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Partyrausch nach "Wackelsaison": BR Volleys trotz Titel gewarnt

BR Volleys trotz Titel gewarnt

Die BR Volleys krönen sich zum zehnten Mal in Folge zum Meister. Doch auf den Titel folgt ein Wermutstropfen - und der Boss mahnt.
Steuerwald (Mitte) bei der Berliner Kabinenparty
Steuerwald (Mitte) bei der Berliner Kabinenparty
© picture-alliance/BEAUTIFUL SPORTS/SID/Tonhäuser
Die BR Volleys krönen sich zum zehnten Mal in Folge zum Meister. Doch auf den Titel folgt ein Wermutstropfen - und der Boss mahnt.

Topscorer Jake Hanes genehmigte sich beim üblichen Titel-Ritual im Kreise seiner Teamkollegen einen beherzten Schluck Bier aus dem eigenen Schuh, Interimstrainer Markus Steuerwald stemmte wenig später die bronzene Meisterschale unter lautem Gejohle bei der feuchtfröhlichen Kabinenparty in die Höhe.

Von Feiermüdigkeit war bei den Seriensiegern der BR Volleys auch nach dem zehnten Triumph in Folge keine Spur – im Gegenteil, denn selten zuvor war der Weg auf den Bundesliga-Thron so schwer gewesen.

„Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft“, sagte Kapitän Ruben Schott am Ende „einer emotional unglaublich harten Saison. Viele haben uns das nicht mehr zugetraut. Deshalb bin ich einfach glücklich, dass wir jetzt am Ende dreimal unser bestes Spiel abrufen konnten.“ Wieder einmal zum richtigen Zeitpunkt.

BR Volleys machten holprigen Saisonstart vergessen

In der Finalserie gegen die SVG Lüneburg trotzte der Rekordmeister allen Widerständen, vergessen schienen der ungewohnt holprige Saisonstart, das Scheitern im DVV-Pokal, das frühe Aus auf der internationalen Bühne oder die beiden Trainerwechsel. Mit dem dritten 3:1-Sieg nahm die komplizierte Saison des sonst so souveränen Hauptstadtklubs am Mittwochabend in Lüneburg ein versöhnliches Ende.

Doch die schwierigen Monate waren für die Verantwortlichen ein Warnschuss, denn die Berliner Ansprüche sind andere. Solch „eine Wackelsaison“ dürfe es in der kommenden Spielzeit nicht geben, mahnte Geschäftsführer Kaweh Niroomand deshalb bei Dyn: „Da müssen wir noch stärker sein.“

Denn die Konkurrenz arbeitet hartnäckig daran, die Machtverhältnisse im deutschen Volleyball aufzubrechen – allen voran Lüneburg. Beim Pokalsieger war nach der Finalpleite die Enttäuschung trotz der bislang erfolgreichsten Saison inklusive erstem Titel der Vereinsgeschichte groß. Natürlich sei er stolz auf das, was der Klub erreicht habe, sagte Trainer Stefan Hübner: „Aber wenn du das letzte Spiel verlierst, ist das immer ein blödes Gefühl.“

Bereits im vergangenen Jahr war Lüneburg beim Anlauf auf die Meisterschaft in drei Spielen an den Volleys gescheitert, doch längst hat sich die SVG neben dem Berliner Dauerkonkurrenten VfB Friedrichshafen als ernstzunehmender Gegner etabliert. Erst zum zweiten Mal war Lüneburg der Sprung in die Endrunde gelungen, dieses Mal sogar als Hauptrundensieger. Doch die Berliner Routiniers behielten die Nerven.

Trainerfrage noch ungeklärt

Den entscheidenden Punkt verwandelte – natürlich – Diagonalangreifer Hanes. Schon in den beiden vorherigen Partien war der US-Amerikaner kaum zu stoppen gewesen, auch am Mittwochabend kam niemand auch nur annähernd an seine 28 Punkte heran. Auch bei der anschließenden Party setzte Kapitän Schott auf den Leistungsträger: „Wenn der einmal anfängt, dann ist er ein unzähmbares Biest.“

Eines, das den Volleys in der kommenden Saison allerdings fehlen wird. Hanes habe nach solch einer Spielzeit natürlich „tolle Angebote aus dem Ausland und wird uns leider verlassen“, erklärte Niroomand nach dem Spiel und ergänzte auf Nachfrage: „Ob man Hanes ersetzen kann, wage ich zu bezweifeln.“

Auch die Trainerfrage ist noch ungeklärt, denn Interimscoach Steuerwald übernimmt zur kommenden Saison den Ligakonkurrenten Grizzlys Giesen. Trotz der insgesamt 16. Meisterschaft gibt es in der Hauptstadt also viel zu tun – denn die Konkurrenz lauert.