Ein Jahr ist vergangen, seit der Tod von Laura Dahlmeier die Sportwelt erschütterte. Die frühere Biathlon-Olympiasiegerin kam am 28. Juli 2025 bei einem Bergunfall am Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge ums Leben. Auch zwölf Monate später ist die Erinnerung an die Ausnahmesportlerin ungebrochen, wenn auch fernab der großen öffentlichen Aufmerksamkeit. Das Gedenken an Dahlmeier hat eine ruhigere, persönlichere Form angenommen.
Laura Dahlmeier: Diese Tragödie bewegte die Sportwelt zutiefst
Eine bis heute unglaubliche Tragödie
Im nach ihr benannten Laura-Dahlmeier-Park in Garmisch-Partenkirchen erinnern Blumen, Kerzen, eine Gedenktafel und ein von ihrer Mutter ausgewählter Felsen an die frühere Weltklasse-Wintersportlern und leidenschaftliche Bergsteigerin. Für viele Menschen ist der Ort zu einer Anlaufstelle geworden, um innezuhalten. Die Familie selbst begeht den ersten Jahrestag der Tragödie dagegen bewusst im privaten Kreis.
Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betonte Vater Andreas Dahlmeier, dass die Angehörigen den Tag im engsten Kreis verbringen wollen. Nach den aufwühlenden Monaten nach dem Unglück sei man vor allem dankbar, dass inzwischen wieder etwas Ruhe eingekehrt sei. Eine offizielle Gedenkveranstaltung ist deshalb nicht geplant. Der tödliche Unfall am Laila Peak löste damals weit über die Grenzen des Sports hinaus große Bestürzung aus. Nicht nur in Deutschland.
So kam es zu Dahlmeiers Unglück
Dahlmeier war gemeinsam mit ihrer Seilpartnerin Marina Krauss auf dem mehr als 6.000 Meter hohen Berg unterwegs, als sie beim Abstieg auf rund 5.700 Metern von einem Steinschlag getroffen wurde. Wie ihr Management später mitteilte, führten die Verletzungen unmittelbar zum Tod der ehemaligen Biathletin. Laut Krauss hatten sich beide Bergsteigerinnen aufgrund der Bedingungen bereits gegen einen Gipfelversuch entschieden und sich auf dem Rückweg befunden. Mehrere Rettungsversuche mussten wegen der gefährlichen Bedingungen am Berg erfolglos abgebrochen werden.
„Wir wussten, dass wir das technisch auf jeden Fall draufhaben und dass es laut der Wettervorhersage – wenn wir in der Nacht starten – alles machbar ist“, berichtete Krauss wenige Tage nach dem tragischen Unglück auf einer improvisierten Pressekonferenz. Weiter erklärte sie, dass die beiden Bergsteigerinnen sich entschieden hätten, wieder umzudrehen, bevor sie den Gipfel erreicht hatten. „Wenn wir eine halbe Stunde früher gewesen wären, wären wir auch sicher heruntergekommen“, meinte Dahlmeiers Seilpartnerin.
„Wir waren im Abstieg an der dritten Abseilstelle. Ich war schon unten an der nächsten Abseilstelle und hatte alles vorbereitet. Laura kam nach. Dann ging der Steinschlag los“, schilderte Krauss sichtlich bewegt: „Ich habe beobachtet, wie Laura von einem riesigen Stein getroffen wurde und gegen die Wand geschleudert wurde. Von diesem Moment an hat sie sich nicht mehr bewegt und auch keine Anzeichen mehr von sich gegeben. Ich habe sie gerufen, aber es gab keine Reaktion. Und ich habe gesehen, dass sie am Kopf getroffen wurde. Ich wusste, dass sie nur eine Chance hat, wenn sofort Hilfe kommt.“
Krauss selbst konnte diese nicht leisten. „Für mich war es unmöglich, dorthin zu gelangen. Die einzige Möglichkeit, ihr noch zu helfen, war, den Helikopter zu rufen“, betonte sie. Mehrere Bergungsversuche mussten wegen anhaltender Steinschlaggefahr und schwieriger Wetterbedingungen abgebrochen werden. Schließlich entschieden die Einsatzkräfte, keine weiteren Rettungsaktionen zu riskieren – was gleichzeitig Dahlmeiers Wunsch entsprach. Sie hatte selbst festgelegt, dass im Falle eines tödlichen Bergunfalls niemand sein Leben für eine Bergung riskieren solle.
Biathlon: Dahlmeier war eine der erfolgreichsten Athletinnen überhaupt
Die Nachricht vom Tod der damals 31-Jährigen löste weltweit Betroffenheit aus. Der Deutsche Skiverband würdigte Dahlmeier als eine der erfolgreichsten Sportlerinnen seiner Geschichte und als außergewöhnlichen Menschen. In einer Stellungnahme hieß es, ihre Bodenständigkeit, ihre Lebensfreude und ihr offenes Wesen hätten viele Menschen inspiriert. Sportlich hatte Dahlmeier ohnehin eine außergewöhnliche und nahezu beispiellose Karriere hingelegt.
Nach ihrem Weltcup-Debüt im Jahr 2013 gewann sie sieben WM-Titel und avancierte zu einer der prägenden Biathletinnen ihrer Generation. Bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang holte sie Gold im Sprint und in der Verfolgung sowie Bronze im Einzel. Insgesamt sammelte sie 20 Weltcup-Siege, bevor sie im Alter von nur 25 Jahren überraschend ihre Karriere beendete, um sich neuen Herausforderungen zu widmen. Ihre Leidenschaft für die Berge blieb dabei stets ein zentraler Bestandteil.
„Spätestens jetzt würde Laura sagen: ‚Mimimi, Schluss mit dem Gejammere‘“
Die Wochen nach dem Unglück waren auch von enormer medialer Aufmerksamkeit begleitet. Dahlmeiers Managerin Sophie Schröder berichtete später von einer Welle aus Spekulationen, Falschinformationen und teils verletzenden Reaktionen bis hin zu KI-generierten Falschvideos. „Ich war teils fassungslos, aber vor allem wütend über die Taktlosigkeit und Dreistigkeit mancher“, schrieb Schröder in einem Kommentar unter ihrem eigentlichen Post auf LinkedIn. Vor allem kritisierte Schröder den mangelnden Respekt mancher Beteiligter und appellierte an mehr Empathie im Umgang mit der Tragödie.
Schröder musste über Dahlmeiers tragischen Unfall informieren. Eine „enorme Medienlawine“ war die Folge. „Diese Wochen waren extrem herausfordernd. Gleichzeitig haben sie mir gezeigt, welche enorme Kraft man aus einem vertrauensvollen Team, aus echter Empathie und aus dem Wissen, warum und für wen man sein Bestes gibt, ziehen kann. Gemeinsam hatten wir noch viel vor. Es ist nach wie vor schwer zu begreifen, dass wir all das nicht mehr gemeinsam realisieren werden“, erklärte Schröder weiter und zitierte zum Abschied auch Dahlmeier: „Spätestens jetzt würde Laura sagen: ‚Mimimi, Schluss mit dem Gejammere.‘ Es ist Zeit, nach vorne zu schauen.“
Das Management habe sich deshalb bewusst darauf beschränkt, ausschließlich die notwendigen Informationen zu veröffentlichen und zugleich Dahlmeiers Privatsphäre sowie die ihrer Angehörigen zu schützen. Ein Jahr später ist der mediale Ausnahmezustand abgeebbt. Geblieben sind die Erinnerungen an einen außergewöhnlichen Menschen – geblieben ist auch ein Ort in Garmisch-Partenkirchen, an dem Menschen still an Laura Dahlmeier denken.