Karl Geiger genoss die Party am 100. Geburtstag der Mühlenkopfschanze in vollen Zügen, machte aus seinen gemischten Gefühlen aber keinen Hehl. „Es ist ein sehr besonderer Moment. Ich bin unglaublich glücklich, erleichtert und dankbar, dass mir das gelungen ist“, sagte Geiger nach seinem dritten Platz beim deutschen Heim-Weltcup in Willingen.
Skispringen: "Die Situation ist für Karl natürlich extrem bitter"
Geigers bittersüße Party
Es war ein Paukenschlag, ein Befreiungsschlag – und doch war es auch ein bittersüßer Moment. Denn nach seinem Formtief in dieser Saison war der Ausnahme-Skispringer nicht für Olympia nominiert worden. „Der Olympia-Schlag sitzt schon noch. Vor drei Wochen hätte ich gesagt, da hätte ich auch nichts verloren“, erklärte Geiger und fügte dann vielsagend hinzu: „Mittlerweile sieht das etwas anders aus.“
Geiger gesteht: „Es ist sehr schade“
Sein Nachsatz ließ einen kleinen Blick in Geigers Kopfkino zu. „Es ist sehr schade“, gab der 32-Jährige unumwunden zu, beugt sich aber auch den Tatsachen: „Es gibt einfach eine Deadline und bis dahin habe ich es nicht geschafft. Von daher nehme ich es so, wie es ist.“
Es ist schon kurios: In der Vorwoche war es Luis Vogt beim Hahnenkammrennen auf der legendären Streif in Kitzbühel, der mit Platz acht die Olympia-Norm zu spät erfüllte. Nun lieferte der fünfmalige Skisprung-Weltmeister Geiger, als die Entscheidung schon getroffen war. In der Form von Willingen wäre ihm durchaus die vierte Olympia-Medaille zuzutrauen gewesen.
Übrigens: Neben Geiger zeigte mit Andreas Wellinger als Sechster ein anderes Sorgenkind deutlich aufsteigende Form. Der Unterschied: Wellinger darf bei Olympia starten.
Geiger versucht indes, sich auf das Positive zu besinnen. Auf die Frage, ob es der bedeutsamste dritte Platz seiner Karriere gewesen sei, antwortete er deutlich: „Das würde ich schon sagen.“
Dabei war eine deutliche Portion Genugtuung zu spüren.
Geiger ehrlich: „Ich habe nur Haue bekommen“
„Ich bin in die Saison reingestartet und habe nur Haue bekommen. Aber die letzten zwei Wochen waren sehr produktiv und effektiv, da habe ich Schritte in die richtige Richtung gemacht“, erklärte Geiger.
Felix Hoffmann, hinter Geiger als Vierter zweitbester Deutscher, vermutet auch einen mentalen Effekt bei Geiger. „Nach der Olympia-Entscheidung wirkt er befreit“, sagte Hoffmann SPORT1 und fügte hinzu: „Die Situation ist für Karl natürlich trotzdem extrem bitter.“
Geiger traut Hoffmann viel zu: „Soll Vollgas geben“
Geiger wiederum gibt sich als fairer Sportsmann und drückt nun den anderen DSV-Adlern bei Olympia in Norditalien die Daumen. Insbesondere Hoffmann traut er viel zu. „Er hat eine sehr gute Saison. Ich glaube, dass er sich darauf verlassen und konzentrieren kann“, sagte Geiger auf SPORT1-Nachfrage: „Und wenn es dann darauf ankommt bei den Olympischen Spielen hat keiner Edelmetall im Vorfeld. Diese Chance kann man ergreifen, Felix soll Vollgas geben.“
Bei Olympia geht es bereits am Donnerstag und damit 24 Stunden vor der Eröffnungsfeier beim ersten offiziellen Training erstmals auf die Normalschanze von Predazzo. Der erste Wettkampf steht am folgenden Montag an – mit Geiger als Zuschauer.