Heute vor drei Jahren hat der FC Bayern die Verpflichtung von Stürmer Harry Kane offiziell bekannt gegeben. Die Verkündung folgte jedoch erst auf einen zähen Poker mit einem hartnäckigen Tottenham-Boss, knallharten Aussagen von Bayern-Patron Uli Hoeneß und einer letztlich historischen Ablösesumme.
Ein historischer Tag in der Geschichte des FC Bayern
Ein historischer Bayern-Tag
Am 12. August 2023 bestätigten die Münchener den Wechsel des englischen Angreifers. Kane unterschrieb einen Vierjahresvertrag bis 2027, drei Jahre später stehen die Zeichen nach übereinstimmenden Medienberichten auf Verlängerung.
Um sich die Dienste des Torgaranten zu sichern, hatten die Münchner ganz tief ins Portemonnaie greifen müssen: 95 Millionen Euro, die noch um weitere 25 Millionen an Bonuszahlungen ansteigen können, ließ sich der deutsche Rekordmeister die Dienste des damals 30 Jahre alten Stürmers kosten. Eine historische Summe für die Bayern. Kane bleibt bis heute der kostspieligste Transfer der prestigeträchtigen Klubgeschichte.
Auf dem Weg zum endgültigen Abschluss des Kane-Transfers mussten die Bayern-Bosse um den Vorstandvorsitzenden Jan-Christian Dreesen allerdings sehr langen Atem beweisen.
FC Bayern blitzt mit erstem Kane-Angebot ab
Nachdem bereits im März 2023 erste Gerüchte über Bayerns Interesse am Kapitän der englischen Nationalmannschaft aufgekommen waren, wurde es dann Ende Juni richtig heiß.
Zunächst waren noch weitere Namen wie beispielsweise Victor Osimhen (SSC Neapel) gehandelt worden, doch dann zeigte sich Kane nach SPORT1-Informationen offen für einen Wechsel in die bayerische Landeshauptstadt. Damit ging die Tür für eine mögliche Verpflichtung auf – und die Bayern-Bosse witterten ihre Chance.
Es folgte das erste Angebot an die Spurs, das ein Paket von 70 Millionen Euro plus Boni beinhaltet haben soll. Doch damit blitzte Bayern beim knallharten Tottenham-Boss Daniel Levy ab.
Kane wollte nur nach München wechseln
Anfang Juli legten die Bayern mit einer verbesserten Offerte nach. In dieser soll sich die Ablöse auf 80 Millionen Euro plus Bonuszahlungen belaufen haben. Doch wieder lehnten die Spurs ab.
Mitte Juli legte sich Kane dann nach SPORT1-Informationen fest: Im Falle eines Abgangs wolle er nur zum Rekordmeister wechseln. Darüber informierte er damals seinen Arbeitgeber.
Hoeneß prescht öffentlich vor
Kurze Zeit später mischte sich Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß öffentlich in den Poker ein. „Harry Kane hat in allen Gesprächen ganz klar signalisiert, dass seine Entscheidung steht – und wenn die bleibt, dann kriegen wir ihn, weil dann wird Tottenham einknicken müssen!“, sagte er am 15. Juli 2023 im Trainingslager der Münchener am Tegernsee auf SPORT1-Nachfrage.
Hoeneß preschte mit dieser Aussage sehr weit nach vorne, was nach SPORT1-Informationen intern nicht gut ankam. Die allgemeine Meinung: Hoeneß würde die Verhandlungsposition schwächen.
Am 24. Juli begab sich der Bayern-Tross dann auf eine zehntätige Asienreise – ohne Harry Kane. Der Stürmer blieb allerdings das Thema Nummer eins. Erstmals bezog auch Bayern-Präsident Herbert Hainer am 25. Juli Stellung.
FC Bayern überschreitet 100-Millionen-Euro-Grenze
„Harry Kane ist definitiv ein hochattraktiver Spieler, Kapitän der englischen Nationalmannschaft, Torschützenkönig. Insofern würde das uns sowie der Bundesliga guttun, keine Frage“, erklärte Hainer in einer Presserunde.
Doch der Poker blieb zäh. Bis Anfang August sträubten sich die Bayern, den Spurs eine dreistellige Millionensumme (inklusive Boni) zu offerieren. Doch dann sprangen die Verantwortlichen über ihren Schatten.
Doch auch ein Angebot jenseits 100 Millionen Euro ließ Spurs-Boss Levy nicht einknicken. Er blieb weiterhin knallhart in seiner Verhandlungstaktik – und sollte damit Recht behalten.
Nach SPORT1-Informationen verlangte Levy einen höheren Sockelbetrag. Die Rede war von einer Fixsumme von 100 Millionen Pfund, also 116 Millionen Euro. Hinzu kämen dann möglicherweise noch zusätzliche Bonuszahlungen.
Spurs-Boss will kurzfristig noch nachverhandeln
Die Zeit rannte, denn Bayerns Devise lautete: Entweder ist Kane am 12. August pünktlich zum Supercup FCB-Spieler – oder er startet mit den Spurs am 13. August gegen den FC Brentford in die Premier-League-Saison.
Doch am 10. August kam es zum Durchbruch: Beide Vereine einigten auf bis zu 120 Millionen Euro Ablöse inklusive Bonuszahlungen.
Der Deal schien in trockenen Tüchern zu sein, doch kurz vor der Ziellinie geriet er wieder ins Stocken. Kanes eigentlich geplanter Flug am Morgen des 11. August wurde wieder gestoppt. Der Grund: Spurs-Boss Levy wollte tatsächlich auf den letzten Metern noch einmal nachverhandeln.
Kane-Flug sorgt für Ekstase
Doch am Nachmittag war es dann so weit: Kanes Privatflieger hob in London um 17.41 Uhr ab und landete um 19.08 Uhr am Flughafen in Oberpfaffenhofen. Sein Flug löste eine irre Reaktion bei den Fans aus, denn zeitweise verfolgten ihn rund 66.000 Menschen via Flightradar.
Daraufhin ging es für ihn direkt ins Krankenhaus „Barmherzige Brüder“, wo er den ersten Teil des Medizinchecks absolvierte. Im Anschluss daran ging der internistische Teil an der Säbener Straße vonstatten.
In der Nacht folgte die Vertragsunterschrift. Damit konnte der Stürmer rechtzeitig für den am Abend stattfindenden Supercup gegen RB Leipzig registriert werden.
Kane trifft und trifft – muss aber lange auf einen Titel warten
Am 12. August um 10 Uhr gab der Rekordmeister dann offiziell die Verpflichtung von Kane bekannt. Nachdem er am Abend bei der 0:3-Niederlage gegen Leipzig in der 63. Minute eingewechselt worden war und sein Debüt im Bayern-Trikot gegeben hatte, folgte einen Tag später die offizielle Vorstellung in der Allianz Arena.
In den kommenden drei Saisons erzielte Kane in 147 Einsätzen für den deutschen Rekordmeister beeindruckende 146 Tore. 33 weitere bereitete er vor.
Nach einer titellosen Debütsaison gewann er mit Bayern zweimal in Folge die Meisterschaft in der Bundesliga und feierte jeweils einen Sieg im DFB-Pokal sowie im Supercup. In allen drei Spielzeiten wurde er zudem Torschützenkönig in der Bundesliga.
Derzeit stehen alle Zeichen auf eine Verlängerung seines 2027 auslaufenden Vertrags – und damit auf eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte. Die 100 Millionen Euro, die sich Bayern seinerzeit hat abpressen lassen, wirken inzwischen wie ein Schnäppchen.