Zwei olympische Goldmedaillen, ein WM-Titel und ein Sieg im Gesamtweltcup – der Nordische Kombinierer Vinzenz Geiger ist seit Jahren einer der größten deutschen Hoffnungsträger im Wintersport. Bei den Olympischen Winterspielen 2026 blieb der erhoffte Medaillencoup jedoch aus.
Deutscher Topstar erhebt schwere Olympia-Vorwürfe
Olympia-Debakel in neuem Licht
Im SPORT1-Podcast Deep Dive sprach Geiger über seine Erfolge in den vergangenen Jahren und äußerte sich durchaus kritisch zu Olympia 2026.
„Dieses Jahr ist schon alles sehr, sehr blöd gelaufen“, erklärte Geiger, der bei Olympia als einer der Top-Favoriten im Einzel die Plätze neun und zehn sowie einen fünften Rang im Teamwettkampf belegte.
Sturz zerstört Olympia-Ziele: „Viel Pech dabei“
Dennoch merkte der 28-Jährige an: „Ich weiß, dass ich mir nichts vorwerfen kann. Ich habe alles so gut wie möglich geplant, war gut vorbereitet. Dass es an Tag X dann nicht aufgeht, da war auch sehr viel Pech dabei.“
Besonders am dritten Wettkampftag musste Geiger im Teamsprint einen bitteren Rückschlag verkraften. Im tiefen Schnee stürzte der Kombinierer nach rund 11,5 Kilometern doppelt.
„Wir hatten eine super Ausgangsposition, ich habe mich gut gefühlt an dem Tag, bin gut gelaufen und dann ging es sehr schnell“, blickte Geiger zurück und erklärte: „Ich bin eigentlich ganz normal gelaufen, dann ist mein linker Ski weggebrochen und dann lag ich auf der Schnauze. Das ging alles so schnell, so schnell kann man gar nicht denken. Es hat mich rumgedreht und dann kam von hinten noch einer und ist voll in mich reingeschossen.“
Als Geiger sich wieder aufraffte, kam es jedoch noch bitterer. „Ich bin aufgestanden und hatte so viel Schnee unter dem Ski, dass ich gleich nach ein paar Metern nochmal gestürzt bin. Da habe ich gewusst, dass es vorbei ist.“ Zwar habe er im Anschluss noch einmal alles gegeben, den Rückstand auf die Medaillenränge aufzuholen, „aber da war leider keine Chance“.
Geiger kritisiert Olympia-Veranstalter
Besonders bitter: Geiger vermutet bis heute, dass der Sturz nicht an ihm, sondern an mangelnder Aufbereitung der Strecke lag. „Ich habe wirklich nicht gewusst, wie das passieren konnte. Es war keine Abfahrt, wo man sich irgendwie konzentrieren musste“, schilderte Geiger und führte aus: „Ich wollte an der Gruppe links vorbei und bin dann in ein Loch reingefahren. Es lag wohl mal ein Kabel dort, das hat ein Loch in den Schnee gegraben, dann hat es drüber geschneit und ich bin wohl eingebrochen.“
Zwar sei diese Annahme nicht zu 100 Prozent bestätigt, allerdings würde es laut Geiger Sinn ergeben, da er bei sich keinen Fehler ausmachen konnte. Grundsätzlich sei der Austragungsort Predazzo eigentlich „höchst professionell, aber wenn dann Olympische Spiele sind, da mischen sich dann auf einmal alle ein und dann wird es natürlich schwierig. Bei uns waren die Bedingungen nicht professionell gelöst.“
Während sich Geiger im Vorfeld natürlich „viel vorgenommen“ habe, bleibt dem Oberstdorfer am Ende eine Enttäuschung. Auch wenn er inzwischen feststellte: „Ob jetzt in meiner Medaillensammlung noch mal eine goldene dabei wäre, wird natürlich schon auf der einen Seite einen großen Unterschied machen, aber in zehn Jahren interessiert es keinen mehr, ob ich jetzt zweifacher, dreifacher Olympiasieger bin oder ob ich noch eine bronzene Medaille habe oder nicht.“
Leidgetan habe es Geiger vor allem für das deutsche Team, das ohne Medaille nach Hause fahren musste. Darum habe es in diesem Jahr „ein, zwei Wochen gedauert, bis ich dann wirklich mal so einen Schlussstrich ziehen konnte“.
Olympia 2026 enttäuscht: „Es war sehr klein“
Nach den Gold-Triumphen in 2018 und 2022 hatten die Olympischen Spiele in diesem Jahr für Geiger jedoch schon vor dem Start der sportlichen Wettkämpfe enttäuschend begonnen.
„Pyeongchang und Peking waren Momente, wo man total geflasht war. Wo man dann ankommt und diese riesigen, gigantischen Gebäude sieht. Das war schon krass. Dieses Jahr war das eigentlich gar nicht so“, meinte Geiger bei SPORT1.
Kritisch sah der zweimalige Olympiasieger vor allem die Austragung an verschiedenen Orten in Italien. „Durch Mailand und Cortina war alles auseinandergezerrt. Wir waren in Predazzo an der Schanze nur mit den Skispringern und den Langläufern“, erklärte Geiger und meinte: „Es war sehr klein. Es war eigentlich mehr wie eine Nordische Ski-WM, nur kleiner. Mit weniger Zuschauern.“ Von den anderen Sportarten habe man gar nichts mitbekommen.
In diesem Jahr entschloss sich Geiger auch dazu, an der Eröffnungsfeier teilzunehmen, die er bereits zweimal ausgelassen habe. Dafür wäre er auch bereit gewesen, nach Mailand oder Cortina d’Ampezzo zu reisen. „Aber es durfte keiner woanders hin, es waren an jedem Ort eigene Eröffnungsfeiern und wir mussten dann im Stadion einlaufen in Predazzo.“
Ein Erlebnis, das laut Geiger wenige Highlight bot: „Es waren auch keine Zuschauer erlaubt, also sind wir für das Fernsehen einmal 50 Meter durch den Ring gelaufen.“ Vor allem mit Blick auf die anderen Standorte war dies durchaus unspektakulär. „Wir haben alle die Bilder aus dem San Siro gesehen, mit dieser krassen Eröffnungsfeier und wir sind dann 10 Sekunden vorgelaufen und das war’s. Aber jetzt kann ich sagen, ich war mal bei einer Eröffnungsfeier dabei“, scherzte Geiger.
Geiger: „Das Höchste, was man erreichen kann“
Eine Erfahrung, die genau wie seine Erfolge bei den vergangenen Olympischen Winterspielen auf ewig bleiben wird. „Wenn ich in zehn bis 20 Jahren aufgehört habe, dann bleibt der Titel. Das nimmt extrem viel Druck. Die meisten Leute werden das nie erreichen – ob das jetzt im Team ist oder im Einzel. Deswegen war das schon was sehr Spezielles“, resümierte Geiger.
Eine besondere Bedeutung habe jedoch der Gesamtweltcupsieg aus der Saison 2024/25. „Das ist eigentlich das Höchste, was man bei uns in der Sportart erreichen kann. Sportlich gesehen noch wertvoller als der Olympiasieg, weil es eben die ganze Saison die Leistung abzeichnet“, zeigte sich Geiger stolz.