Julia Simic mag einen Wechsel von Michael Olise noch in diesem Sommer nicht ausschließen. Im SPORT1-Interview erklärt die Co-Trainerin der Schweizer Frauen-Nationalmannschaft, die bei der WM als Expertin bei Magenta im Einsatz ist, warum sich der FC Bayern um Patron Uli Hoeneß nicht allzu sicher sein sollte.
Warum sich der FC Bayern bei Olise nicht sicher sein sollte
Olise? Simic erinnert an Dembélé
Zugleich führt Simic aus, was die Münchner tun können, um Olise einen Verbleib schmackhaft zu machen.
Simic: Auch die Hoeneß-Ansage muss nicht final sein
SPORT1: Wie groß sind die Chancen von Real Madrid oder wie groß muss die Angst sein beim FC Bayern, dass Michael Olise noch in diesem Sommer wechselt?
Julia Simic: Es ist total verständlich, dass große Klubs Olise auf dem Radar haben. Deshalb ist es verständlich, dass da was kommt und wahrscheinlich auch über die WM hinaus noch kommen wird, in Bezug auf Angebote. Wenn Uli Hoeneß den Riegel so vorschiebt, ist es, glaube ich, eher so ein erster Impuls, ohne dass es ganz final sein muss. Weil am Ende gehören immer drei Parteien dazu. Die Entscheidungsmacht liegt eben auch beim Spieler.
SPORT1: Spielt die WM in dem Transferpoker womöglich auch eine Rolle?
Simic: Mal sehen, wie da die Gefühlslage ist während des Turniers. Er ist wahrscheinlich auch mit vielen Mitspielern im Gespräch, die unter anderem bei Real Madrid oder bei PSG spielen. Oder anderen großen Klubs. Deswegen, glaube ich, kann man das final nicht beurteilen.
SPORT1: Wie bedauerlich wäre ein Wechsel?
Simic: Für die Bundesliga wäre es ein Riesenverlust. Für Bayern natürlich auch. Aber auch für die ganze Strahlkraft, für die Außenwahrnehmung, Außendarstellung. Ich glaube, so Spieler wie Olise, wenn man die halten kann, ist es ein Riesen-Ausrufezeichen, aber vor allem auch sportlich ein riesengroßer Mehrwert. Es kommt keiner neben Harry Kane noch an die Strahlkraft, die ein Olise im Moment hat.
„Das siehst du sehr, sehr selten“
SPORT1: Kann Olise den Ballon d’Or gewinnen?
Julia Simic: Auf jeden Fall. Vielleicht entscheidet sich das jetzt auch durch die WM, dass er sich noch ein bisschen mehr nach vorne spielt. Er hat ja auch ein sehr gutes erstes Spiel gemacht. Er hat ein bisschen gebraucht, um reinzukommen, dann siehst du aber in Momenten die Genialität, die Pässe, diese Bewegungen mit dem Ball. Das siehst du sehr, sehr selten, selbst auf dem Niveau. Ich glaube, aus deutscher Sicht hast du vielleicht Jamal Musiala mal oder Florian Wirtz, die in der Lage sind, so anzudeuten, was sie ähnliches können. Aber Olise ist so … so komplett. Mit links, mit rechts, mit seinen Bewegungen, mit seinen Vorlagen, selbst mit seinen Toren. Ich glaube, das findet man auf dem Niveau schon sehr selten.
SPORT1: Und er könnte dann auch Deutschland wehtun im WM-Achtelfinale …
Julia Simic: Das sollte man irgendwie zu vermeiden versuchen. Wenn man die Franzosen sieht, die haben die erste Elf von der Qualität her fast noch mal ähnlich auf der Bank sitzen. Natürlich nicht ganz in der Spitze mit den außergewöhnlichen Fähigkeiten, aber von der Breite, von der Dichte des Kaders. Ich glaube der Kaderwert ist, mit den Engländern, mit am höchsten. Deswegen hoffe ich, dass es im Achtelfinale nicht dazu kommt.
Bespiel Dembélé: Droht Bayern dieses Szenario?
SPORT1: Noch mal einmal zurück zu Olise – der FC Bayern kann ja darauf beharren, dass er einen Vertrag bis 2029 hat. Können Sie sich vorstellen, dass der Spieler sagt: Ich möchte zu Real oder zu PSG und damit wieder zurück nach Frankreich?
Julia Simic: Es gibt ja ein ganz bekanntes Beispiel, ein Spieler, der zusammen mit Olise in Frankreichs Nationalteam spielt. Ousmane Dembélé. Der hat sich damals aus Dortmund mehr oder weniger rausgestreikt. Mittlerweile hat der Spieler eine unheimliche Macht. Und wenn er irgendwann das Gefühl hat, im Laufe der nächsten zwei, drei, vier, fünf Wochen, er muss wechseln, dann schaffen es die Spieler häufig auch, sich aus diesen Vertragssituationen rauszulösen. Dann wird man bestimmt auch eine sehr hohe Ablösesumme aufrufen können. Also der Verein wird sicherlich finanziell davon profitieren können, aber das kannst du mit Geld gar nicht ersetzen. Gerade mit der deutschen Brille, aber auch mit der Bayern-Brille gilt es, unbedingt zu versuchen, ihn zu halten. Vielleicht zum Beispiel über eine Vertragserneuerung.
SPORT1: Kann Bayern ihn auch überzeugen, indem man sagt: Wir stellen dem Spieler die Mannschaft hin, mit dem er nächstes Jahr die Champions League gewinnen kann?
Julia Simic: Ja, auch das sind Ausrufezeichen. Mit Ismael Saibari ist man ja kurz vor dem Deal, oder vielleicht ist das auch schon passiert. Dann Nathaniel Brown. Das ist einer, der mittelfristig und vielleicht auch kurzfristig schon total weiterhelfen kann. Ich bin ein riesengroßer Brown-Fan. Und dann wird man vielleicht noch ein, zwei weitere Transfers machen, die auch noch Richtung Weltklasse gehen sollten. Dann hat man auch als Bayern München die Chance, ins Champions-League-Finale einzuziehen und das auch zu gewinnen. Ich glaube, dieses Jahr war man auf Augenhöhe und so knapp dran, am Ende haben Nuancen entschieden. Das wird Olise natürlich auch wissen. Das war ein 50:50-Spiel im Halbfinale gegen PSG, das können die Bayern auch gewinnen. Und in dem Spiel war Olise auch nicht unbedingt überzeugend, zumindest nicht im Rückspiel. Da hat man dann auch gemerkt, mit einem besseren Olise hätte man es vielleicht auch selber in der Hand gehabt.