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Emma Aicher exklusiv: Ski-Ass reagiert auf den Ritterschlag des Superstars

„Cool, das von Shiffrin zu hören“

Emma Aicher hat die beste Saison ihrer Karriere hinter sich. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht das deutsche Ski-Ass über ihre Erfolge, eine vermeintliche Baustelle, und darüber, was sie an Mikaela Shiffrin inspiriert. 
Lindsey Vonn lässt ein Comeback nach ihrem Horror-Sturz bei Olympia offen. Im SPORT1-Interview spricht Skirennfahrerin Emma Aicher über die Comeback-Qualitäten der US-Amerikanerin.
Emma Aicher hat die beste Saison ihrer Karriere hinter sich. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht das deutsche Ski-Ass über ihre Erfolge, eine vermeintliche Baustelle, und darüber, was sie an Mikaela Shiffrin inspiriert. 

Der Name Emma Aicher ist spätestens nach dem vergangenen Winter nicht mehr aus der Weltspitze des Skisports wegzudenken. Die 22-Jährige hat die beste Saison ihrer Karriere hinter sich. Bis zum letzten Rennen duellierte sich die Deutsche mit Dominatorin Mikaela Shiffrin um den Gesamtweltcup, zudem gewann sie bei den Olympischen Spielen in Italien zweimal Silber.

Doch das soll nur der Anfang sein. Fast alle Experten sind sich einig, dass dem vielseitigen Ski-Ass, das inzwischen in allen Disziplinen um Podestplätze fährt, die Zukunft gehört. Zuletzt schwärmte auch die frühere Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch im Gespräch mit SPORT1 von Aichers Entwicklung.

Im exklusiven SPORT1-Interview spricht Aicher über ihre bisherigen Erfolge, das Duell mit US-Star Shiffrin und deren nette Worte sowie über ihre Rolle als Catcher-Car-Fahrerin beim Wings for Life World Run am 10. Mai in München.

SPORT1: Frau Aicher, wir sind hier im Rahmen der Vorbereitungen für den Wings for Life World Run, was macht dieses Event für Sie so besonders?

Emma Aicher: Es ist ein Lauf für den guten Zweck. Man läuft für die, die es nicht können. Und es ist richtig cool zu sehen, dass so viele mitlaufen.

Aicher: „Richtig schön, einfach so Skifahren zu gehen“

SPORT1: Ihre Paradedisziplin bleibt wohl dennoch das Skifahren. Sie haben nach der Saison gesagt, dass Sie froh sind, wenn Sie mal ein bisschen von der Ski-Blase wegkommen. Wie gut ist Ihnen das gelungen und wie haben Sie die Zeit nach der Saison verbracht?

Aicher: Es ist mir ganz gut gelungen, finde ich. Ich habe wenig mitbekommen von irgendwas. Ich war daheim, ein paar Mal Skifahren, ein bisschen Radeln, so das Normale. Ich habe keinen Plan, ich kann aufstehen und dann entscheiden, was ich mache.

SPORT1: Können Sie überhaupt entspannt Skifahren in Ihrer Freizeit, ohne an die „Arbeit“ zu denken?

Aicher: Ja, es ist richtig schön, einfach so Skifahren zu gehen, ohne dass man an irgendetwas denken muss. Ich kann einfach entspannt ein paar Stunden Skifahren und ich glaube, das ist auch mal gut, dass man vom Rennfahren wegkommt und es einfach nur genießen kann.

Duell mit Shiffrin begeistert deutschen Ski-Star

SPORT1: Sie haben bis zum letzten Rennen mit Mikaela Shiffrin um den Gesamtweltcup gekämpft. Wie bewerten Sie Ihre Saison mit ein paar Wochen Abstand?

Aicher: Ich bin sehr zufrieden und auch stolz darauf, dass ich zeigen konnte, dass ich wirklich bis zum Schluss mithalten kann mit Shiffrin. Ich glaube, es war für die meisten auch eine Überraschung, dass ich am Ende so weit vorne war oder so weit vorne im Vergleich zu den vergangenen Jahren.

SPORT1: Waren Sie selbst auch davon überrascht, dass Sie so gut mithalten konnten?

Aicher: Es war schon richtig cool, dass ich bis zum letzten Lauf Shiffrin ein bisschen nerven konnte, auch wenn ja mein Ziel ist, irgendwann mal ganz oben zu stehen. Aber es ist richtig schön zu sehen, dass bei der ganzen Arbeit, die man reinsteckt, auch etwas zurückkommt.

SPORT1: Was nehmen Sie aus diesem Duell mit der besten Skifahrerin der Geschichte mit?

Aicher: Für mich war ziemlich klar, dass ich mithalten kann, wenn ich mich einfach auf mich konzentriere und mein Skifahren zeigen kann. Und dass es am Schluss dann auch im Riesenslalom geklappt hat, war richtig cool zu sehen. Das nehme ich mit für die nächsten Jahre. 

„Ist mir fast wichtiger, als dass ich gut Ski fahre“

SPORT1: Shiffrin hat nach der Saison gesagt, dass Sie eine große Zukunft vor sich haben und Sie sie sehr inspirieren – nicht nur als Skifahrerin, sondern auch als Persönlichkeit. Wie haben Sie auf diese Worte reagiert?

Aicher: Es ist schon schön, so etwas zu hören, dass man ein guter Mensch ist. Mir ist das fast wichtiger, als dass ich gut Ski fahre. Aber dass man das auch von Mikaela Shiffrin hört, dass das mit dem Skifahren weit gehen könnte, ist natürlich cool.

SPORT1: Ist Shiffrin denn für Sie auch eine Inspiration? 

Aicher: Auf jeden Fall, Mikaela ist richtig lieb und auch einfach ganz normal. Mit ihr kann man ganz normal reden und Spaß haben. Sie inspiriert sehr viele Menschen, nicht nur skifahrerisch.

SPORT1: Sie wirken von außen immer extrem cool. Gibt es überhaupt Situationen, die Sie nervös machen?

Aicher: Na ja, Medienarbeit (lacht) – wobei: jetzt nicht mehr so wie am Anfang. Aber da ist mir Skifahren viel lieber, da kenne ich das Wort Nervosität nicht wirklich. 

„War nah dran“: Wimpernschlag fehlt zu Olympia-Gold

SPORT1: Sie waren bei Olympia mit zweimal Silber sehr erfolgreich. Gold haben Sie jeweils nur sehr knapp verpasst. Haben Sie von diesen Hundertsteln nach den Spielen noch mal geträumt?

Aicher: Natürlich war es eng und man war nah dran – aber wenn mir jemand vor Olympia gesagt hätte, dass ich mit zwei Medaillen heimfahre, hätte ich es direkt genommen. Also ich bin sehr zufrieden.

SPORT1: Behalten Sie denn auch Ihr Rennpensum bei und gehen weiter in allen vier Disziplinen an den Start?

Aicher: Ich will so weitermachen, wie wir es die letzten Jahre gemacht haben. Mir macht es richtig viel Spaß, Ski zu fahren und Rennen zu fahren. Solange es mir gut geht, will ich schon so weitermachen.

SPORT1: Der Riesenslalom ist Ihre – in Anführungszeichen – schwächste Disziplin. Dennoch verpassten sie im März mit Platz vier in Are nur knapp das Podium. Wenn Sie da auch noch solche Fortschritte machen, wer soll Sie bald überhaupt noch schlagen?

Aicher: Es sind schon sehr viele starke Mädels am Start, im Speed- und im Technikbereich. Da muss man sich anstrengen, dass man mithalten kann. Für den Gesamtweltcup entweder so jemand wie Shiffrin, die sehr dominant ist in ein, zwei Disziplinen oder die, die in drei Disziplinen sehr schnell sind. Es gibt schon einige, die da vorne mitkämpfen können.

Ski Alpin: Aicher will aus „dummen Fehlern“ lernen

SPORT1: Es gibt sehr wenig, was man an Ihrer Saison bemängeln könnte, ein Thema war aber die hohe Ausfallquote im Super-G, bei dem die Streckenbesichtigung sehr wichtig ist, da es keine Trainingsläufe gibt. Sie haben dazu einmal gesagt: „Wenn ich zu lange besichtige, habe ich nur Scheiße im Kopf.“ Bleiben Sie dabei oder sehen Sie das noch als kleine Baustelle?

Aicher: Nein, ich bleibe dabei. Klar, das waren dumme Fehler, meistens im Super-G. Aber wenn ich zu lange an einem Tor rumstehe, denke ich nicht mehr über das Skifahren nach. Ich glaube, ich werde es so beibehalten und einfach aus den Fehlern lernen, die ich dieses Jahr gemacht habe. Ich finde das immer schwierig, wenn andere von außen sagen, was man machen soll und was nicht. Die haben ja nicht das ganze Bild.

SPORT1: Sie haben sich skifahrerisch stark verbessert in der vergangenen Saison. Wie sieht das auf mentaler Seite aus, haben Sie da auch noch einen Schritt gemacht?

Aicher: Ja, ich glaube schon. Ich habe eine Mentaltrainerin, mit der ich viel Kontakt habe im Sommer und auch im Winter. Ich hoffe, es ist etwas nach vorne gegangen, ich arbeite daran.

Vonn-Comeback? „Werden sehen, ob sie nochmal auftaucht“

SPORT1: Ihre größte Konkurrentin in den Speed-Disziplinen war bis zu ihrem schweren Sturz bei Olympia Lindsey Vonn. Noch ist unklar, ob sie noch einmal ein Comeback gibt. Wie blicken Sie auf ihre Stehauf-Qualitäten?

Aicher: Es ist sehr beeindruckend, wie sie immer wieder zurückkommt von ihren Verletzungen, auch bei ihrem letzten Comeback. In der ersten Saison hatte sie ja schon ihr erstes Podium. Das ist schon beeindruckend. Wir werden sehen, ob sie noch mal auftaucht.

SPORT1: Zum deutschen Team: Sie verstehen sich sehr gut mit Kira Weidle-Winkelmann. Wie wichtig ist so eine Bezugsperson im eigenen Team?

Aicher: Ich finde es schon sehr wichtig. Man ist so viel und oft auch lange unterwegs. Es ist für mich wichtig, dass man jemanden oder ein paar hat, mit denen man Spaß hat, auch wenn es nicht ums Skifahren geht, damit man auch mal abschalten kann.

SPORT1: Im kommenden Jahr sind an die 40 Rennen geplant bei den Damen. Sie sind eine Vielfahrerin, aber stößt man da irgendwann an die Grenze?

Aicher: Ich glaube, wir haben einen guten Plan für mich während der Saison und wir schauen Woche zu Woche und Tag für Tag, wie es mir geht. Man kann da nicht wirklich einen langfristigen Plan machen, aber so viel mehr Rennen kann man nicht mehr reinschieben, es ist ja schon ziemlich voll.

„Reicht langsam mit der Pause“:  So geht es für Aicher weiter

SPORT1: Wie sehen die kommenden Wochen für Sie aus? Ist noch Zeit für Urlaub oder geht es schon wieder los mit der Vorbereitung für den kommenden Winter?

Aicher: Nach dem Urlaub fange ich langsam mit dem Konditionstraining an. Das ist auch gut, es reicht langsam mit der Pause. Jetzt brauche ich wieder ein bisschen Routine im Leben.

SPORT1: Am 10. Mai steht zudem noch der Wings for Life World Run an. Was können Sie als Profi-Sportlerin den Läuferinnen und Läufern mitgeben?

Aicher: Beim Laufen bin ich nicht wirklich die Allerfitteste (lacht), aber wenn man hier ist, wird man von der Masse mitgetragen, zumindest war es bei mir so. Also einfach laufen, bis es nicht mehr geht.

SPORT1: Sie werden wie schon im vergangenen Jahr das Catcher Car fahren. Würden Sie sich als gute Autofahrerin bezeichnen?

Aicher: Ich würde schon sagen, ja. Aber vielleicht behaupten andere nach dem Lauf dann was anderes (lacht).