Sie war eine der erfolgreichsten deutschen Wintersportlerinnen aller Zeiten und feierte zahlreiche famose Erfolge – doch der Schlussstrich unter ihre schillernde Karriere verlief alles andere als spektakulär: Acht Tage nach einem schweren Sturz im schweizerischen Lenzerheide verkündete Maria Höfl-Riesch am 20. März 2014 – heute vor zwölf Jahren – auf einer Pressekonferenz am Münchner Flughafen ihren endgültigen Abschied.
Der fatale Schlusspunkt einer glänzenden Karriere
Trauriges Ende einer großen Karriere
Mit der Art und Weise, wie ihre große Karriere in einem Fangnetz endete, hadert sie noch heute, wie Höfl-Riesch erst im November im Podcast SPORT1 DEEP DIVE verraten hat: „In dem Moment, wo ich im Netz lag, habe ich mit der Saison abgeschlossen, mit dem Gesamtweltcup und ein bisschen auch schon mit meiner Karriere“, blickte sie auf das finale Abfahrtsrennen der damaligen Saison zurück. „Ich hätte mir einen schöneren Abgang gewünscht.“
Höfl-Riesch: Emotionales Karriereende
Vor allem nicht im Helikopter, der die Bayerin ins Krankenhaus flog, wo sie aufgrund von Verletzungen an den Adduktoren, Ellenbogen und Schulter behandelt wurde. Was folgte, war eine tränenreiche Nacht, wie sie auf ihrer Facebook-Seite schrieb, da sie ihre starke Saison vorzeitig abbrechen musste. In den Tagen nach dem fatalen Sturz reifte dann der Entschluss, im Alter von 29 Jahren von der sportlichen Bühne abzutreten – schweren Herzens.
„Es fällt mir schwer, aber ich denke, es ist die richtige Entscheidung“, erklärte die heute 41-Jährige seinerzeit, wobei der Kloß im Hals deutlich zu spüren war. „Es ist ein trauriges, wehmütiges, aber auch erleichterndes Gefühl.“ In diesem Moment überlagerten die seelischen Qualen die körperlichen Schmerzen, doch Höfl-Riesch war mit sich im Reinen: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“
Das war es allemal, vor allem wenige Wochen zuvor, als sie bei den Winterspielen im russischen Sotschi zum dritten Mal Olympiasiegerin wurde. Neben Gold in der Super-Kombination holte die Allrounderin zudem Silber im Super-G. „Ich habe so viel, alles, was ich hatte, noch mal in dieses Jahr hineingesteckt. Ich habe alles dafür getan, dieses höchste Ziel noch einmal zu erreichen. Der größte Traum hat sich für mich nochmal erfüllt.“
Goldmedaille in Sotschi als krönender Abschluss
Vollends perfekt wäre der Abschied geworden, hätte Höfl-Riesch nach 2011 zum zweiten Mal den Gesamtweltcup für sich entschieden, doch der Sturz beim Weltcup-Finale im viertletzten Saisonrennen machte alle Hoffnungen zunichte.
„Ich wollte nochmal den Gesamtweltcup gewinnen, weil ich mir dachte, dass es der perfekte Abschluss wäre, falls ich aufhören würde mit dem Skifahren“, sagte die zweimalige Weltmeisterin, die sich damals mit Anna Veith (geb. Fenninger; d. Red.) einen packenden Zweikampf um die große Kristallkugel geliefert hatte, doch nach Olympia ein wenig aus dem Tritt geraten war.
„Ich hatte nicht mehr so das Durchhaltevermögen“, betonte Höfl-Riesch. „Anna Fenninger hatte dann einen super Lauf, sie war so stark am Schluss und ich nicht mehr so.“ Während sich die Österreicherin den Gesamtweltcup sicherte, gewann die dreimalige Olympiasiegerin trotz ihres bitteren Ausscheidens erstmals die kleine Kristallkugel für den Gewinn des Abfahrtsweltcups – doch die Freude hielt sich verständlicherweise zunächst in Grenzen.
Immenses Verletzungspech zu Beginn der Karriere
Auf dem Weg ins Krankenhaus flog der Helikopter über den Zieleinlauf, wo zum damaligen Zeitpunkt die Siegerehrung der Abfahrts-Wertung stattfand: „Dann standen Anna Fenninger und Tina Maze rechts und links auf dem Podium und oben war halt leer. Wenn ich schon keine Goldmedaille bei Olympia und bei Weltmeisterschaften in der Abfahrt gewonnen habe, dann immerhin noch einmal die kleine Glaskugel.“
Mit der emotionalen Pressekonferenz am Münchner Flughafen endete eine Karriere, die von großen Titeln, aber auch von schlimmen Verletzungen geprägt war. Am 16. Februar 2001 hatte Höfl-Riesch im Alter von 16 Jahren ihr Weltcup-Debüt in ihrem Heimatort Garmisch-Partenkirchen gefeiert, ehe sie Anfang 2004 mit 19 Jahren ihre ersten drei Weltcup-Siege in drei verschiedenen Disziplinen einfuhr und als kommender Superstar gehandelt wurde.
Doch dann schlug das Verletzungspech gnadenlos zu und warf die Ausnahmesportlerin weit zurück – die Krankenakte liest sich wie ein Horrorfilm: Schulterfraktur im November 2004, Kreuzbandriss im rechten Knie im Januar 2005, Verletzung am Schienbeinkopf im September 2005, Bruch des Mittelhandknochens im Oktober 2005 sowie zu guter Letzt im Dezember 2005 ein Kreuzbandriss, Meniskusschaden und Knorpelverletzungen, dieses Mal im linken Knie.
„Eine traumhafte Karriere“
Höfl-Riesch, die sich in ihrer Karriere immer durch extremen Ehrgeiz und das Eingehen hoher Risiken auszeichnete, ließ sich jedoch nicht entmutigen und feierte in der Saison 2006/07 ihr Comeback – mit einem Paukenschlag. Sie gewann die erste Abfahrt des Winters im kanadischen Lake Louise und etablierte sich wieder in der Weltspitze – vor allem ab Januar 2008, als sie in schöner Regelmäßigkeit von ganz oben auf dem Podium grüßte.
Ihr erster Mega-Erfolg gelang ihr dann bei der WM 2009 im französischen Val d’Isère, als sie Gold im Slalom holte – genauso wie ein Jahr später bei Olympia in Vancouver, wo sie wie vier Jahre später in Sotschi auch in der Super-Kombination triumphierte. Außerdem krönte sie sich bei der WM 2013 im österreichischen Schladming zur Weltmeisterin der Super-Kombination.
„Ich bin schon stolz, dass ich nach den schwersten Verletzungen meine größten Erfolge hatte“, betonte Höfl-Riesch, die 27 Weltcup-Erfolge feiern konnte, letztmals am 24. Januar 2014 bei der Abfahrt im italienischen Cortina d’Ampezzo. „Eine traumhafte Karriere, wenn man sich das so anschaut.“ Die final gewürdigt wurde, als sie im Dezember 2014 zum zweiten Mal als deutsche Sportlerin des Jahres ausgezeichnet wurde.