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FC Bayern: Ein Theater, das fast nur Verlierer hinterlässt

Bayerns Minus-Rechnung

Sechs Jahre stand Alexander Nübel beim FC Bayern unter Vertrag, vier Pflichtspiele absolvierte er in diesem Zeitraum für die Münchner. Mit seinem Wechsel zu Besiktas Istanbul endet nun ein Kapitel, das die Erwartungen nie erfüllte.
Alexander Nübel hat weder bei Stuttgart noch bei den Bayern eine Zukunft. Die Doppelpass-Runde um Ex-Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic spricht über die Situation des Keepers und dessen angespanntes Verhältnis zu Manuel Neuer.
Sechs Jahre stand Alexander Nübel beim FC Bayern unter Vertrag, vier Pflichtspiele absolvierte er in diesem Zeitraum für die Münchner. Mit seinem Wechsel zu Besiktas Istanbul endet nun ein Kapitel, das die Erwartungen nie erfüllte.

Jetzt ist Alexander Nübel also weg. Als der Torhüter im Sommer 2020 vom FC Schalke 04 nach München wechselte, galt er als der designierte Nachfolger von Manuel Neuer. Sechs Jahre später ist von dieser Vision nichts geblieben.

Mit seinem Transfer nach Istanbul endet ein Kapitel, das nie richtig begann. Obwohl Nübel bis zuletzt beim Rekordmeister unter Vertrag stand, trug er das Bayern-Trikot in Pflichtspielen lediglich viermal. 

FC Bayern: Alexander Nübel bekam nur vier Einsätze

Diese vier Einsätze verteilen sich auf die Saison 2020/21 – einmal in der Bundesliga, einmal im DFB-Pokal und zweimal in der Champions League. Danach entfernte sich Nübel aus den sportlichen Überlegungen der Münchner stetig.

Neuer blieb unangefochten die Nummer eins, während der Klub inzwischen den nächsten Torhüter für die Zukunft aufbaut: Jonas Urbig. Umso größer war das Interesse der Bayern, Nübel noch vor dem Trainingsauftakt am 20. Juli endgültig zu transferieren. 

Intern bestand offenbar die Befürchtung, dass Nübel zum Trainingsstart noch einmal an der Säbener Straße erscheinen und damit eine Personalie zurück auf die Tagesordnung bringen könnte, die der Verein längst abhaken wollte. Im Torwartteam herrschten inzwischen klare Hierarchien – Unruhe wollte niemand riskieren.

Auch deshalb zeigten sich die Verantwortlichen um Sportvorstand Max Eberl sowohl bei der Ablöse als auch bei dem Deal mit Besiktas Istanbul kompromissbereit. Entscheidend war vor allem, das über Jahre schwelende Missverständnis nun endgültig zu beenden. 

Nübel-Verkauf wichtig für Eberl

Gerade für Eberl dürfte der nun getätigte Verkauf von Bedeutung gewesen sein. Innerhalb des Klubs bestand seit Längerem Einigkeit darüber, dass Nübel keine sportliche Zukunft mehr in München haben würde – entsprechend hoch war der Druck, eine Lösung zu finden.

Allerdings steckte der Sportvorstand in einer kniffligen Verhandlungsposition, weil allen potenziellen Interessenten bewusst war, dass die Münchner den Keeper unbedingt abgeben wollte. Dass Eberl den Wechsel dennoch durchsetzte und dabei offenbar eine harte Linie verfolgte, dürfte ihm innerhalb des Aufsichtsrats Anerkennung einbringen, auch wenn der Verein finanzielle Zugeständnisse machen musste. 

Die Ablöse, die Besiktas für Nübel zahlt, beträgt 6,5 Millionen Euro und kann durch Bonuszahlungen auf bis zu 11,5 Millionen Euro steigen. Die monetäre Gesamtbilanz seiner Zeit in München fällt dennoch ernüchternd aus: Rechnet man die Transfererlöse (Leihgebühren von Monaco und Stuttgart) und die Gehaltskosten der vergangenen sechs Jahre zusammen, verbleibt für den Rekordmeister ein Minus von schätzungsweise zwei bis sechs Millionen Euro. 

Dazu sei gesagt: Die oft kolportierten elf Millionen Euro, die Nübel in München pro Jahr verdient haben soll, erreichte er wohl nie. Sein Grundgehalt lag Berichten zufolge zunächst bei fünf Millionen Euro, nach der Vertragsverlängerung dann bei sechs Millionen Euro. Ein gewichtiger Teil des möglichen Maximallohns war demnach an Titel- und Einsatzprämien gebunden. Allzu viele Einsätze für Bayern kamen in sechs Jahren aber nicht zustande.

Die Chronologie von Nübels Bayern-Problemen

Schon nach der Bekanntgabe der Nübel-Verpflichtung im Januar 2020 machte Manuel Neuer unmissverständlich deutlich, dass er seine Rolle bei den Bayern nicht infrage stellen lassen würde. Damals kursierten Berichte, wonach dem Neuzugang Einsatzgarantien in Aussicht gestellt worden seien. Neuer reagierte darauf öffentlich mit einer klaren Ansage. „Ich bin kein Statist, sondern Protagonist“, sagte der Kapitän im Vorbereitungscamp in Katar. 

Klubintern soll der langjährige Stammtorhüter keinen Zweifel an seiner Haltung gelassen haben. Überliefert ist der Satz: „Dem schenke ich kein Spiel.“ Als Nübel wenige Monate später tatsächlich an die Säbener Straße wechselte, dürfte ihm schnell bewusst geworden sein, wie schwierig seine Ausgangslage war. Der damalige Torwarttrainer Toni Tapalović, ein enger Vertrauter und Trauzeuge Neuers, ließ ihm im Trainingsalltag regelmäßig spüren, dass er nicht auf dessen Unterstützung zählen konnte. 

Zur Wahrheit gehört auch, dass Nübels Wechsel zum FC Bayern vor mehr als sechs Jahren von vielen kritisch begleitet worden war. Mit damals 23 Jahren sei er noch nicht bereit für die Nachfolge Neuers, hieß es häufig, sein Wechsel sei verfrüht und sein Umfeld habe ihn falsch beraten.

Die Machtverhältnisse waren damit früh geklärt. Neuer behauptete seine Ausnahmestellung, Nübel wurde an die AS Monaco verliehen. Rückblickend zeigte sich, dass die damalige sportliche Führung um Hasan Salihamidzic offenbar unterschätzt hatte, mit welcher Entschlossenheit Neuer seinen Status gegen Nübel verteidigen würde.

Ein ewig langer Vertrag für den Neuer-Herausforderer

Hinterher weiß man es bekanntlich immer besser. „Zwischenmenschlich hat es nicht zwischen den beiden gefunkt“, sagte Salihamidzic jüngst im SPORT1-Doppelpass.

Er hatte Nübel nach München geholt, das Risiko war aus seiner Sicht zumindest finanziell gering: „Er wurde ablösefrei verpflichtet, und wir dachten: ‚Okay, wir schauen uns das zwei Jahre an und entscheiden dann.'“

Zugleich verdeutlichte auch er, woran Nübels Perspektive letztlich scheiterte: „Alex ist ein sehr, sehr guter Torwart, das muss man auch klar sagen. Dass er jetzt nicht die Nummer eins beim FC Bayern geworden ist, das ist eben die Entscheidung des FC Bayern und von Manuel.“ 

Die vielleicht überraschendste Entwicklung in der Causa Nübel spielte sich im Frühjahr 2024 ab: der Vertrag mit dem Torhüter wurde verlängert. Und das langfristig. Das neue Arbeitspapier war bis 2029 gültig und soll sich später sogar noch automatisch bis 2030 verlängert haben.

Diese Entscheidungen lagen allerdings bereits bei Salihamidzics Nachfolger Eberl. „Ich weiß nicht, was die Absicht war, als der Vertrag verlängert wurde“, sagte Salihamidzic im Doppelpass: „Da muss man sich irgendwas gedacht haben.“ Wie auch immer der Plan aussah – er ging nicht auf.

Nübel verpasste Heim-EM wegen Neuer

Besonders bitter für Nübel: Das frostige Verhältnis zu Neuer hatte mittlerweile sogar Auswirkungen auf seine Nationalmannschaftskarriere. Nach Informationen von SPORT1 kostete ihn die fehlende Verbindung zur deutschen Nummer eins sogar den Sprung in den deutschen Kader für die EM 2024. 

Hinzu kam zuletzt, dass Nübel seine eigene Zukunft über Monate hinweg kaum aktiv gestalten konnte. Solange Neuer mit einer Entscheidung über seine sportliche Zukunft zögerte, blieb auch die Torhüterplanung des FC Bayern in der Schwebe. Für Nübel bedeutete das vor allem eines: Stillstand. Wie prekär seine Situation damals schon war, zeigte sich vor dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana

Auf Urbig angesprochen, erklärte der Torhüter gelassen, er werde künftig mit dem neuen Bayern-Keeper zusammenarbeiten – schließlich besitze er in München noch einen Vertrag. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Vereinsführung ihre Entscheidung intern allerdings längst getroffen. Hinter den Kulissen liefen die Planungen bereits ohne Nübel, der nie richtig angekommen war.

Urbig fand in München bessere Voraussetzungen vor

Bei Urbig fiel die öffentliche Bewertung dagegen von Beginn deutlich positiver aus. Obwohl der Schlussmann als Ersatzkeeper aus der 2. Bundesliga kam, wurde der Schritt nach München nahezu einhellig als sinnvoll eingeordnet. 

Neuer fiel mehrmals verletzt aus, musste zu Saisonbeginn zudem wegen einer Sperre im DFB-Pokal pausieren und gilt inzwischen als offener im Umgang mit jungen Torhütern. Gleichzeitig verzichtete Urbig auf jede öffentliche Debatte über seine Rolle und stellte den Konkurrenzkampf nie in den Mittelpunkt. Nübel dagegen haftete über Jahre das Image an, den langjährigen Bayern-Kapitän möglichst schnell beerben zu wollen. 

Vor diesem Hintergrund ist auch eine Passage bemerkenswert, die Neuer nach seiner jüngsten Vertragsverlängerung wählte: „In unserem Torwart-Team halten wir zusammen und versuchen, die Latte immer höher zu legen, uns permanent gegenseitig zu pushen und optimal auf die Spiele vorzubereiten.“

Ob darin tatsächlich eine Anspielung auf die frühere Konstellation steckt, bleibt Spekulation. Raum für entsprechende Interpretationen gibt es allerdings.