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Wintersport-Legende poltert: "Deutschland kann nichts mehr"

Legende poltert gegen Deutschland

Bei Rodel-Ikone Georg Hackl hat sich offensichtlich viel Frust aufgestaut: Hackl schimpft über die „Bananenrepublik“ Deutschland und lobt die rechte Regierung Italiens. Es geht um seinen Sport - aber nicht nur.
Georg Hackl verabschiedet sich aus dem Rodelsport
Georg Hackl verabschiedet sich aus dem Rodelsport
© IMAGO/Eibner
Bei Rodel-Ikone Georg Hackl hat sich offensichtlich viel Frust aufgestaut: Hackl schimpft über die „Bananenrepublik“ Deutschland und lobt die rechte Regierung Italiens. Es geht um seinen Sport - aber nicht nur.

Die deutsche Rodel-Legende Georg Hackl ist offensichtlich nachhaltig unglücklich mit der deutschen Politik. Der Olympiasieger, der seine Trainerkarriere jüngst beendete, bemängelte fehlende Führungsstärke und ausbleibenden Fortschritt - es geht ihm um seinen Sport, aber nicht nur.

In einem Interview mit der Münchner Abendzeitung lobte „Hackl Schorsch“ zunächst den Olympia-Ausrichter Italien, der für die Wettkämpfe in Cortina in kürzester Zeit eine Rodelbahn erbaut hatte.

„Das ist Führungsstärke! Und gestatten Sie mir, dass es jetzt kurz politisch wird: Das ist Führungsstärke, die ich in Deutschland so sehr vermisse, in dieser Regierung schon wieder, wie in der letzten und vorletzten“, erklärte Hackl.

Während Hackl damit sowohl die Kabinette von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als auch die seiner Vorgänger Olaf Scholz und Angela Merkel scharf kritisierte, lobte er in diesem Zusammenhang auch explizit die rechte Regierung Italiens unter Giorgia Meloni.

Deutsche Legende: Heute sind wir die Bananenrepublik

Er wolle „in aller Form ein großes Kompliment an die italienische Regierung aussprechen, dass die in der Lage waren, innerhalb eines Jahres da eine Bahn hin zu bauen“, hielt Hackl fest: „Sensationell, große Klasse! Sogar der Matteo Salvini (Infrastruktur-Minister und Melonis Stellvertreter, d. Red.), der ja in Italien der Zweithöchste ist, war da, getarnt in der Kleidung eines Volunteers. Aber ich hab‘ sein Gesicht gleich erkannt, und er hat gesehen, dass ich ihn erkannt habe, und ich hab‘ ihm ein Daumen-hoch gegeben.“

Hackl holt in diesem Zusammenhang dann noch weiter aus: Früher, so betonte der langjährige Trainer und Bundeswehrsoldat, „haben wir Deutschen die Italiener belächelt – heute sind wir die Bananenrepublik, die nichts mehr auf die Reihe kriegt."

Der 59-Jährige führte gleich mehrere Bauprojekte aus den vergangenen Jahrzehnten als Beispiele an. Man habe „keinen Stuttgarter Bahnhof, einen viel zu spät fertig gewordenen Berliner Flughafen, die Brücke in Dresden ist immer noch nicht repariert, wie auch nicht die Königseer Rodelbahn.“

Schwere Unwetter und Murenabgänge hatten die Bahn im Berchtesgadener Land im Juli 2021 zerstört. Bisher konnten die Sportler nicht zurückkehren: „Da muss man nicht die ganze Bahn neu bauen, da geht es um ein, zwei Kurven, die durch die Überschwemmung in Mitleidenschaft gezogen wurden – und nach fünf Jahren rodeln wir immer noch nicht!"

Zukunft von Königssee steht in den Sternen

Wie die deutsche Bau-Trägheit bei den ausländischen Trainerkollegen aufgenommen werde? „Die lachen uns mittlerweile aus“, befand Hackl.

Zum Abschluss seines Interviews sagte er noch: „Wann am Königssee wieder gerodelt wird, steht noch völlig in den Sternen - weil Deutschland nichts mehr kann. Wollen wir, dass das so weiter geht? So, das war mein politisches Statement.“ Welche konkreten politischen Lösungen Hackl im Sinn hat, führte er nicht weiter aus.

Hackl gewann unter anderem drei olympische Goldmedaillen als Sportler. Als Trainer war er jahrelang für die deutschen Rennrodler im Einsatz. Zuletzt arbeitete er für den Österreichischen Rodelverband.