lechzen nach einem Grand-Slam-Sieger im Männer-Einzel, der letzte Major-Erfolg gelang bei den US Open 2003 Andy Roddick.
Holt Zverev den zweiten Grand-Slam-Titel?
Für Zverev kann der Wechsel in einen frühen Rhythmus letztlich auch ein Vorteil sein, das Finale am Sonntag beginnt schließlich bereits um 14 Uhr Ortszeit.
Dann kann Zverev sein Jahr, in dem er gewiss auch von den Verletzungen bzw. Schwächephasen von Jannik Sinner und Carlos Alcaraz profitierte, weiter veredeln: Kein Spieler gewann 2026 mehr Matches, bei den French Open fand seine schier endlose Jagd nach einem Major-Triumph ein Ende, nun kann er das Jahr gleich mit zwei Grand-Slam-Siegen abschließen – das gelang 1989 Boris Becker als bislang einzigem Deutschen (Wimbledon, US Open).
Zusätzlich würde für Zverev mit einem New-York-Sieg auch Rang eins in der Weltrangliste in Reichweite rücken. Branchenprimus Sinner hatte seine US-Open-Teilnahme wegen Beschwerden im rechten Knie abgesagt, seit seinem Wimbledon-Finalsieg über Zverev im Juli hat der Italiener kein Match bestritten, zu seiner Fitness gibt es kein Update. Der Südtiroler hat bis zum Ende der Saison noch mehr als 3500 Ranglistenpunkte zu verteidigen, Zverev nur rund 1000. Triumphiert der Deutsche am Sonntag, rückt er auf 1810 Zähler an Sinner heran.
Zunächst aber gilt es für Zverev, zum wiederholten Mal in diesem Jahr Ballast der Vergangenheit erfolgreich abzulegen. 2020 hatte er als 23-Jähriger bereits eine Hand an der Silbertrophäe, nach 2:0-Satzführung gegen Dominic Thiem fehlten Zverev lediglich zwei Punkte zum Triumph, doch er gab das Match gegen den Österreicher in fünf Sätzen noch aus der Hand.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)