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Was ihm seit der skurrilen Fremdgeh-Beichte bei Olympia widerfahren ist, ist erstaunlich

Mit Gewichtsverlust zum Weltrekord

Sturla Holm Lägreid dominiert die Biathlon-Konkurrenz nach Belieben - und das trotz gesundheitlicher Probleme. Eine Reise von einer Fremdgehbeichte bis hin zum neuen Weltrekord.
Sturla Holm Lägreid ist aktuell das Maß der Dinge im Biathlon der Männer
Sturla Holm Lägreid ist aktuell das Maß der Dinge im Biathlon der Männer
© IMAGO / Mauri Levandi
Sturla Holm Lägreid dominiert die Biathlon-Konkurrenz nach Belieben - und das trotz gesundheitlicher Probleme. Eine Reise von einer Fremdgehbeichte bis hin zum neuen Weltrekord.

Sturla Holm Laegreid ist unter Biathlon-Fans bereits seit Jahren ein prominenter Name – und das nicht erst seit seinem Sieg im Gesamtweltcup in der vergangenen Saison. Die breite Öffentlichkeit kennt den 29-jährigen Norweger allerdings vermutlich erst seit den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina.

Dort gestand Lägreid im norwegischen TV, seine Freundin betrogen zu haben. Er bat diese öffentlich um Verzeihung – ohne Erfolg. Eine Szene, die um die Welt ging und es sogar bis in die US-Late-Night-Show von Jimmy Kimmel schaffte.

Biathlon: Historischer Björndalen-Rekord gebrochen

Womöglich hat Lägreids Bekenntnis ihn von etwas befreit, was ihn zuvor auch sportlich gehemmt: Ausgerechnet seit der Beichte ist der Norweger in der Biathlon-Konkurrenz jedenfalls kaum mehr zu stoppen. Während Lägreid vor Olympia weit von seiner Bestform entfernt war - er lag nur auf Platz 11 im Gesamtweltcup, hatte vor den Spielen nicht mehr als ein Podium erreicht -, hat er seitdem einen Lauf. In jedem der vergangenen zehn Rennen war er unter den besten Drei.

Am Wochenende dominierte Lägreid nach dem Sprint am Donnerstag auch das Verfolgungsrennen am Samstag in beeindruckender Art und Weise – und stellte dabei sogar einen neuen Weltrekord auf. Mit einem mehr als komfortablen Vorsprung von 2:33,4 Minuten auf den Franzosen Emilien Jacquelin brach Lägreid den Rekord eines Landsmanns.

Es war der größte Vorsprung jemals in einem Verfolgungsrennen. Bisher hatte Biathlon-Legende Ole Einar Björndalen den Rekord gehalten: 2006 in Hochfilzen hatte er mit einem Polster von 2:08 Minuten vor dem Russen Dmitri Jaroschenko triumphiert.

„Der weltbeste Biathlet“

Im Rennen selbst wusste er zwar noch nichts von einem möglichen Rekord, ahnte aber bereits, dass er etwas Historischem auf der Spur sein könnte. „Das war cool. Ich bin vielleicht ein bisschen auf einen Rekord hinausgelaufen, falls es so einen gibt“, berichtete Lägreid nach dem Rennen beim norwegischen TV-Sender NRK.

„Das macht Spaß. Dann habe ich zumindest einen Weltrekord in irgendetwas“, frohlockte der Biathlet, nachdem er vom gebrochenen Rekord erfahren hatte. Auch TV-Experte und Biathlon-Ikone Ola Lunde fand beim norwegischen Sender nur lobende Worte für die Ausnahmevorstellung: „Das ist einfach meisterhaft. Er ist derzeit der weltbeste Biathlet.“

Lägreid dominierte die Konkurrenz beim Fehlerfestival in Otepää bei schwierigen Bedingungen nach Belieben und sicherte sich damit gleichzeitig seinen achten Podiumsplatz in Folge in Einzelwettbewerben. Zählt man die Staffeln mit, war es sein zehnter Podiumsplatz in Folge.

Dabei offenbarte der Norweger zwei Wochen nach den Winterspielen noch körperliche Probleme aufgrund seiner Fremdgeh-Beichte: „Es war schwierig zu essen und zu schlafen, deshalb bin ich dünner geworden, als ich eigentlich sein sollte.“

„Es muss nicht alles perfekt sein“

Im Anschluss sei es gut gewesen, zu Hause zu sein und sich wieder aufzupäppeln. Die sportliche Form litt unter dem Gewichtsverlust allerdings nicht.

„Das zeigt nur, dass nicht alles perfekt sein muss - man muss einfach präsent sein. Dafür braucht man keine perfekte Vorbereitung, keine perfekte Ernährung und keinen perfekten Schlaf. Entscheidend ist, was man im Moment selbst leistet“, erklärte Lägreid bereits vor dem Weltcup-Wochenende in Kontiolahti, als er über seine starke Form trotz der gesundheitlichen Probleme sprach.