In Leverkusen wird man den Namen Xabi Alonso immer im Kontext mit einer aufregenden, jungen Mannschaft in Erinnerung behalten. Auch sein neuer Arbeitgeber, der FC Chelsea, setzt seit Jahren vor allem auf junge Talente. Dennoch stehen auf der Einkaufsliste der Blues mit Danny Welbeck (35) und Jordan Henderson (36) nun wohl zwei absolute Routiniers, wie unter anderem The Athletic berichtet. Was hat Alonso also mit denen vor?
Transfermarkt: Das steckt hinter Chelseas Jagd auf Oldies
Alonsos skurrile Einkaufsliste
Fest steht: Am Ende sind beide noch nicht. Während Welbeck vergangene Saison mit 13 Treffern sein bestes Premier-League-Jahr hinlegte, holte Henderson mit der englischen Nationalmannschaft WM-Bronze, wenn auch nur mit sechs Minuten auf dem Platz. Immerhin: Zur Nominierung hat es gereicht!
Trotz geringer Einsatzzeit überzeugte Henderson während des Turniers in den USA, Kanada und Mexiko vor allem durch seine Führungsqualitäten. „Jordan Henderson hat eine großartige Rede im Hotel gehalten, um uns in die richtige Stimmung zu bringen“, berichtete Trainer Thomas Tuchel nach dem spektakulären Spiel um Platz drei gegen Frankreich.
Alonso braucht Erfahrung im Chelsea-Kader
Nach dem Viertelfinaleinzug brach sich der Mittelfeldspieler beim Jubeln unglücklich das Handgelenk – saß aber trotzdem wenige Tage später wieder in Spielermontur auf der Auswechselbank und unterstützte sein Team.
Darüber hinaus sind beide sozusagen die menschgewordene Premier-League-Erfahrung. 463 Spiele hat „Hendo“ bereits hinter sich. Die meisten aller Aktiven in Englands höchster Spielklasse. Welbeck liegt mit 400 Einsätzen direkt dahinter auf dem zweiten Platz.
Routine, die Alonso in seiner Mannschaft dringend gebrauchen kann. Aktuell wird diese Statistik nämlich vom Portugiesen Pedro Neto angeführt. Der 26-Jährige steht bei vergleichsweise wenigen 180 Auftritten.
Auch ein Blick auf den restlichen Kader zeigt: Chelseas Mannschaft hat mächtig Schlagseite in Richtung ‚Jugend forscht‘ bekommen. Mit 23,5 Jahren stellt der Champions-League-Sieger von 2021 mit Abstand die jüngste Mannschaft der Premier League. Vergleich: Die nächstältere Mannschaft hat der FC Brentford, Hendersons aktueller Klub, mit 25,1 Jahren.
Nicht ein Ü30-Spieler bei Chelsea
Zwar zählt das Arbeiten mit jungen Mannschaften durchaus zu einer Stärke des neuen Trainers, die Meistermannschaft in Leverkusen war im Schnitt 24,9 Jahre alt. Der Blick auf ein weiteres Detail verdeutlicht die Dimensionen aber nochmal eindrücklich.
Nicht ein einziger Spieler im Kader der Blues ist über 30. Tosin Adarabioyo ist mit 28 der Älteste. In der abgelaufenen Saison kam der Innenverteidiger allerdings auch lediglich auf 16 Liga-Einsätze. Der letzte Einsatz eines „Ü30-Oldies“ liegt 123 Spiele zurück. Damals war es der 39-jährige Thiago Silva.
Die letzte Saison endete für die Londoner auf einem enttäuschenden zehnten Platz und damit außerhalb der europäischen Plätze. Vermutlich nicht allein, aber auch wegen mangelnder Erfahrung im Team. „Nur junge Spieler zu verpflichten, könnte es erschweren, die Ziele zu erreichen. Gegen PSG haben uns Spieler gefehlt, die solche Situationen schon erlebt haben“, hatte Marc Cucurella letzte Saison nach dem deutlichen Ausscheiden gegen PSG in der Champions League erklärt.
Man müsse „die Balance zwischen beiden Welten finden“, forderte der Außenverteidiger, der in diesem Sommer zu Real Madrid wechselte. Mit 28 Jahren und 150 PL-Einsätzen zählte er schon zu den Erfahreneren im Chelsea-Kader.
Auch Ex-Coach Liam Rosenior forderte im April öffentlich mehr „emotionale Stabilität“ von seinen Spielern. Eine Fähigkeit, die nicht alle, aber viele Spieler, mit dem Alter erlernen. Ein Missstand, den Alonso sich nun offenbar auf seine To-do-Liste geschrieben hat.
Alonso wollte auch Xhaka
Besonders nach den vorausgegangenen Transfers in diesem Sommer: 282,7 Millionen Euro für sechs Spieler wurden bereits investiert. Allesamt zwischen 18 und 23 Jahren alt. Welbeck und Henderson sollen also neben reiner sportlicher Leistung vor allem wieder ein Gleichgewicht in der Altersstruktur herstellen und die Mannschaft in engen Spielen an die Hand nehmen.
Einer, der diese Qualität in der Vergangenheit bereits mehrfach nachgewiesen hat, ist Granit Xhaka. Alonsos Schützling aus Leverkusen-Zeiten hätten die Verantwortlichen ebenfalls gerne an die Stamford Bridge gelotst. Sein jetziger Arbeitgeber Sunderland schob dem Wechsel allerdings einen Riegel vor. „Das Thema ist abgeschlossen“, konstatierte AFC-Trainer Régis Le Bris.
Doch auch ohne den Schweizer-Kapitän soll sich der Kurs bei den Blues, junge Spieler vor allem als Wertanlage zu verpflichten, zumindest teilweise ändern.