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"Sowas habe ich noch nie gesehen": NBA-Märchen Made in Germany

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NBA-Märchen Made in Germany

Tuomas Iisalo ist neuer Trainer der Memphis Grizzlies. Die Beförderung des Finnen ist das Ende eines märchenhaften Aufstieges, der in Deutschland begann.
Tuomas Iisalo ist neuer Trainer der Memphis Grizzlies
Tuomas Iisalo ist neuer Trainer der Memphis Grizzlies
© IMAGO/Panoramic by PsnewZ
Tuomas Iisalo ist neuer Trainer der Memphis Grizzlies. Die Beförderung des Finnen ist das Ende eines märchenhaften Aufstieges, der in Deutschland begann.

Dieser Trainer-Knall in der NBA war eine echte Überraschung! Nur wenige Wochen vor dem Start der Playoffs trennten sich die Memphis Grizzlies von ihrem bisherigen Cheftrainer Taylor Jenkins und das, obwohl das Team auf Platz vier im Westen stand.

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Profiteur der Entlassung ist ein Mann, der in Deutschland als Head Coach große Spuren hinterlassen hat. Tuomas Iisalo, der einst in der BBL begeisterte, übernimmt die Grizzlies zumindest bis zum Saisonende als Interims-Cheftrainer.

Iisalo hatte zum Start der Saison in Memphis als Assistenztrainer angeheuert und ist nun der erste finnische Trainer der NBA-Geschichte. Auch wenn sein Debüt als Head Coach bei der 127:134-Niederlage gegen die Los Angeles Lakers nicht erfolgreich war und auch die nächsten zwei Spiele verloren gingen, könnte Iisalo mit seiner ganz speziellen Basketballidee auch die beste Liga der Welt prägen.

Von Crailsheim in die NBA

Dass der 42-Jährige jetzt Cheftrainer in der NBA ist, ist mit Blick auf seine Vita durchaus eine kleine Sensation.

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2014 startete Iisalo nach seiner Spielerkarriere in Finnland ebenfalls in seiner Heimat als Trainer beim Erstligisten Tapiolan Honka, ehe es ihn während der Saison 2016 zum damaligen BBL-Abstiegskandidaten Crailsheim Merlins zog.

Obwohl er den Abstieg nicht verhindern konnte, hielten die Crailsheimer Verantwortlichen weiter am Finnen fest und trafen damit wohl eine der besten Entscheidungen der Vereinsgeschichte. Im folgenden Jahr stiegen die Merlins gleich wieder auf und hielten trotz Mini-Etats am letzten Spieltag die Klasse.

Anschließend folgte eine Entwicklung, den dem Underdog wohl niemand zugetraut hätte. Unter Iisalo erreichten die Merlins zweimal in Folge einen Playoffplatz.

Iisalo begeistert in Deutschland und Europa

Nach knapp fünf erfolgreichen Jahren zog der Finne weiter und wechselte innerhalb der Liga zu den Telekom Baskets Bonn. Spätestens dort stieg Iisalo zum europäischen Top-Coach auf.

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Er formte aus dem kriselnden Traditionsverein, der zuvor zweimal in Folge die Playoffs verpasst hatte, wieder einen Top-Klub. 2021/22 wurde er mit Bonn Zweiter der Hauptrunde und zog ins Playoff-Halbfinale ein.

In der darauffolgenden Saison setzte er noch einen drauf. Mit 31 Siegen aus 33 Ligaspielen holte sich Bonn den Hauptrundensieg und scheiterte erst im Finale am Überraschungsmeister aus Ulm. Einen Titel holte Iisalo in der Saison trotzdem. Durch den Gewinn der Basketball Champions League sicherte er den Baskets den ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte. Wettbewerbsübergreifend gewann Bonn in der Fabelsaison 54 Spiele bei nur sieben Niederlagen.

Nach zwei Jahren in Bonn und zwei Titeln als Trainer des Jahres der BBL zog er nach Frankreich und übernahm zur Saison 2023/24 den aufstrebenden Verein Paris Basketball. Und auch in Paris ging Iisalos Siegeszug weiter. Gemeinsam mit zahlreichen Spielern, die er aus Bonn mitgebracht hatte, gewann er mit einer Bilanz von 20 Siegen bei nur einer Niederlage den Eurocup.

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Gegner mit unglaublichem Tempo zermürbt

In Paris gelang es Iisalo, sein begeisterndes System der vorherigen Jahre fast zur Perfektion zu bringen. Den Basketball des Finnen zeichnet ein unglaubliches Tempo und eine für den Gegner zermürbende Intensität aus.

Während seiner Zeit in Paris stellte sein Team mit 98,4 Punkten im Schnitt einen neuen Eurocup-Rekord auf. Auch das Offensive Rating von 127,1 war spektakulär.

Und auch in Memphis veränderte er nach seiner Ankunft als Lead-Assistent-Coach im Sommer 2024 gleich einiges. Schon früh in der Saison wurde deutlich, dass sich der Stil deutlich von dem anderer NBA-Teams unterscheidet. Die Grizzlies spielen die schnellste Pace der Liga (103,83). In der vergangenen Saison hatten sie noch auf dem elften Rang in dieser Statistik gelegen.

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Gerade die Aggressivität, mit der die Grizzlies die gegnerische Defensive attackieren, soll diese völlig entnerven. Nach dem Defensive-Rebound geht es mit Tempo nach vorne, kein anderes Team sucht schneller den Abschluss. Dafür nutzt das Team auch im Halbfeld jede mögliche Lücke, um den Korb zu attackieren. Eine Strategie wie gemacht für Grizzlies-Superstar Ja Morant, der mit seinem Tempo regelmäßig zum Korb kommen kann.

„Sowas habe ich noch nie gesehen“

„Defensiven sind für fünf, sechs Sekunden gut“, sagte Grizzlies-Spieler Santi Aldama im Sommer zu den neuen Ideen: „Danach werden Spieler müde. Je zufälliger die Bewegung für die Defensive ist, desto besser für uns.“

Dieser Spielstil entnervte schon in Europa reihenweise die Gegner. Die Ratlosigkeit der Gegner kam in dieser Saison dann auch in der NBA an.

Warriors-Star Draymond Green, der eigentlich als defensives Mastermind jede Offensive des Gegners entschlüsseln kann, zeigte sich beeindruckt: „Wenn einer zum Korb geht, bewegt sich alles. Sowas habe ich noch nie gesehen. Wenn einer in die Mitte zieht, rotiert das gesamte Team.“

Die Spieler der Grizzlies bewegen sich meist komplett im Kollektiv. Nach dem Zug zum Korb passen die Spieler den Ball meist nach draußen, nur um anschließend gleich wieder in die Zone zu gehen. Um genug Platz zu generieren, positionieren und repositionieren sich die Spieler ständig. Durch die Bewegungen binden sie gleichzeitig ihren jeweiligen Gegenspieler und erschweren es so dem Gegner, in Richtung des Ballführenden zu helfen.

Iisalo verbot den Spielern in Paris die Handy-Nutzung

Aber nicht nur durch spezielle taktische Kniffe überzeugt Iisalo. Er versucht seine Mannschaft auch durch spezielle interne Regeln enger zusammenzuschweißen.

„Handys sind bei uns im gesamten Trainingszentrum verboten“, erklärte Iisalo während seiner Zeit in Paris im Gespräch mit Basketnews.com: „Wenn man sein Handy nur im Blick hat, verlieren wir den Fokus.“

„Wenn wir zusammen sind, wollen wir uns im Team besser kennenlernen. Um erfolgreich zu sein, ist es für mich besonders wichtig, dass sich die Spieler wirklich mögen und kennen“, erklärte Iisalo.

Aus diesem Grund waren in Paris auch beim gemeinsamen Essen Handys verboten. „Wenn du deine Mitspieler wirklich kennenlernst, mit ihnen Zeit verbringst oder beim Essen redest, bringt das das Team näher zusammen.“

Zumindest zu seiner Zeit in Paris sei diese Regel gut angekommen, wie Iisalo anhand einer Anekdote rund um seinen Schlüsselspieler TJ Shorts (wurde in Bonn und Paris MVP in der Champions League und im Eurocup) verdeutlichte: „Am Anfang sagte TJ zu mir, dass die Handy-Regel eine der dümmsten Regeln wäre, die er je erlebt hätte. Doch während der Saison kam er dann zu mir und meinte, dass es eine der wichtigsten Regeln überhaupt sei. Er hätte in seiner Karriere zuvor noch nie so eine Verbindung zu seinen Teamkameraden gehabt.“

Die Anekdote zeigt, dass Iisalo mit seinen alternativen Methoden Erfolg hat. Gerade diese Besonderheiten machen ihn zu einem der spannendsten Basketball-Persönlichkeiten der Welt - und jetzt auch zum NBA-Trainer.