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Dopingfall Max Kepler: Hier erzählt er seine Seite der Geschichte

Dopingfall: Kepler erklärt sich

Max Kepler ist der erste Deutsche, der sich in der Major League Baseball etabliert hat. Doch er wurde auch zum ersten Deutschen, der wegen Dopings für 80 Spiele gesperrt wurde. Nun erzählt er seine Seite der Geschichte.
MLB-Star Max Kepler spricht im exklusiven SPORT1-Interview über seine 80-Spiele-Sperre, den Dopingvorwurf und die schwierige Zeit abseits des Baseballfelds.
Max Kepler ist der erste Deutsche, der sich in der Major League Baseball etabliert hat. Doch er wurde auch zum ersten Deutschen, der wegen Dopings für 80 Spiele gesperrt wurde. Nun erzählt er seine Seite der Geschichte.

Er war das Aushängeschild einer ganzen Sportart in Deutschland, dann warf ihn eine positive Doping-Probe und eine 80-Spiele Sperre zurück. Jetzt ist Max Kepler zurück in der MLB.

Der beste deutsche Baseball-Spieler kämpft nicht nur um seine sportliche Karriere, sondern auch um seinen Ruf. Bei den Philadelphia Phillies ging es für den 33-Jährigen nicht weiter und auch finanziell musste er Abstriche machen. Statt wie zuvor 10 Millionen US-Dollar verdient er bei den Arizona Diamondbacks nur noch das Mindestgehalt von 780.000 Dollar.

Trotzdem ist Kepler einfach nur froh, wieder auf dem Platz zu stehen, wie er im SPORT1-Interview verrät. Zudem spricht er auch ausführlich über sein Doping-Vergehen und was die Sperre mit ihm gemacht hat.

SPORT1: Max Kepler, Sie haben schon viele Spielzeiten in der MLB absolviert. Wie würden Sie die derzeitige Saison beschreiben?

Max Kepler: Super. Wir sind gerade auf der Jagd nach einem Playoff-Platz. Jedes Spiel zählt. Ich bin jetzt mit einer neuen Truppe unterwegs, jeder ist super nett und ich freue mich, dass ich hier sein darf.

SPORT1: Die Arizona Diamondbacks sind Ihr drittes MLB-Team. Wie ist es, im Westen der USA beheimatet zu sein, nachdem Sie ja zuvor bei den Minnesota Twins und den Philadelphia Phillies waren?

Kepler: Ich hatte die wunderschöne Kälte in Minnesota, dann in Philly die wunderschönen Menschen aus dem Nordosten der USA und jetzt bin ich in der Wüste. Ein super Erlebnis und ich bin sehr dankbar dafür, dass mich der Weg in diese Region gebracht hat. Aber die Wüste ist auf jeden Fall etwas, an das man sich gewöhnen muss – aber das kommt mit der Zeit.

SPORT1: Normalerweise haben Baseball-Profis Mitte August schon mehr als 100 Spiele absolviert. Sie hingegen kommen erst auf etwas mehr als 30 Partien. Wie sieht es bei Ihnen mit der Frische aus?

Kepler: Im Vergleich zu den anderen, die seit dem ersten Tag dabei sind, wahrscheinlich viel besser. Ich würde sagen, dass ich jetzt in einer Art Spring-Training-Modus bin, wo man hier und da mal ein paar Sachen spürt, es aber nichts Ernstes ist. Man spielt täglich und da kann es halt an bestimmten Tagen an bestimmten Körperteilen schmerzen, aber das geht mit der Zeit weg.

Kepler über Doping: „Keine Ahnung, wie es da reingekommen ist“

SPORT1: Sie wurden am 9. Januar wegen der Einnahme des leistungssteigernden Mittels Epitrenbolon von der Liga für 80 Spiele gesperrt. Wie haben Sie davon erfahren?

Kepler: Ich wusste von dem positiven Test direkt nach den Playoffs gegen die Los Angeles Dodgers (Kepler war mit Philadelphia Anfang Oktober an L.A. gescheitert/Anm. d. Red.). Die Phase, bis ich dann offiziell suspendiert wurde, war sehr interessant. Natürlich war das meine erste Sperre, aber mir wurde gesagt, dass das alles untersucht wird und dass ich einfach Geduld haben sollte. Am 9. Januar wurde das Ergebnis dann offiziell. Das Mittel war in meiner Probe. Ich habe keine Ahnung, wie es da reingekommen ist, aber ich bin dafür verantwortlich.

SPORT1: Ihr Vertrag in Philadelphia galt nur für eine Saison, Sie waren nach dem Playoff-Aus vereinslos – und sie waren für 80 Spiele der neuen Saison gesperrt. Wie ging es für Sie weiter?

Kepler: Ich musste umplanen, denn ich hatte einige Monate frei. Ich dachte mir, „ok, wo gehe ich jetzt trainieren?“ Mir wurde eine Anlage in West Palm Beach angeboten. Ich bin direkt nach Florida geflogen und habe dann dort meine “Haftstrafe” abgesessen.

SPORT1: Fühlen Sie sich als Doper?

Kepler: Ich will nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Und die Sache ist ja jetzt auch vorbei. Aber unsere Theorie, also mit meinen Anwälten, mit denen ich die Sache angegangen bin, war kontaminiertes, rotes Fleisch. Denn es hatte in der Vergangenheit schon Fälle gegeben, die auch gewonnen wurden. Da wurde in Restaurants eine Fleischquelle gefunden, die von Athleten gegessen wurde und die Steroide enthielt. Dies konnte vor Gericht bewiesen werden. In meinem Fall haben wir leider nicht die Quelle gefunden. Es ist schade, dass es so gelaufen ist, weil ich mein zehntes Jahr in der Liga von Beginn an mit Schwung angehen wollte. Aber jetzt bin ich hier bei den Diamondbacks und gebe immer noch alles, um Spiele zu gewinnen.

So schwer war es für Kepler während seiner Doping-Sperre

SPORT1: Wie schwer war es, nach Ihrer Doping-Sperre einen Verein zu finden?

Kepler: Es gab viele Tage und Wochen, an denen mir gesagt wurde, dass ich einen Anruf bekomme, es Interesse von Mannschaften gibt. Aber dann kam nichts. Deshalb musste ich einfach weiter mein Ding machen und mich auf mein Training fokussieren. Als alle anderen gespielt haben, war ich ziemlich alleine, oder nur mit Highschool- oder College-Kids auf der Anlage in West Palm Beach. Aber auch da muss man in der Gegenwart bleiben und die Sachen, die man nicht kontrollieren kann, zum Beispiel, dass ein Anruf kommen sollte, zur Seite legen, auch wenn es mich ein paar Tage gestresst hat. Zum Glück kamen dann zur rechten Zeit einige Anrufe – und einer davon war von den Diamondbacks.

SPORT1: Sie sind im Februar 33 Jahre alt geworden. Wie groß war zwischendurch die Angst, dass diese Sperre ihr Karriere-Ende in der MLB hätte sein können?

Kepler: Das ist jedes Jahr so gewesen. Also ich persönlich hatte immer Zweifel – vor der Saison, während der Saison, dass es irgendwann mal vorbei ist. Aber dann geht’s irgendwie immer weiter – und ich bin sehr dankbar dafür, dass die Mannschaft hier einem Jungen aus Berlin eine Chance gegeben hat. Aber, als ich dann mal einige Monate aus dieser Baseball-Blase raus war, dachte ich mir so, „was zwingt mich eigentlich, wieder zurück in die Liga zu wollen?“. Zehn Jahre von Beginn an dabei zu sein, war ein großes Ziel von mir. 1000 Hits waren ein großes Ziel von mir und auch die 200 Homeruns, die jetzt, glaube ich, ein bisschen außerhalb der Reichweite sind (Kepler hat 181 Karriere-Homeruns/Anm. d. Red.). Deswegen wollte ich wieder zurück. Und wer weiß, vielleicht bekomme ich nächstes Jahr eine neue Chance.

SPORT1: Vergangene Saison haben Sie in Philadelphia zehn Millionen US-Dollar verdient. Jetzt bekommen Sie das MLB-Mindestgehalt von 780.000 Dollar. Inwiefern sind Sie eine Art Ramschware geworden – jemand, der auf dem Grabbeltisch herumliegt?

Kepler: Ich vergleiche mich immer mit dem, was die Mehrheit der Menschen verdient. Und im Vergleich zu einem Otto-Normal-Verbraucher bin ich auf keinen Fall ein Billig-Angebot vom Grabbeltisch. Bevor ich meinen Vertrag unterschrieben habe, hatte ich etwas gesagt, das ich vielleicht nicht hätte sagen sollen: und zwar, dass ich ein Typ bin, der für das MLB-Mindestgehalt spielen würde. Was wir hier verdienen, ist eine große Summe, egal, ob es das Mindestgehalt ist oder ob es zehn Millionen Dollar sind. Ich weiß, wo ich hergekommen bin. Und dort sind diese Summen viel mehr, als ich mir jemals vorstellen konnte.

SPORT1: Wie war während der Sperre die Unterstützung? Über welchen Zuspruch haben Sie sich besonders gefreut?

Kepler: Meine Eltern, meine Familie, meine Freunde, meine Freundin – alle, die mich gut kennen und wissen, dass ich der Typ bin, der sowas nie mit Absicht machen würde, haben mir beigestanden. Sie alle haben mir auch eine Richtung gegeben, als ich auf der Suche nach Klarheit war. Sie meinten, „mach’ dein Ding, wir wissen, dass du keiner bist, der aufgibt.“ Ich habe auf sie gehört, wie ich immer auf meine Eltern, meine Schwester, meine Geliebten höre. Sie haben mir den Weg gezeigt und dafür bin ich, mal wieder, sehr dankbar.

Gebrandmarkt durch Doping-Sperre? „Merke das gar nicht“

SPORT1: Inwiefern war für Sie sogar eine Rückkehr nach Deutschland denkbar?

Kepler: Ganz ehrlich, wenn es hier in der MLB vorbei ist, dann muss ich erstmal pausieren, ein paar Schritte zurückgehen vom Sport. Und wenn danach die Liebe zum Baseball noch da ist, dann kehre ich zurück. Egal, ob es in Europa ist, in Berlin oder in Regensburg. Aber jetzt will ich erstmal den Job hier beenden.

SPORT1: Wie sehr sind Sie durch die Sperre in der Liga gebrandmarkt?

Kepler: Ich merke das gar nicht. Hier und da hört man mal was von den Fans, die hinter mir sitzen. Aber viel schlimmer als die Sachen, die sie in den Jahren zuvor gesagt haben, ist es nicht.

SPORT1: Was mussten Sie sich in den Jahren zuvor anhören?

Kepler: Manche Sachen möchte ich hier lieber nicht sagen (lacht). Aber ja, einfach Sachen, die Fans so sagen. Dass du „Scheiße” bist, dass du nicht in die Liga gehörst, sowas halt. Die denken, dass sie damit einen Spieler niedermachen. Aber das ist Teil der Atmosphäre. Ich würde mir immer lieber ein Stadion voller höllischer Fans wünschen, als ein Stadion ohne.

SPORT1: Sie gelten seit vielen Jahren als das deutsche Baseball-Aushängeschild, als der Mann, der es in die MLB geschafft hat. Wie sehr, glauben Sie, ist durch die Sperre ihr Ruf vielleicht angekratzt oder beschädigt?

Kepler: Aus meiner Sicht gar nicht. Wenn es jetzt um Auszeichnungen oder Anerkennung geht, kommt es auf diejenigen an, die das entscheiden. Wenn ich wieder etwas mehr Zeit habe, will ich wieder in Deutschland Trainingseinheiten für Kinder abhalten, den Sport pushen. Ich glaube nicht, dass die Kinder daran denken werden, dass ich irgendwann mal eine Doping-Sperre hatte. Wenn ich daran zurückdenke, als ich ein Kind war, ich habe mich immer gefreut, wenn ein Profi bei uns vorbeigekommen ist.

SPORT1: Obwohl Sie Ihre Sperre abgesessen haben, sind Sie für die diesjährigen Playoffs gesperrt. Was sagen Sie dazu?

Kepler: Das ist leider Scheiße und für mich persönlich enttäuschend, denn ich wäre sehr gerne dabei. Aber das ist Teil der Sperre, da kann ich nichts machen.