Das deutsche Biathlon-Team hat den Anschluss an die Weltspitze verloren. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Woran das liegt, wurde unter anderem am vergangenen Wochenende in Otepää deutlich. In den Mixed-Staffeln offenbarten sich – bei zugegeben schwierigen Bedingungen – vor allem am Schießstand erhebliche Schwächen.
Biathlon: Ist das das deutsche Problem?
Ist das das deutsche Problem?
In der Single-Mixed-Staffel hagelte es 17 Nachlader und drei Strafrunden, in der klassischen Mixed-Staffel sogar 18 Nachlader und vier Extrarunden. Besonders deutlich wurde die Misere bei Justus Strelow, der allein dreimal kreiseln musste und von seinem „mit Abstand schlechtesten Rennen“ sprach.
Doch der 29-Jährige war damit längst kein Einzelfall. In der Saison 2025/26 fehlte es den deutschen Athletinnen und Athleten immer wieder an der nötigen Sicherheit.
Biathlon: Sendel nimmt Grotian und Tannheimer in Schutz
Ein Beispiel ist die inzwischen zurückgetretene Franziska Preuß, bei der sich die Probleme mit dem Gewehr durch den gesamten Winter zogen. Während der Olympischen Spiele kosteten späte Fehler mögliche Einzelmedaillen. Auch Philipp Horn, Selina Grotian, Julia Tannheimer sowie Janina Hettich-Walz ließen auf der Matte regelmäßig bessere Platzierungen liegen. Die Frage lautet daher: Wo liegen die Ursachen? Schießtrainer Peter Sendel hat nun versucht, darauf Antworten zu finden.
Dabei sei eine differenzierte Betrachtung notwendig, betonte Sendel. „Wir haben mit Vanessa Voigt und Justus Strelow die besten Schützen der Welt in unserer Mannschaft, daher darf man nicht alle über einen Kamm scheren“, sagte der 54-Jährige in einem Interview mit der Sportschau. Gleichzeitig räumte er ein, dass es im deutschen Kader auch Biathletinnen und Biathleten gebe, die dieses Niveau noch nicht erreicht hätten – was angesichts ihres Entwicklungsstandes aber auch nicht überraschend sei.
Vor allem die jüngere Garde wie Grotian oder Tannheimer nahm Sendel in Schutz. „Wenn ich es mir im Training nicht schon 100.000 Mal geholt habe, fehlt mir natürlich das Selbstbewusstsein“, stellte er fest. Der Blick auf andere Nationen zeige den Unterschied: Wenn etwa französische Athleten an den Schießstand treten und die Scheiben in kürzester Zeit abräumen, wirke das oft deutlich entschlossener. Dort sei die Angst vor möglichen Fehlern offenbar weniger präsent.
Sendel: So kann es für das deutsche Biathlon-Team besser werden
Sendel finde es „verblüffend, mit welchem Risiko die jedes Mal da rangehen“. Im deutschen Team sehe das oftmals etwas anders aus: „Unsere Athleten haben sehr viel Respekt davor, vobeizuschießen.“ Hinzu kommt, dass sich Athletinnen und Athleten der Top-Nationen wie Norwegen oder Frankreich auch eher einmal hinter der mannschaftlichen Stärke zurücklehnen können. „Wenn immer einer aus der eigenen Mannschaft gewinnt, gibt das natürlich eine gewisse Sicherheit“, schilderte Sendel.
Erfolg sorge für Selbstverständlichkeit und Lockerheit – genau diese Leichtigkeit fehle der deutschen Mannschaft derzeit. Weder bei den Männern noch bei den Frauen gab es in diesem Winter einen Einzelsieg. Philipp Nawrath erreichte immerhin zweimal das Podest, Preuß und Horn jeweils einmal. Für Sendel liegt der Schlüssel auf der Hand. Nur über noch intensivere und gezieltere Trainingsarbeit lasse sich die Treffsicherheit – und damit letztlich auch die Gesamtleistung – wieder auf ein höheres Niveau heben.
„Das muss man sich erarbeiten. Und das wird im kommenden Jahr auch das Ziel sein – dass man jedes Training als Wettkampf sieht“, sagte Sendel weiter und bezeichnete den mentalen Aspekt als entscheidend: „Man muss sich im Training immer vorstellen: Wäs wäre, wenn das jetzt heute meine Olympiade wäre.“ Daran habe es zuletzt gehakt, weil „vielleicht zu viel probiert wurde, weil man im Training zu viele Fehlschüsse akzeptiert hat“.