Während seiner Zeit bei den New England Patriots fühlte sich Bill Belichick oft verfolgt – vom Liga-Establishment ebenso wie von den Medien. Nach den jüngsten Enthüllungen von ESPN scheint dieses Misstrauen bestätigt zu sein. Der legendäre Head Coach schaffte es bei der Wahl zur Pro Football Hall of Fame nicht, die nötige Mehrheit zu erreichen, und wurde überraschend nicht aufgenommen.
NFL-Hammer: Warum Belichick leer ausging
Warum Belichick leer ausging
Mindestens elf der 50 Stimmberechtigten hatten Belichick nicht auf ihrem Stimmzettel, obwohl seine Bilanz mit sechs Lombardi-Trophies, neun Conference-Titeln und 333 Siegen kaum angreifbar ist. Gewählt wurde am 13. Januar, die offizielle Verkündung der Class of 2026 erfolgt am 5. Februar im Rahmen der NFL-Honors. Für die Aufnahme wären 80 Prozent der Stimmen nötig gewesen.
Brisant: Belichick befand sich in einer Fünfergruppe mit dem Eigentümer der Patriots, Robert Kraft, sowie den ehemaligen Spielern Ken Anderson, Roger Craig und L. C. Greenwood. Die Wähler durften nur drei Namen ankreuzen – ein ungewöhnlicher Vergleich zwischen Coach, Owner und ehemaligen Profis.
NFL: Ein Verfahren voller Widersprüche
Dass Kraft nun auf Kosten seines langjährigen Trainers einziehen könnte, sorgt für zusätzliche Schärfe. Die Patriots-Dynastie wäre dann im Jahrgang vertreten – allerdings durch den Eigentümer, nicht durch den Architekten an der Seitenlinie. Besitzer sind in der Hall of Fame traditionell umstritten, dennoch gehören bereits 16 von ihnen dazu, darunter Jerry Jones oder Edward DeBartolo.
Hinzu kommt die persönliche Komponente. Belichick und Kraft gelten seit der Trennung als zerstritten. Als Head Coach an der University of North Carolina untersagte Belichick den Patriots-Scouts sogar den Zugang zum Campus – ein deutliches Zeichen der Entfremdung.
Kraft selbst stellte sich öffentlich hinter seinen früheren Coach: „Er ist der beste Trainer aller Zeiten und es steht außer Frage, dass er in die Hall of Fame gewählt werden sollte“, erklärte der Eigentümer am Mittwoch. Doch genau das wird nicht passieren.
Belichick ? Polian, Spygate und alte Rechnungen
Ein möglicher Grund liegt in alten Rivalitäten. Laut Berichten des Senders ESPN soll der ehemalige General Manager der Indianapolis Colts, Bill Polian, intern angeregt haben, Belichick wegen Spygate „ein Jahr warten zu lassen“. Polian bestreitet das, räumte jedoch ein, nur zu 95 Prozent sicher zu sein, für Belichick gestimmt zu haben – während er Kraft aktiv unterstützte, einen engen Freund.
Ob Zufall, Politik oder Systemfehler: Die Entscheidung nährt den Eindruck, dass Bill Belichick durch ein überholtes Verfahren gefallen ist. Die Vorstellung, dass sein erklärter Rivale Kraft geehrt wird, während der erfolgreichste Coach der NFL-Geschichte leer ausgeht, verleiht der Patriots-Saga eine neue, bittere Wendung.