Transfermarkt>

SPORT1-Kommentar: Eine Szene steht sinnbildlich für Adeyemis BVB-Zeit

Bei Adeyemi war einiges mehr drin

Karim Adeyemi verlässt Borussia Dortmund und wechselt zum FC Barcelona. Es bleibt das Gefühl, dass für ihn beim BVB deutlich mehr drin gewesen wäre. Eine Szene steht sinnbildlich für seine Zeit in Schwarz-Gelb. Ein Kommentar.
Nach seinem Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Barcelona spricht Karim Adeyemi über die Beweggründe für seinen Wechsel. Dabei spielte vor allem Trainer Hansi Flick eine große Rolle bei den Überlegungen des 24-Jährigen.
Karim Adeyemi verlässt Borussia Dortmund und wechselt zum FC Barcelona. Es bleibt das Gefühl, dass für ihn beim BVB deutlich mehr drin gewesen wäre. Eine Szene steht sinnbildlich für seine Zeit in Schwarz-Gelb. Ein Kommentar.

Nach 146 Pflichtspielen in Schwarz-Gelb ist Schluss: Karim Adeyemi verlässt Borussia Dortmund nach vier Jahren und wechselt zum FC Barcelona.

36 Tore hat der Offensivkünstler in seiner Zeit beim BVB selbst erzielt, 25 weitere vorbereitet. Bezeichnend ist aber vor allem eines, das er nicht erzielt hat.

Fast wäre er beim BVB unsterblich geworden

In der 21. Minute des Champions-League-Finals 2024 gegen Real Madrid spielte Mats Hummels mit dem linken Fuß einen Steilpass in die gegnerische Hälfte. Real-Verteidiger Antonio Rüdiger ließ den Ball aus unerklärlichen Gründen einfach passieren – und plötzlich lief Adeyemi vollkommen frei und mutterseelenallein auf Thibaut Courtois zu.

Allein: Er schoss nicht. Er versuchte, den Belgier links zu umkurven. Angesichts von Adeyemis Tempo sicher nicht die schlechteste Idee, er ließ sich dabei aber so weit nach außen abtragen, dass einerseits der Winkel zu spitz wurde und andererseits der zurückgeeilte Dani Carvajal seinen (zu) späten Abschlussversuch doch noch blocken konnte.

Adeyemi und die Dortmunder verpassten es, sich für eine überlegene erste Hälfte im Londoner Wembley-Stadion zu belohnen und die Madrilenen mit einer Führung so richtig ins Wanken zu bringen. Am Ende verlor Dortmund mit 0:2.

Bei Adeyemi herrschte pure Fassungslosigkeit

Statt eines jubelnden Adeyemi gingen nach dem Schlusspfiff ganz andere Bilder von ihm um die Welt. Wie er beinahe regungslos dasteht, die Hände in die Hüften gestemmt, der Blick geht ins Leere. Die Kamera zoomt immer weiter auf sein Gesicht heran, bis nur noch seine Nase und die Augen zu sehen sind – und die pure Fassungslosigkeit, die aus ihnen spricht.

Vielleicht war er in diesem Augenblick noch einmal in jener 21. Minute, vielleicht lief er gedanklich noch einmal auf Courtois zu. Hätte er den Ball womöglich lupfen sollen, so wie Lars Ricken es im Champions-League-Finale 1997 beim Triumph gegen Juventus gemacht hatte?

Genau wie Ricken, dessen Treffer später zum Jahrhunderttor des BVB gewählt wurde, hätte sich Karim Adeyemi mit einer Aktion in Dortmund unsterblich machen können. So aber steht diese Szene vom 1. Juni 2024 aus anderen Gründen sinnbildlich für seine Zeit in Schwarz-Gelb.

Was wäre wenn?

Was, wenn er sein Potenzial immer abgerufen hätte? Was, wenn er nicht immer wieder mit kleineren und größeren Verfehlungen abseits des Platzes aufgefallen wäre? Was, wenn ihn in der vergangenen Saison nicht mehrere muskuläre Verletzungen längere Zeit außer Gefecht gesetzt hätten?

Dass Adeyemi einer ist, der den Unterschied machen kann, hat er punktuell immer wieder unter Beweis gestellt. Dass er es im Sommer 2026 mit seinen 24 Jahren nicht einmal in den 26-köpfigen deutschen WM-Kader geschafft hat, ist angesichts seiner Fähigkeiten eine Schande.

Mit seinen tatsächlichen Leistungen hatte er sich aber auch nicht nachhaltig empfohlen. Und so bleibt jetzt, wo er den Verein verlässt, das Gefühl, dass für Adeyemi beim BVB einiges mehr drin gewesen wäre. Ebenso wie in jener 21. Minute gegen Real Madrid in Wembley.