Es waren Bilder, die in der Welt des Wintersports für zahlreiche Schlagzeilen und Diskussionen sorgten, als sich beim Teamwettbewerb der Skiflug-WM in Oberstdorf am Sonntag plötzlich ein Ski von Dominator Domen Prevc verselbstständigte - was in der Folge aufgrund zu langer Wartezeiten zu einem Sprungverbot im ersten Durchgang führte und die slowenischen Siegchancen zunichtemachte.
Deutsche Skisprung-Legende reagiert auf Prevc-Aufreger
Legende reagiert auf Prevc-Aufreger
Ganz so besonders war der Vorfall trotz der spektakulären Bilder allerdings wohl nicht - zumindest wenn es nach dem ehemaligen Olympiasieger Martin Schmitt geht. „Man erlebt es vielleicht einmal im Jahr oder alle zwei Jahre über alle Skisprung-Klassen hinweg, dass so etwas passiert“, sagte Schmitt in seiner Experten-Rolle bei Eurosport.
Zudem habe die Schanze in Oberstdorf ein solches Vorkommen sogar begünstigt. So erklärte Schmitt: „Die Anlage stammt aus den 70er-Jahren und wurde nicht mit der Großzügigkeit heutiger Schanzen gebaut. Beim Teamwettbewerb kam viel zusammen, es hat geschneit und es ist eng oben.“
Prevc? „Eine sehr eindrucksvolle Antwort“
Dennoch zeigte sich Schmitt äußerst beeindruckt von der Reaktion von Prevc, der den Gesamtweltcup mit 467 Punkten anführt. Ohne Chance auf die Medaillenränge sprang der Slowene im Finale auf starke 228,5 Meter.
„Er hat mit seinem Flug dann gezeigt, dass ihn das Ganze eher wenig mitgenommen hat. Ich fand es sehr beeindruckend, wie ruhig er geblieben ist, ich hätte zu meiner Zeit wohl anders reagiert“, vermutete Schmitt und führte aus: „Er hat sich auf keine größere Diskussion eingelassen und die Entscheidung hingenommen. Und dann hat er eine sehr eindrucksvolle Antwort gegeben.“
Die Diskussionen um die Schuldfrage halten jedoch auch am Tag nach dem Wettkampf an. Nach einem gescheiterten Protest kündigte der slowenische Skiverband SZS einen weiteren Protest beim Weltverband FIS an.
„Es gibt zwei Versionen, die Fragen nach sich ziehen. Hat er die Ski einfach nur abgelegt? Wäre jemand dagewesen, der die Skier hätte halten können?“, fragte sich Schmitt und fügte an: „Dann soll laut der slowenischen Variante jemand die Skier mit einem Regenschirm touchiert haben, das soll auch ein Vorspringer gesehen haben. Wenn das zutrifft, dann hat er keine Schuld und es wäre extrem bitter. Wenn es sein Fehler war, dann ist es natürlich eine Unachtsamkeit, die nicht passieren sollte.“
Schmitt kann Argumentation der FIS nachvollziehen
Die FIS warf Prevc in ihrer Beurteilung des Vorfalls vor, seine Skier nicht an einem sicheren Ort abgestellt zu haben. Allerdings sprach der Weltverband in Person des Delegierten Andreas Bauer ohnehin von einer alternativlosen Entscheidung, zumal man aufgrund der Wetterbedingungen mit Schneefall nicht länger auf den Vierschanzentourneesieger hätte warten können.
Eine Argumentation, die auch Schmitt nachvollziehen konnte. „Auf der Basis des Selbstverschuldens hat die FIS ihre Entscheidung getroffen. Dazu kam der Druck, dass man bei dem Schneefall mit der Spur nicht zehn Minuten warten konnte. Es war eine schwierige Situation für alle Beteiligten. Die Bedingungen hätten sich auch komplett ändern können, das wäre auch nicht fair gewesen. So blieb man bei den verfügbaren Tatsachen und beim Reglement“, urteilte der viermalige Weltmeister.