Auf der größten Bühne des Wintersports, den Olympischen Spielen, beendete Franziska Preuß nach einem letzten Rennen am 21. Februar ihre Biathlonkarriere - mit einem Gesamtweltcupsieg, einem EM-Titel und zwei WM-Goldmedaillen.
"Wir werden keine Freunde" - Preuß reflektiert Olympia und bietet ihre Hilfe an
Preuß: „Werden keine Freunde“
Ein Sieg bei den Olympischen Spielen blieb Preuß jedoch verwehrt, auch wenn sie mit der Mixed-Staffel in diesem Jahr ihre zweite Bronzemedaille erringen konnte. „Klar habe ich den Traum gehabt, mit einer Einzelmedaille heimzufahren. Das war den ganzen Sommer die Motivation. Aber Olympische Spiele und ich, wir werden einfach keine Freunde. Es war der Wurm drin“, blickte Preuß bei Blickpunkt Sport auf ihren Karriereabschluss zurück.
Zwar erklärte Preuß auch, sie schaue auf eine insgesamt „coole Karriere“ zurück, dennoch merkte sie an, dass sie in den vergangenen Jahren „ziemlich einstecken“ musste. Unter anderem hatte Preuß die Saison 2022/23 aufgrund gesundheitlicher Probleme abbrechen müssen.
Preuß: „Das hat viel Energie gezogen“
In den Jahren darauf kehrte sie jedoch zurück in die Erfolgsspur, feierte unter anderem den Gesamtweltcupsieg 2024/25. Der Weg zu ihrem wohl größten Erfolg war dabei kein leichter, wie sie verriet.
„Mental waren die letzten drei Wochen im letzten Jahr hart, weil ich wusste, ich darf mir keinen einzigen Fehler erlauben“, offenbarte Preuß und sagte: „Man musste da drei Wochen mental so streng zu sich sein, dass man den Glauben nicht verliert. Das hat viel Energie gezogen. Und das habe ich dieses Jahr gemerkt. Da ist es mir nicht mehr so leicht gefallen.“
„Dieses Jahr war auch die mediale Erwartungshaltung ein bisschen höher und ich habe nicht den richtigen Umgang gefunden“, offenbarte Preuß weiter.
Nach ihrem Karriereende bleibt Preuß dem Biathlon zunächst weiter erhalten. Als Co-Kommentatorin der ARD bei der Nachwuchs-WM am Arber freute sich die 31-Jährige aber vor allem über eine „neue Freiheit“.
„Die schönste E-Mail“
Die permanente Verfügbarkeit für die Anti-Doping-Kontrolleure gehört nun der Vergangenheit an. „Das war die schönste E-Mail, in der man sich abmelden muss und jetzt nicht mehr jede Nacht angeben muss, wo man schläft“, schilderte Preuß. Allerdings sei sie auch erleichtert, kein Training im Regen mehr absolvieren zu müssen und den täglichen Leistungsdruck hinter sich zu lassen.
Mit Preuß verliert der DSV die zuletzt erfolgreichste deutsche Biathletin. Schon zuvor befand sich der deutsche Biathlon-Sport in einer Formkrise. „Wenn man sich die Ergebnislisten schwarz auf weiß anschaut, sind wir einfach ein Stück dahinter“, erklärte Preuß, die ihren Blick allerdings positiv auf die Zukunft richtete.
„Wir haben trotzdem richtig gute Talente im Team, gerade im Damenbereich mit Selina (Grotian, Anm. d. Red.) und Julia (Tannheimer, Anm. d. Red.)“, sagte Preuß: „Jede Sportart hat ein Auf und Ab. Manchmal muss man auch mit dem Rücken zur Wand stehen, um sich weiterzuentwickeln.“
Darüber hinaus sei sie bereit, den Verband zu beraten, sollte dieser danach fragen: „Wie das dann aufgenommen wird, liegt nicht in meiner Hand.“