Volleyball-Bundesliga Männer>

Eine Fusion, die das Machtverhältnis erschüttern könnte

Die nächste Münchener Großmacht?

Im Volleyball kommt es zur großen Fusion zweier Bundesliga-Vereine. Im Gespräch mit SPORT1 erklären die Geschäftsführer, wie sie mit dem neuen Projekt München erobern und die Meisterschaft erreichen wollen.
Die WWK Volleys München wollen in Zukunft für Furore sorgen
Die WWK Volleys München wollen in Zukunft für Furore sorgen
© IMAGO/HMB-Media
Im Volleyball kommt es zur großen Fusion zweier Bundesliga-Vereine. Im Gespräch mit SPORT1 erklären die Geschäftsführer, wie sie mit dem neuen Projekt München erobern und die Meisterschaft erreichen wollen.

Profisport in München, das ist in der Regel eine einzige Erfolgsgeschichte. Betrachtet man die großen vier Vereine der Stadt, konnten Eishockey-Verein EHC Red Bull München (vier), die Basketballer des FC Bayern (acht) sowie das Frauen- und Herren-Team der Bayern im Fußball (sechs und 22) alleine in den vergangen zehn Jahren zusammen 40 Titel gewinnen.

Jetzt soll es in München eine weitere große Sport-Erfolgsgeschichte geben. Durch den Zusammenschluss der beiden Volleyball-Bundesligisten WWK Volleys Herrsching und TSV Unterhaching zu den WWK Volleys München, soll es die nächste Sportmacht geben.

„Die Meisterschaft ist definitiv ein Ziel“, sagte Mihai Paduretu, Geschäftsführer vom TSV Unterhaching, im Gespräch mit SPORT1.

Dem stimmt auch sein zukünftiger Kollege Max Hauser, Geschäftsführer der WWK Volleys Herrsching, zu: „Ich denke die Meisterschaft ist das einzige Ziel, was man mittelfristig in München ausgeben kann. Hier sind alle sehr erfolgsverwöhnt und nur mit Erfolgen kann man auch eine große Masse von Zuschauern locken.“

Volleyball: Beide Vereine feierten auch alleine schon große Erfolge

Und genau das soll in Zukunft mit dem Projekt WWK Volleys München gelingen. Hauser und Paduretu wissen genau, wovon sie sprechen, denn beide leiten schon seit Jahren die Geschicke in Herrsching und Unterhaching. Beiden Vereinen gelangen schon große Erfolge.

In den Hochzeiten des Volleyballs in Unterhaching zwischen 2009 und 2013 erreichte der Verein, damals noch unterstützt von Großsponsor Generali, gleich dreimal das Finale um die deutsche Meisterschaft und wurde viermal Pokalsieger.

Einer der Erfolgsgaranten war schon damals Mihai Paduretu. Und auch Hauser formte aus dem kleinen Verein aus Herrsching, einem kleinen Ort im Umland von München, einen ambitionierten Bundesligisten.

„Wir waren die letzten fünf Jahre immer oben dabei. Wir waren einmal im Pokalfinale und haben immer am Halbfinale gekratzt“, erklärte Hauer im Gespräch mit SPORT1: „Dann war es aber oft so, dass uns von den Top-3 die wichtigsten Spieler rausgekauft wurden und wir so nicht immer mit den Top-Teams mithalten konnten.“

Gemeinsam soll es raus aus dem Mittelmaß

Hauser wurde klar: Um das Mittelmaß zu verlassen und konstant die Spitze angreifen braucht es kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander: „Die grobe Idee hatte ich schon länger. Es gibt aktuell drei Bundesligisten im Volleyball in und um München. Das ist einfach ein bisschen viel.“

Also nahm er im Dezember den Telefonhörer in die Hand und fragte bei den Mitbewerbern an, ob sie nicht gemeinsame Sache machen wollen. In Unterhaching stieß die Idee schnell auf Gegenliebe.

Beide Verantwortlichen machten im Gespräch mit SPORT1 deutlich, dass die Vereine finanziell und organisatorisch gut dastehen würden. „Aber wir wollen noch besser werden. In München ist so: Entweder bist du richtig top oder sonst bist du eher außen vor“, erklärte Paduretu.

Dem stimmt Hauser zu: „Dazu haben wir hier eine große Chance eben mit den mehreren Regionen rund um München aber auch mit der Stadt München. Da ist riesiges Potenzial da. Wir wollen ein größeres Produkt sein und so dann auch sportlich die Top-3 angreifen. Ein anderes Ziel kann es nicht geben.“

Droht Fan-Ärger nach Fusion? „Die Volleyball-Welt tickt anders als im Fußball“

Klar für beide Seiten: Die ambitionierten Ziele müssen nicht gleich in der ersten Saison angegriffen werden. Da ginge es vielmehr darum, aus zwei Vereinen, eine funktionierende Einheit zu formen.

„Wir wollen Teambuilding machen zwischen den Fans und zwischen den Teams, hinter den Teams. Wir wollen diesen Zusammenschluss und diese Zusammenarbeit wirklich leben. Es soll eine wirkliche Gemeinschaft werden“, erklärte Hauser.

Bisher waren beide Vereine durchaus rivalisierend. Dass der Zusammenschluss bei den Fans für Ärger sorgen könnte, befürchten die Verantwortlichen aber nicht. „Man kann Volleyball nicht mit Fußball vergleichen. Beim Volleyball ist alles friedlich“, sagte Hachings Paduretu: „Was ich bisher mitbekommen habe, sind die Fans alle eigentlich happy, dass es zu dieser Kooperation kommt.“

So sieht es auch Hauser: „Man muss schon sagen, dass die Volleyball-Welt da schon etwas anders tickt als beispielsweise im Fußball. Allerdings haben beide Vereine ihre Fanbase und natürlich muss man die ernst nehmen.“

Die Fans beider Vereine hätten den Zusammenschluss bei Gesprächen aber positiv gesehen. „Unsere Kraft ist jetzt doppelt so groß. Was mich sehr freut ist, dass wir jetzt so viele Leute sind und auch, dass eine kleine Euphorie entstanden ist“, erklärte ein erfreuter Paduretu.

Hauser lobt Zusammenarbeit: „Ich genieße es sehr“

Trotzdem wartet auf beide Vereine noch sehr viel Arbeit, um eine gemeinsame Identität zu entwickeln. „Es ist so, dass sich Herrsching schon durch dieses sehr provokante, moderne Marketing sehr hervorgetan hat:  Sei es die Lederhosentrikots, sei es der Slogan „Geilster Club der Welt”, sei es der König beim Heimspiel. Es sind viele Dinge, die eine echte Marke geworden sind,“ sagte Hauser.

Mit zahlreichen mutigen Marketingaktionen hatte es Herrsching in den vergangenen Jahren oft geschafft, auch abseits des Volleyball-Zirkus für Schlageilen zu sorgen. Ihr markantes Lederhosentrikot fand sogar im Ausland anklang und wurde auch außerhalb von Deutschland bestellt.

Auch deshalb steht das Design eines neuen Trikots aktuell ganz speziell im Fokus, erklärte der Herrschinger-Geschäftsführer: „Auf jeden Fall muss erstmal ein sehr gutes Lederhosentrikot her. Wichtig ist, dass das Trikot auch beide Vereine widerspiegelt. Das ist gar nicht so einfach zu designen. Unsere Leute arbeiten aber schon fleißig dran, weil wir im ersten Jahr natürlich einen richtigen Knaller hinsetzen wollen. Was ich gesehen habe, wird es das beste Lederhosentrikot, was wir bisher hatten.“

Zudem basteln Hauser und Paduretu aktuell gemeinsam am Kader für die Zukunft. Eine Zusammenarbeit, die für Begeisterung sorgt: „Mihai hat wirklich sehr viel Ahnung von dem Business. Das ist auch das erste Mal für mich, dass da jemand ist, mit dem man gut reden kann und dem man das Business wirklich gar nicht erklären muss.“

„Vielmehr kennt er noch den ein oder anderen Trick, den man selbst vielleicht vorher noch nicht kannte. Ich genieße es sehr mit ihm zusammenzuarbeiten, denn der weltweite Markt ist ein echtes Hauen und Stechen. Da ist Mihai einfach sehr erfahren“, lobte Hauser weiter.

Volleyball in München? „Ein schlafender Riese, der geweckt werden muss“

Die wohl größte und wichtigste Aufgabe wird es, das Publikum in München vom Volleyball zu überzeugen. Die kleinen Hallen in Herrsching und auch in Unterhaching sind immer gut gefüllt. Bei den Eventspielen im großen BMW Park in München (6.700 Zuschauer) tat sich das Team aus Herrsching bisher schwer.

„Das Münchner Eventpublikum ist schwierig und hart umkämpft. Da merken wir schon, dass es schwer sein kann dieses Eventpublikum abzuholen, wenn parallel in der Stadt unter der Woche noch vier andere große Sportevents stattfinden“, gibt Hauser zu.

Trotzdem sei man optimistisch, genug Publikum anlocken zu können. „Ich bin mir sicher, dass es genug Platz für Volleyball gibt. München ist groß. Es gibt in Bayern mehr Menschen, die Volleyball spielen, als Menschen, die Eishockey oder Basketball spielen“, sagte Paduretu.

Allerdings würden sich viele dieser Volleyballer noch nicht genug für den Profisport interessieren. Das soll sich ändern, so Hauser: „Wenn man da mit dem richtigen Marketing rangeht und versucht den Sport richtig zu pushen, dann ist der Volleyball in München sogar ein schlafender Riese, der nur geweckt werden muss.“

„Sobald wir Pokale gewonnen haben, war die Arena immer voll“

„Man sieht ja auch, wenn man zum Beispiel im Sommer im Englischen Garten unterwegs ist, wie viel Volleyball da gespielt wird. Alleine dort sind um die 15 Felder. Auch Beachvolleyball ist riesig. Es gibt extrem viele Plätze. Jeder Beachplatz ist voll ab 17 Uhr in ganz München“, sagte Hauser mit Blick auf das Potenzial in München.

Haching Chef Paduretu ist sich sicher, dass die Hallen bei sportlichem Erfolg wieder komplett voll werden: „Das habe ich auch damals während der Generali-Zeit festgestellt. Sobald wir Finals gespielt haben und Pokale gewonnen haben, war auch die Aufmerksamkeit sehr groß. Da war die Arena hier in Unterhaching immer voll und da wollen wir jetzt wieder hinkommen.“